5.01.2016 11:52
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Bauern protestieren vor Edeka-Märkten
Landwirte aus dem gesamten Gebiet des Westfälisch-Lippischen (D) Landwirtschaftsverbandes (WLV) haben kurz vor Heiligabend gegen die starre Haltung des Lebensmitteleinzelhändlers Edeka bei der Umsetzung höherer Tierwohlstandards in der Nutztierhaltung demonstriert und dem Unternehmen vorgeworfen, bei der Initiative Tierwohl zu bremsen.

„Wir Bauern wie auch viele Tierschützer und Verbraucher verstehen nicht, warum sich Edeka - anders als alle anderen grossen Discounter und Lebensmitteileinzelhändler in Deutschland - gegen eine geringfügige Erhöhung der Verkaufspreise für Schweinefleisch um 2 Cent je Kilogramm sperrt“, so der Vorsitzende des WLV-Fachausschusses Schweinefleisch, Hubertus Beringmeier, in Münster.

2500 weitere Betriebe wollen teilnehmen

Dies gefährde den Erfolg der Initiative Tierwohl insgesamt. Durch die Anhebung des bisher vereinbarten „Tierwohl-Zuschlags“ von 4 Cent auf 6 Cent je Kilogramm Schweinefleisch an den Fleischtheken des Lebensmitteleinzelhandels könnten alle Bauern, die an der Initiative teilnehmen wollten, auch tatsächlich mitmachen, erklärte Beringmeier. Dass dies an 2 Cent pro Kilogramm Fleisch scheitern solle, sei niemandem zu vermitteln.

Nach Angaben des WLV warten aufgrund der bisher sehr begrenzten Finanzmittel der Initiative Tierwohl bis heute deutschlandweit noch mehr als 2'500 Betriebe - in Westfalen-Lippe über 700 Höfe - vergeblich auf die Möglichkeit, sich an dem Pilotprojekt zu beteiligen und ihre Kosten erstattet zu bekommen. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) warf Edeka eine „Verzögerungstaktik mit fadenscheinigen Ausreden“ vor.

Edeka schiebt Ball Bauern zu

So argumentiere das Unternehmen, Schlachtunternehmen und Bauern würden eine neutrale Messung des Tierwohls ausbremsen. Edeka sei nach eigenen Angaben bereit, „die Mehrzahlung des Handels in Betracht zu ziehen, wenn die Wirksamkeit der bisher eingeleiteten Massnahmen belegbar ist“. Vertraglich sei ein Tierwohlindex für 2015 vereinbart gewesen, der nun auf 2016 verschoben sei. Für ISN-Geschäftsführer Torsten Staack ist dies „peinlich für einen Branchenprimus, der sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt“.

Der Agrarsprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, warf Edeka eine Scheindebatte vor. Das Unternehmen sollte im eigenen Interesse den Landwirten bei der Tierwohlvergütung entgegenkommen. Zugleich appellierte Ostendorff an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, dafür zu sorgen, dass der Handel der oft beschworenen „freiwilligen Verbindlichkeit“ auch tatsächlich nachkomme.

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