31.07.2013 13:35
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
Alpbauern sind nicht «Sündenböcke»
Der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Jakob Auer, hat die Regierung in Wien aufgefordert, die Almbauern nicht zu Sündenböcken zu stempeln. Der Grund für diesen Vorstoss sind Sanktionszahlungen wegen abweichender Flächenfeststellungen auf den Almen, die von den Bauern jetzt gezahlt werden sollen.

„Es ist unerträglich, dass nach wie vor ein Damoklesschwert über den Bergbauernhöfen und Almauftreibern schwebt, denn gerade diese Strafzahlungen belasten die einzelnen Höfe schwer“, erklärte Auer, der die Lage endlich bereinigt wissen will.

Bauern, die nach bestem Wissen und Gewissen an der Flächenfeststellung mitgewirkt und im Vertrauen auf die Behörden gehandelt hätten, dürften keinesfalls bestraft werden. Der Bauernbund-Präsident sieht hier vor allem die Regierung gefordert. Es sollten alle vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten genutzt werden, um die Almbauern nicht zu bestrafen.

Almbauern benötigen Rechtssicherheit

Auer will neuerlich Druck machen und appellierte auch an die Länder. Die Bauern wollten jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung sehen, damit existenzbedrohliche Strafen endlich vom Tisch kämen. Zudem bräuchten die Almbauern Rechtssicherheit für die von den Behörden festgestellten Flächen. Nachdem die Futterflächen von Amts wegen festgestellt worden seien, müssten sich die Landwirte auch darauf verlassen können. „Wenn die linke Hand der Behörde die rechte Hand der Behörde korrigiert, darf der Bauer nicht als Sündenbock übrig bleiben“, so Auer.

Die Verärgerung der Alpbauern wegen der Unklarheiten bei der Alpflächenerhebung war auch Thema bei der traditionellen Almexkursion der Vorarlberger Landesregierung. Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Erich Schwärzler machten deutlich, dass die Bauern nicht als Opfer eines fehlerhaften Systems bestraft werden dürften. Die Landesregierung prüfe nun, die betroffenen Alpbauern in einem Musterprozess zu unterstützen.

Unsicherheiten rasch aufarbeiten

Nach Wallners Worten lassen die planliche Alpflächenerhebung über Digitalfotos und die Alpflächenfeststellung laut Almleitfaden unterschiedliche Interpretationen zu. Es ergäben sich öfter Abweichungen von den Gegebenheiten in der Natur. Deshalb dürften Alpbauern, die ihre Flächen nach bestem Wissen und Gewissen gemeldet hätten, nicht mit Strafzahlungen belegt werden. Von der „Fischler-Sonderkommission Alm“ forderte Wallner, dass die Unsicherheiten bei der Alpflächenerhebung rasch aufgearbeitet werden und Klarheit für die Alpbauern geschaffen wird.

Zudem sollte die Regierung die Schwächen des Systems verbessern. Ebenso müsse im Wiener Landwirtschaftsministerium eine klare Zuständigkeit für die Belange der Alpwirtschaft geschaffen werden, so wie dies in den Bundesländern bereits der Fall sei. Schwärzler hob hervor, dass künftig die vielfältigen Natur- und Landschaftselemente in der Gesamtbetrachtung stärker mitberücksichtigt werden müssten. Man wolle diese Vielfalt, die neben den Weideflächen das Besondere der Alpen ausmache.

Der Landesrat bekräftigte einmal mehr die Bedeutung der Viehhaltung für die Bewirtschaftung derAlpen. Derzeit grasten fast 42'000 Tiere auf den Vorarlberger Alpweiden, und rund 1'000 Älpler, Senner und Helfer seien auf den insgesamt 530 Alpen tätig.

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