1.01.2017 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
Einkommenssteigerung für Österreichs Landwirte
Erstmals seit 2012 sind die Einkommen der Landwirte in Österreich wieder gestiegen.

 Wie Statistik Austria unter Berufung auf ihre ersten Schätzungen im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) mitteilte, dürfte sich 2016 das durchschnittliche Einkommen je Arbeitskraft - gemessen als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten - im Vorjahresvergleich real um 7,5 % erhöhen; im vergangenen Jahr war ein Rückgang um 7,2 % verzeichnet worden. Zu dem Anstieg trugen nach Angaben der Statistiker vor allem die gestiegenen Erntemengen im Ackerbau bei.

Der Gesamtproduktionswert der Landwirtschaft wird für 2016 auf 6,821 Mrd Euro geschätzt, was gegenüber 2015 ein Plus von 0,7 % wäre. Die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder nahmen gegenüber 2015 um 6,8 % auf 1,467 Mrd Euro zu; die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben lagen bei rund 6,172 Mrd Euro. Für das landwirtschaftliche Faktoreinkommen ergibt sich damit laut Statistik Austria ein Plus von 8,0 % auf 2,117 Mrd Euro.

Der leichte Anstieg des Gesamtproduktionswerts der Landwirtschaft ist den Statistikern zufolge auf die Entwicklung der pflanzlichen Erzeugung zurückzuführen, die wertmäßig um 3,5 % auf 2,922 Mrd Euro zulegte. Der Wert der tierischen Erzeugung nahm hingegen nach einem deutlichen Minus im Jahr 2015 weiter ab, und zwar um 1,9 % auf 3,172 Mrd Euro. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes, wies darauf hin, dass der Nettounternehmensgewinn pro nicht entlohnter Arbeitskraft von fast 19 600 Euro im Jahr 2011 auf zuletzt 13 200 Euro gesunken sei. Zwar sei in diesem Jahr die Verlustserie erstmals gebremst worden, doch Statistik Austria erwarte in ihren Vorschätzungen ein Plus von nicht mehr als 1 600 Euro. Im Zehnjahresvergleich liege das reale Faktoreinkommen noch um 12 % unter dem Niveau von 2006, stellte Schultes fest. Zudem blieben die gestiegenen Kosten der Sozialversicherung unberücksichtigt.

Risikoabsicherung weiterentwickeln

Das Jahr 2016 zeigt laut Schultes erneut zwei Fakten auf: Einerseits sei es für die Landwirte wegen der immer häufiger auftretenden Wetterkatastrophen in Folge des Klimawandels notwendig, die Risikoabsicherung umfassend weiterzuentwickeln. Andererseits habe sich gerade bei der Milch die unentbehrliche Rolle konsolidierter Märkte für das Einkommen gezeigt.

Der Kammerpräsident geht davon aus, dass der Ackerbau für die positive Einkommensentwicklung nach den sehr schwachen Vorjahren verantwortlich ist, im speziellen die besseren Erntemengen bei Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Ölkürbis. Außerdem hätten die günstigeren Düngemittelpreise sowie niedrigere Energiekosten zu dem bescheidenen Einkommensplus beigetragen. Diesem stünden jedoch katastrophale Ernteergebnisse im Obst- und Weinbau, vor allem in der Steiermark, sowie der lange desaströse Milchpreis und ebenso langanhaltende Niedrigstpreise bei Schweinefleisch gegenüber. In beiden Bereichen sei erst seit einigen Wochen eine Erholung spürbar.

Überdurchschnittliche Hektarerträge

Laut Statistik Austria konnten 2016 nach den Hitze- und Trockenschäden des Vorjahres im Acker- und Futterbau wieder deutlich höhere Erntemengen eingebracht werden. Vor allem bei den Herbstkulturen und im Grünland seien infolge der guten Wasserversorgung überdurchschnittliche Hektarerträge erzielt worden. Die reichlichen Niederschläge hätten allerdings zu einem erhöhten Krankheitsdruck bis hin zur teilweisen qualitativen Beeinträchtigung des Ernteguts geführt.

Zu einer deutlichen Produktionssteigerung gegenüber 2015 sei es auch im Gemüsebau gekommen, obwohl dort die Ernte im mittelfristigen Vergleich leicht unterdurchschnittlich ausgefallen sei. Im Obst- und Weinbau hätten ein Wintereinbruch beziehungsweise Frostnächte Ende April und Anfang Mai zu massiven Ernteausfällen geführt, wobei der Süden Österreichs besonders betroffen gewesen sei, berichteten die Wiener Statistiker. Zudem hätten Hagelunwetter gebietsweise starke Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursacht.

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