2.10.2013 08:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Simone Rothe, dpa
Deutschland
Gasexplosion in Kali-Bergwerk - 3 Tote
Eine Gasexplosion in einem Thüringer Kali-Bergwerk hat drei Bergleute in 700 Meter Tiefe das Leben gekostet. Die Kumpel im Alter von 24, 50 und 56 Jahren seien wahrscheinlich erstickt, hiess es nach dem Unglück am Dienstag nach Angaben eines Werksprechers.

Bei einer Sprengung war Kohlendioxid in grosser Menge freigesetzt worden und hatte eine mächtige Druckwelle ausgelöst. Vier Bergleute konnten gerettet werden. 

Zwei von den Überlebenden hatten sich in einen Schutzraum geflüchtet, die beiden anderen konnten noch zu einem Ausgang aus der Grube in Unterbreizbach gelangen, wie Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz der Nachrichtenagentur dpa sagte. 

Schlimmstes Unglück seit 1989

Nach Angaben von Reinholz hat es sich bei den sieben Bergleuten um ein Vorauskommando nach der Sprengung gehandelt, wie es in der Grube gängige Praxis sei. Die Sprengung war eine Sohle tiefer in 900 Metern unter der Erde erfolgt. Die Grubenfeuerwehr sei mit schwerer Atemschutztechnik in die Tiefe gegangen und habe bei der Rettung der Männer auf dem Weg zu dem Schutzraum die Toten gefunden. 

Die Grube in Unterbreizbach gehört dem Kali- und Steinsalzproduzenten K+S (Kassel). Das Unternehmen sprach nach dem Unglück den Hinterbliebenen sein Beileid aus. Staatsanwaltschaft und Bergamt ermitteln. Es handelt sich wahrscheinlich um das schwerste Grubenunglück seit 1989 in Deutschland. Damals starben im hessischen Heringen drei Bergleute. 

Nach Unternehmensangaben konnten die drei toten Bergleute wegen des Gases in den unterirdischen Hohlräumen zunächst nicht aus der Grube geborgen werden. Mitglieder der Grubenfeuerwehr hatten verzweifelt über Stunden nach den drei Männern gesucht. 

Gewaltige Staubwolke 

Zu ihnen bestand nach der Explosion, die sich gegen 13.00 Uhr beim Abbau von Kali-Salzen in etwa 900 Metern Tiefe ereignete, kein Kontakt mehr, wie K+S-Sprecher Michael Wudonig sagte. Die Detonation beförderte eine gewaltige Staubwolke durch den Schacht an die Oberfläche. Die vier geretteten Kumpel wurden ärztlich betreut. Zwei von ihnen waren nach Unternehmensangaben am Dienstagabend noch in Behandlung. 

Gefahr für den kleinen Ort Unterbreizbach mit seinen etwa 3800 Einwohnern bestand durch die Gasexplosion nicht. Die Region im Südwesten Thüringens nahe der Landesgrenze zu Hessen ist seit Jahrzehnten vom Kali-Bergbau geprägt. Kurz vor der Wiedervereinigung hatte sich in der inzwischen stillgelegten Kali-Grube Merkers ein heftiger Gebirgsschlag ereignet. 
 
Rohstoff für Dünger 

Kaliumdüngemittel - kurz: Kali - ist für die Landwirtschaft wichtig. Kalium ist nicht künstlich herstellbar, sondern muss mit grossem Aufwand gewonnen werden. Bei den Sprengarbeiten wurde offensichtlich eine grosse Menge Kohlendioxid freigesetzt, wie der Sprecher sagte. Nach seinem Wissen habe es zuletzt vor etwa 50 Jahren eine ähnlich starke Druckwelle durch freigesetztes Kohlendioxid in einem Kali-Bergwerk gegeben. 

Das Gas ist durch den Gebirgsdruck im Kalisalz gebunden. Kleinere Ausbrüche gehörten zum Bergwerksalltag, erläuterte ein Fachmann aus dem Thüringer Umweltministerium. 

Das zum DAX-Konzern K+S AG (Kassel) gehörende Unternehmen K+S Kali GmbH beschäftigt im Kali-Revier Werra nach eigenen Angaben 4370 Mitarbeiter, davon etwa 1000 auf Thüringer Seite.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE