28.08.2016 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Branchenorganisation Milch soll kein Debattierclub werden
Die vom deutschen Bundeslandwirtschaftsministerium gewünschte Bildung einer nationalen Branchenorganisation Milch darf nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) nicht dazu führen, dass lediglich ein neuer Debattierclub entsteht.

„Diskussionsplattformen gibt es schon genügend“, teilte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) am vergangenen Freitag mit und verwies auf die stufenübergreifende Zusammenarbeit in den Landesvereinigungen der Milchwirtschaft. Für den BDM-Vorsitzenden Romuald Schaber ist es deshalb wichtig, dass solch eine Branchenorganisation im Falle einer Marktkrise auch zeitlich befristet in die Milchlieferverpflichtungen mengenwirksam eingreifen könne, unabhängig davon, ob diese genossenschaftlich oder privatrechtlich ausgestaltet seien.

Ziel einer Branchenorganisation Milch müsse zudem die Stärkung der Marktposition der Milchviehhalter sein, damit die Preisrisiken innerhalb der Wertschöpfungskette nicht wie bisher komplett auf die Milchviehhalter abgewälzt werden könnten. Dies sei auch bei der Besetzung des Gremiums zu berücksichtigen. Insgesamt hält der BDM aber von einer rein deutschen Branchenorganisation wenig: „Nationale Alleingänge sind in einem globalen und europäischen Markt nicht mehr zielführend. Marktwirkung kann damit auf keinen Fall erreicht werden“, betonte Schaber. Er appellierte deshalb an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, sich in Brüssel für die Installation einer europäischen Branchenorganisation Milch zu engagieren. Dort könnte die EU-Milchmarkt-Beobachtungsstelle (Milk Market Observatory - MMO) zu einer europäisch agierenden Branchenorganisation Milchviehhaltung ausgebaut werden.

Geleitet werden sollte diese, so der BDM-Vorsitzende, ausschließlich von aktiven Milchviehhaltern, die nicht in Doppelfunktion die Position der Molkereiwirtschaft mitverträten. Die Milchviehhaltung müsse alleine als Branche gelten, schließlich gelte es ihre Position als Gegengewicht zur ohnehin schon stark konzentrierten Abnehmer- und Nachfrageseite zu stärken. Möglich wäre es aber, die EU-Branchenorganisation um Berater aus den Bereichen Handel, Verbraucher und Politik zu erweitern. Die Verbände der Molkereiindustrie sollten jedoch außen vor bleiben, da ihr Interesse völlig konträr zu dem der Milchviehhalter sei.

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