24.05.2016 15:17
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
USA
Grösse keine Garantie fürs Überleben
Es kriselt auf den Farmen Amerikas. Agrarjournalist Mike Wilson rät den Bauern, ihre Kostenstrukturen zu optimieren und gibt dem Freihandelsabkommen TTIP kaum Chancen.

Die schwächelnde Wirtschaft in China sowie der gesättigte Märkte bei den Bio-Treibstoffen machen den US-Farmern zu schaffen. Daraus resultiert eine rückläufige Nachfrage.

Schlüsselprodukte stagnieren

Vor allem die Absatzmärkte für Mais und Soja, die Schlüsselprodukte des Mittelwesten, stagnieren, sagt Mike Wilson, Chefredaktor der Fachzeitschrift „Farm Futures“ gegenüber Agrarjournalisten an der Alltech-Tagung in Kentucky, USA. „Wenn die Mittelschicht der Bevölkerung in China die schwächelnde Wirtschaft zu spüren bekommt, wird weniger Schweinefleisch gekauft, dies wirkt sich auf den Sojaabsatz aus, zudem werden auch die südamerikanischen Produzentenländer immer stärker“, so Wilson.

In dieser Situation ist die amerikanische Agrarwirtschaft an neuen Absatzmärkten besonders interessiert, darunter auch am transatlantischen Freihandelsabkommen mit Europa (TTIP).

Abschottung erhält Auftrieb

„Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und Europa würde für alle Partner neue Möglichkeiten bieten, auch für Europa“, meint Wilson. Aber er glaubt nicht, dass die EU dazu ja sagen wird. Wilson sagt, die Abschottung und Angst in einigen Ländern Europas wird dies verhindern. Obwohl gerade in Krisenzeiten daraus neue Impulse erwachsen könnten, wenn sie genutzt würden, so Wilson. Aber auch in den USA wächst zurzeit auch das Interesse einer Abschottung.

 Ob Clinton oder Trump das Präsidentschaftsrennen machen werden im November, beide versprechen besser zur US-Wirtschaft zu schauen, indem sie die heimischen Märkte schützen wollen. Offenbar gibt das den Wählern mehr Sicherheit, ob sie das nur jetzt im Wahlkampf betonen oder nach einer Wahl dann auch umsetzen, bleibt offen.

Krise trifft Kleine wie Grosse

Mike Wilson sieht als wirksamste Massnahme der Farmer gegen die Krise, dass sie die betriebsspezifischen Kostenstrukturen der Betriebe optimieren. Beispielsweise bei den Produktionsmitteln, der Mechanisierung oder Zusammenarbeit. Zum Glück seien mit 3 bis 5 Prozent die Bankzinsen für Agrarkredite tief. Die Krise trifft grosse wie kleiner Farmer, auch ganz grosse mit tausenden von Hektaren geraten ins Stottern, wenn sie das Management nicht im Griff hatten. Grösse sei nach wie vor keine Garantie fürs Überleben.

Als Chefredaktor sagt Wilson, er habe aufgehört in seinen Artikeln darauf hinzuweisen, dass es im Jahr 2050 über 9 Milliarden Menschen geben werde, die alle ernährt werden wollen. Das töne zwar gut, gebe aber nicht wirklich Perspektiven für die Bauernfamilien heute. Diese müssten sich im heuteigen Umfeld bewähren und überleben - nicht erst in 30 Jahren, so Wilson gegenüber dem LID.

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