7.02.2017 11:14
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Deutschland
Ministerin verärgert Bauern
Das deutsche Umweltministerium von Ministerin Barbara Hendricks lanciert eine Kampagne mit "neuen Bauernregeln". Die Agrarlobby tobt. Der Landwirtschaftsminister fordert eine Entschuldigung.

"Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm": So lautet eine der neuen Bauernregeln, die das Bundesumweltministerium als Teil der Kampagne "Gut zur Umwelt. Gesund für alle" veröffentlicht hat. Verbreitet werden die Bauernregeln auf Plakaten in über 70 deutschen Städten, mit Ansichtskarten, über Social Media und über eine Website.

"Staatliches Mobbing"

Das Amt will mit der Kampagne für eine naturverträgliche Landwirtschaft werben. "Wir wissen, dass die intensive Landwirtschaft die Belastungsgrenzen von Böden und Natur viel zu oft überschreitet. Das wollen die meisten Bürgerinnen und Bürger nicht. Landwirtschaft hat nur dann eine Zukunft, wenn sie naturverträglich ist und Artenvielfalt, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen mit berücksichtigt", teilt das Umweltministerium mit.

Bei den Bauern kommt die Kampagne schlecht an. "Staatliches Mobbing unseres Berufsstandes?" schreibt der Deutsche Bauernverband auf Twitter. Diese Kampagne sei eine inhaltliche Bankrotterklärung, kritisiert ein Vertreter des Bauernverbands. Das Ministerium könne in der Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft nicht mehr ernst genommen werden. Der Bauernverband hat als Reaktion eine Online-Petition gestartet, worin er dem Umweltministerium "Bauernbashing 4.0" vorwirft.

"Das Allerletzte"

Auch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt reagierte gemäss Agra-Europe mit grosser Verärgerung auf die Bauernregeln des Umweltministeriums. Mit dieser Kampagne werde der gesamte bäuerliche Berufsstand undifferenziert an den Pranger gestellt, so Schmidt am vergangenen Freitag in einem Schreiben an seine Kabinettskollegin Barbara Hendricks.

Insgesamt gibt es elf solche Bauernregeln. Das sei das Allerletzte, findet Schmidt. In einem Brief fordert er von Umweltministerin Barbara Hendricks eine Entschuldigung. Eine vermeintliche Meinungselite aus den Metropolen amüsiere sich hier auf Kosten der Menschen im ländlichen Raum, schimpfte Schmidt.

Hendricks griff daraufhin auch zum Stift und schrieb einen vierseitigen Brief zurück - öffentlich, genauso wie zuvor ihr CSU-Kollege, schreibt ARD Online. Ihr gehe es um die künftige Ausrichtung der EU-Agrarpolitik, so Hendricks. Sie finde, Bauern sollten dafür honoriert werden, wenn sie umweltverträglich wirtschafteten. Das habe Schmidt bisher aber immer blockiert.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE