17.12.2015 16:23
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Nutzflächen häufig an Investoren
Rund ein Fünftel des Flächentransfers in Ostdeutschland läuft nach Schätzung des Thünen-Wissenschaftlers Andreas Tietz über den Erwerb von Anteilen landwirtschaftlicher Unternehmen in der Rechtsform einer juristischen Person. Diese Transaktionen laufen an den zuständigen staatlichen Stellen vorbei, weil Anteilsverkäufe - anders als der Transfer landwirtschaftlicher Flächen nicht behördlich genehmigt werden müssen.

Für den Wissenschaftler ergibt sich daraus, „dass das Grundstückverkehrsgesetz in Ostdeutschland seinen Zweck nur teilweise erfüllen kann“. Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens wertete die Ergebnisse des Gutachtens als Bestätigung seiner Position, dass der Bodenmarkt ein neues gesetzliches Regulariumbenötige.

In der Studie wurden 676 Agrarunternehmen verschiedener Rechtsformen in acht ostdeutschen Landkreisen daraufhin untersucht, wer die aktuellen Kapitaleigentümer sind und wie sich die Eigentümerstruktur seit 2007 verändert hat. Im Ergebnis bestätigt die Untersuchung, dass überregional tätige Investoren häufig Anteile und damit Flächen von landwirtschaftlichen Unternehmen in Ostdeutschland erwerben.

Landwirtschaftsnahe und ausserlandwirtschaftliche Investoren

Laut Studie treten überregional aktive Investoren vor allem in Mecklenburg-Vorpommern in Erscheinung. Rund 34% der von juristischen Personen bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche in den zwei dort untersuchten Landkreisen gehören demnach zu Unternehmen, die sich im Mehrheitseigentum von nicht ortsansässigen Personen befinden.

Knapp die Hälfte entfällt davon auf landwirtschaftsnahe Investoren, die andere Hälfte auf nichtlandwirtschaftliche Investoren aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen. Von der analysierten Fläche waren 20% bereits vor 2007 im Besitz dieser Investoren. 14% sind im Zeitraum 2007 bis 2014 übernommen worden. In den anderen sechs Untersuchungsregionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind die Anteile überregional aktiver Investoren und auch die Übernahmeaktivitäten in jüngerer Zeit teils deutlich geringer.

Bodenmarkt nicht Kapitalanlegern überlassen

Aeikens sprach im Zusammenhang mit der neuen Thünen-Studie von einem erneuten Beleg für Entwicklungen am Bodenmarkt, die vom geltenden Recht nicht mehr erfasst wurden. „Steuern wir nicht dagegen, wird ein Eingreifen zugunsten des Eigentumserwerbs durch die heimische Landwirtschaft immer schwieriger“, warnte der CDU-Politiker. Daher müssten Anteilsverkäufe an landwirtschaftlichen Unternehmen in das Grundstücksverkehrsrecht aufgenommen werden.

Der Minister räumte ein, dass die in Sachsen-Anhalt untersuchten Landkreise geringer betroffen seien als in Mecklenburg-Vorpommern. Dennoch müsse den dort schon eingetretenen Entwicklungen durch entsprechende gesetzgeberische Massnahmen in Sachsen-Anhalt vorgebeugt werden. Aeikens kündigte an, er werde die Gespräche zu diesem Thema mit den berufsständischen Vertretern fortführen. Aeikens: „Wenn wir starke und gesunde ländliche Räume wollen, dürfen wir uns den Bodenmarkt nicht von Kapitalanlegern wegnehmen lassen.“

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE