6.10.2015 14:18
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Zu wenig Wettbewerb um Milch
In Deutschland gibt es nicht genug Wettbewerb um den Rohstoff Milch. Dies beklagt die MEG Milch Board und verweist auf eine von ihr in Auftrag gegebene Studie, nach der es zwischen der Wertschöpfung von Molkereien und dem Milchpreis keinen Zusammenhang gibt.

Untersucht wurden auf Grundlage der im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse insgesamt 44 deutsche Molkereien, davon 13 Privatunternehmen, 20 Genossenschaftsmolkereien und elf Liefergenossenschaften. Heraus kam der MEG Milch Board zufolge, dass die Spannweite bei der Bruttowertschöpfung mit 0,43 Euro/kg Milch und bei der Nettowertschöpfung mit 0,29 Euro/kg recht gross war.

Auf die Höhe der Auszahlungspreise habe dies jedoch keinen signifikanten Einfluss gehabt. Diese hätten sich unabhängig von der Wirtschaftskraft kaum unterschieden, kritisierte die Erzeugerorganisation. Nach ihren Angaben haben genossenschaftliche Grossmolkereien mit hohen Verarbeitungsmengen und niedriger Wertschöpfung das Niveau der Milchauszahlungspreise massgeblich gedrückt.  Molkereien mit besserer Wertschöpfung hätten jedoch keine höheren Milchpreise gezahlt, sondern Geld für die Rücklagenbildung
abgeschöpft.

Laut MEG Milch Board zeigen die Studienergebnisse zudem, dass am Milchmarkt vor allem die Kuhhalter das Marktrisiko tragen. So seien die Milchpreise zwischen 2009 und 2013 massiven Schwankungen unterworfen gewesen. Die Wertschöpfung der Molkereien und deren Fähigkeit, Rücklagen zu bilden, seien in diesem Zeitraum dagegen konstant geblieben. „Egal in welche Richtung der Markt tendiert, die Molkereien schneiden sich je nach Anspruch immer ihren Teil vom Kuchen ab“, monierte der Erste Vorsitzende der MEG Milch Board, Peter Guhl.

Für Guhl untermauern die Ergebnisse auch die Forderung nach einer Abschaffung der genossenschaftlichen Andienungspflicht: „Die Genossenschaften müssen sich bei der Beschaffung der Milch zukünftig dem Wettbewerb stellen.“ Die Wertschöpfungsstudie deckt sich der MEG Milch Board zufolge weitgehend mit den Ergebnissen der vom Bundeskartellamt durchgeführten Sektoruntersuchung Milch. Guhl forderte das Amt deshalb zum Handeln auf: „Die Molkereien verspüren aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt keinen Druck, sich gegenüber dem Einzelhandel eine standhafte Verteidigungslinie aufzubauen. Die Milch bekommen sie ohne Mühe, und am Ende stimmt die Bilanz immer.“

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