26.04.2017 10:24
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
USA
Milch: Trump attackiert Kanada
Donald Trump ist der regulierte kanadische Milchmarkt ein Dorn im Auge. Besonders sauer stösst ihm auf, dass Kanada nun auch Proteinkonzentrate herstellt. Damit folgt Kanada aber letztlich genau der Devise von Trump. Mit der Ankündigung von Strafzöllen auf Holzimporte verschärfen US-Präsident Donald Trump und sein Handelsminister Wilbur Ross einen Konflikt mit dem zweitwichtigsten Handelspartner Kanada.

«Schreckliche Dinge» geschähen den amerikanischen Milchbauern, sagte US-Präsident Donald Trump in seiner ganz eigenen Art letzte Woche im Staat Wisconsin, wo viel Milch produziert wird. Seine Regierung werde die kanadischen Verantwortlichen zitieren und sie fragen: «Was habt ihr getan?» Seine Leute würden eine Lösung finden, versicherte Trump. Später bezeichnete Trump die kanadische Milchpolitik laut dem Portal thebullvine.com gar als «Zumutung».

Kanadier schlossen Lücke

Worauf zielt Trump? Kanadas Milchmarkt ist stark reguliert, mit diversen Schutzzöllen, einer Milchquote pro Betrieb und kontrollierten Preisen. Das sichert den kanadischen Milchbauern ein akzeptables Auskommen. Amerikanische Molkereien entdeckten aber in den Handelsverträgen eine Lücke, und zwar bei Proteinkonzentraten, die in Kanada für die Herstellung von Joghurt und Käse genutzt werden. In den letzten Jahren steigerten sich die amerikanischen Proteinimporte auf einen Wert von um die 150 Millionen US-Dollar jährlich, wie theglobeandmail.com schreibt.

Nun hat aber Kanada letztes Jahr reagiert und dieses Loch im Schutzwall gestoppt. Die Behörden haben im Rahmen einer «Zutaten-Strategie» eine neue, tieferpreisige Klasse von Molkereimilch geschaffen. Das Ziel war, den Molkereien einen Anreiz zu geben, dass sie solche Proteinkonzentrate im eigenen Land mit kanadischer Milch herstellen. Das hat funktioniert – zum Vorteil der Kanadier, zum Nachteil der US-Amerikaner: Die entsprechenden Importe aus den USA sind regelrecht eingebrochen. Nun lobbyieren die betroffenen Molkereien und sind dabei offenbar bereits bis zu Donald Trump vorgestossen.

«USA exportieren mehr»

Natürlich liess die Reaktion der Kanadier nicht lange auf sich warten. Der kanadische Botschafter in Washington schoss scharf: «Für die Probleme der US-Milchviehhalter ist ein globales Überangebot an Milch verantwortlich, nicht Kanada», wird er von theglobeandmail.com zitiert. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau versicherte kurz darauf gegenüber «Bloomberg», dass Kanada beim Quotensystem bleiben werde.

«Wir importieren von den Amerikanern für 400 Millionen US-Dollar mehr Milchprodukte, als wir Kanadier in die USA liefern können», betonte Trudeau, der gleich anfügte, dass viele andere Länder ihre eigene Landwirtschaft unterstützen würden. «Lassen wir uns nichts vormachen: Wir sind nicht in einem globalen freien Markt, wenn es um Landwirtschaft geht.» 

Kanadier machen das, was Trump empfiehlt

Trump ist auch deshalb gewählt worden, weil er für die USA vorteilhaftere Handelsverträge aushandeln will. Besonders ins Visier genommen hat Trump dabei das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta. Derzeit bereiten US-amerikanische und kanadische Beamte Gespräche über Nafta vor.

Mit verbalen Attacken wie derjenigen auf die kanadischen Milchpolitik, aber auch mit handfesten Strafzöllen auf kanadisches Holz (vgl. Kasten), setzt Trump schon mal Duftnoten. Er betont derzeit auch immer wieder sein Credo: «Buy American, Hire American» – «Kauft amerikanische Produkte, stellt Amerikaner ein». Die Kanadier machen ihrerseits beim Milchprotein genau das, was er empfiehlt: «Buy Canadian».

Streit verschärft sich

Der Konflikt scheint sich nun weiter zu verschärfen. «Kanada ist sehr grob zu den USA», sagte Trump am Dienstag in Washington bei der Unterzeichnung eines Dekrets zur Agrarpolitik. US-Präsident Donald Trump warf Kanada auf Twitter vor, das Geschäft der Milchbauern in den USA sehr schwierig gemacht zu haben. «Das werden wir nicht auf uns sitzen lassen.» Kanada blockiere die Einfuhr amerikanischer Milch. Dies führe zu erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten für US-Milchbauern, so Trump.

Knatsch wegen Holz

Mit der Ankündigung von Strafzöllen auf Holzimporte verschärfen US-Präsident Donald Trump und sein Handelsminister Wilbur Ross einen Konflikt mit dem zweitwichtigsten Handelspartner Kanada. Die US-Baubranche warnt vor den Folgen des Handelsstreits.

Die USA hatten angekündigt, auf kanadische Weichholz-Importe einen Strafzoll von 20 Prozent zu erheben. US-Handelsminister Ross warf Kanada vor, Handelsvereinbarungen verletzt zu haben. Dabei geht es um den Vorwurf unzulässiger Subventionen für die kanadische Holzwirtschaft. «Kanada ist sehr grob zu den USA», sagte Trump am Dienstag in Washington bei der Unterzeichnung eines Dekrets zur Agrarpolitik. Auf die Frage, ob er sich vor einem «Handelskrieg» mit Kanada fürchte, sagte Trump: «Nein.»

Kanada widersprach den Vorwürfen scharf. Sie seien grundlos und der Strafzoll ungerecht, sagte Premierminister Justin Trudeau einer Mitteilung zufolge in einem Telefonat mit Trump. Er kündigte im Gespräch mit dem US-Präsidenten zudem an, seine Regierung werde die Interessen der kanadischen Weichholz-Industrie energisch verteidigen. Trumps Massnahme werde die Kosten für amerikanische Familien erhöhen, die Häuser bauen oder renovieren wollten, hiess es in einer Mitteilung der kanadischen Regierung. sda

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