6.07.2014 07:39
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchquotenpreis steigt auf 9 Cent
Wenige Monate vor dem Auslaufen der Milchkontingentierung Ende März 2015 bleiben Milchlieferrechte bei den Erzeugern in Deutschland sehr begehrt.

Wie der Deutsche Bauernverband (DBV) am Dienstag vergangener Woche  mitteilte, ist der Preis für ein Kilogramm Garantiemenge bei der 43. Milchquotenbörse im Bundesmittel auf 9 Cent gestiegen; das war 1 Cent/kg mehr als bei der letzten Handelsrunde im April 2014 und 6 Cent/kg mehr als vor genau einem Jahr. Im Übertragungsgebiet West lag der Gleichgewichtspreis am 1. Juli bei 10 Cent/kg, was ein Plus von 2 Cent/kg gegenüber April bedeutete. Im Osten verteuerte sich das Lieferrecht um 1 Cent/kg auf 5 Cent/kg. „Der weitere Anstieg des Börsenpreises zeigt den hohen Druck, den die Superabgabe auf einen Teil der Milcherzeuger ausübt“, kommentierte der DBV die Börsenergebnisse.

Rekordstrafzahlungen

Nach seinen Angaben endete das Milchquotenjahr 2013/14 für die deutschen Milcherzeuger mit einer Rekordstrafzahlung an Brüssel in Höhe von 163 Mio Euro. Die Milchproduzenten hatten 0,588 Mio t Milch über die erlaubte nationale Garantiemenge hinaus erzeugt und werden für jedes zu viel gelieferte Kilogramm mit einer Abgabe von maximal 12,69 Cent bestraft. Dabei hätten die Erzeuger mit der Produktionssteigerung nur auf die höhere internationale Nachfrage nach deutschen Milchprodukten reagiert, erklärte DBV-Milchpräsident Udo Folgart. „Daher war absehbar, dass wir 2013/14 die Quotenvorgaben reißen und mit einer anachronistischen Superabgabe belegt werden.“

Verärgert zeigte sich Folgart deshalb über die Entscheidungslosigkeit in Brüssel im Hinblick auf eine Absenkung der Superabgabe. „Zu einer sanften Landung, wie sie die EU-Kommission für die Abschaffung der Milchquote angekündigt hat, gehören auch sanfte Übergänge.“ Der DBV geht davon aus, dass für die Quotenjahre 2013/14 und 2014/15 alle EU-Länder zusammen bis zu 1 Mrd Euro aufgrund des alten Milchquotenrechts nach Brüssel überweisen müssen. Dieses Geld müsse im Milchsektor zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Milchbauern verbleiben, betonte Folgart und bekräftigte seine Forderung nach einer Anpassung des Fettkorrekturfaktors.

Knapp 200'000 Tonnen Quote übertragen

Nach Angaben des DBV überwog beim jüngsten Börsentermin klar die Nachfrageseite. Fast 3 000 Interessenten wollten zusammen 343 884 t Quotenrechte kaufen; die 2 195 Anbieter offerierten gemeinsam jedoch nur 199 139 t. So entstand ein Nachfrageüberhang von 144 745 t, wobei in Nordrhein-Westfalen das Kaufinteresse gut dreimal so hoch ausfiel wie das Angebot; in Niedersachsen überstieg die Nachfrage das Angebot um mehr als das Doppelte. Während praktisch alle Verkäufer mit ihren Angeboten erfolgreich waren, kamen auf der Nachfrageseite nur 81 % der Bieter zum Zuge. Letztlich wurden im gesamten Bundesgebiet 198 241 t Quote übertragen, womit die Handelsmenge des vorherigen Börsentermins im Frühjahr 2014 wegen des diesmal geringeren Angebots um rund 20 % unterschritten wurde.

Laut DBV wechselten damit bei der aktuellen Runde 0,65 % der national verfügbaren Referenzmenge in Höhe von 30,32 Mio t Milch den Besitzer. Von der bundesweiten Handelsmenge entfielen mit 173 340 t gut 87 % auf das Übertragungsgebiet West; im Osten gingen Lieferrechte in Höhe von 24 901 t in neue Hände über. Dabei flossen per Saldo mit 23 363 t die meisten Quotenmengen nach Niedersachsen einschließlich Schleswig-Holstein und der nördlichen Stadtstaaten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 17 655 t. Im Übertragungsgebiet Ost wies Mecklenburg-Vorpommern mit 7 339 t einen Zuwachs bei den Lieferrechten auf; Erzeuger in Brandenburg und Thüringen kauften 923 t beziehungsweise 51 t hinzu. Größtes Abwanderungsgebiet für Milch war auf der anderen Seite wieder einmal Bayern mit zuletzt 32 402 t. Erneut verloren in den alten Bundesländern auch Baden-Württemberg mit 4 556 t und Hessen mit 2 677 t per Saldo Lieferrechte. Die Milcherzeuger in Rheinland-Pfalz gaben 1 382 t Garantiemenge ab. Noch mehr Lieferrechte veräußerten im Übertragungsgebiet Ost die Produzenten in Sachsen-Anhalt mit 4 731 t und in Sachsen mit 3 581 t.

Starker Milchabfluss im Süden

Das jüngste Ergebnis an der Quotenbörse spiegelt zugleich auch die langfristige Wanderung der Milchmengen vom Süden in den Norden wider. Seit dem Start des Milchquotenhandels im Jahr 2008 bis zur letzten Auktion im Juli 2014 haben expansionswillige Betriebe in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen per Saldo mit rund 458 500 t die meisten Referenzmengen hinzugekauft. Im Übertragungsgebiet Ost ist das nördliche Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland, welches netto mit 74 200 t einen Zugewinn an Lieferrechten verbuchen konnte. Verkauft wurde Quote vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen, die etwas mehr als 32 600 t beziehungsweise 21 100 t abgaben.

Im alten Bundesgebiet waren neben den Erzeugern im Norden nur die Milchbauern in Nordrhein-Westfalen mehrheitlich gewillt, zusätzliches Geld in Produktionsrechte zu investieren. Seit 2008 wurden dort rund 141 700 t Milchquoten mehr erworben als verkauft. Den größten Abfluss von Quotenrechten verzeichnete in den vergangenen sechseinhalb Jahren Bayern mit insgesamt 384 400 t. Der Expansionswille im Norden und Westen wurde zudem durch die Abgabe von 96 800 t in Hessen und 95 500 t in Baden-Württemberg ermöglicht. Auch Rheinland-Pfalz verlor in diesem Zeitraum Lieferrechte, und zwar 23 600 t, obwohl dort in den Jahren 2009 und 2012 zwischenzeitlich auch mal ein positiver Quotensaldo zu verzeichnen war. Die letzte Milchquotenbörse vor dem Auslaufen des Systems wird am 1. November 2014 durchgeführt.

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