28.10.2014 08:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
A: Mittelfristig 20% mehr Milch
In Österreich wird nach dem Wegfall der Milchquote mit einer deutlichen Steigerung der Rohmilchmenge gerechnet, allerdings auf einen längeren Zeitraum bezogen.

Wie der Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Franz Reisecker, beim Klartext-Dialogforum der Landwirtschaftskammer Österreich am Montag vergangener Woche in Salzburg feststellte, wird „mittelfristig“ mit 20 % mehr Milch, aber auch um 20 % höheren Produzentenpreisen gerechnet. Bis 2030 sei dafür als Zeitraum realistisch, erläuterte Reisecker den Begriff „mittelfristig“.

Mit diesen Prognosen im Rücken sei es das erklärte Ziel, den Anteil der Milchexporte an der Produktion von aktuell 48 % auf 60 % zu steigern, so der Kammerpräsident, der damit auch den Forumstitel „Unsere Milch: 20 - 20 - 60“ erklärte. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes, sieht die Molkereien im Land für die künftigen Herausforderungen „gut aufgestellt“. Die Verarbeiter hätten zuletzt 4,5 Cent je Liter Milch in neue Anlagen und Techniken investiert.

EU-Beitritt „eine Erfolgsgeschichte“

Der neue Direktor der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Thomas Resl, wertete im Rückblick die Entwicklung von Österreichs Milchwirtschaft seit dem EU-Beitritt als „eine Erfolgsgeschichte“. Zwar sei die Zahl der Betriebe seit 1995 stark gesunken; konkret habe sich diese mehr als halbiert. Die rund 35'000 verbliebenen Betriebe hätten sich aber nicht nur vor allem in den Grünlandgunstlagen zu grösseren Einheiten, sondern auch im Berggebiet bestens entwickelt. Und während zur Zeit des EU-Beitritts der Aussenhandel mit Milchprodukten nur marginal gewesen sei, gehe heute fast die Hälfte an Milch und Käse in den Export, berichtete Resl.

Im Jahr 2013 hätten Österreichs Molkereien Waren im Gesamtwert von 1,1 Mrd. Euro (1,3 Mrd. Fr.) in 102 Länder rund um den Globus exportiert. Der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Jakob Auer, und der Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, Josef Moosbrugger, betonten die Wichtigkeit des Zusammenhalts in der Bauernschaft und eines geschlossenes Auftretens gegen Versuche des Handels, Milchprodukte zu Niedrigstpreisen zu verschleudern.

Qualitätsstrategie alternativlos

Schultes betonte, „wir wollen bessere Preise und höhere Wertschöpfung; dazu brauchen wir aber auch deutlich mehr Export“. Dabei gelte es, ganz vorne dabei zu sein, denn dort, wo Qualität gefragt sei, sei am Markt immer Platz. Hingegen werde es in der Billigschiene sehr eng, stellte Schultes auch mit Hinweis darauf fest, dass die Russen die Billigware nun nicht mehr abnehmen würden. „Daher wollen wir auch in Zukunft kaufkräftige Kunden, die unsere hochwertigen Produkte nachfragen und sich auf uns verlassen können“, betonte der Kammerpräsident.

Der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, unterstrich ebenfalls, Österreichs Milchstrategie könne es nur sein, „den bisher eingeschlagenen Qualitätsweg mit Regionalität, Gentechnikfreiheit und hohen Verarbeitungsstandards konsequent weiterzugehen“. Und dies geschehe am besten auf den schon bisher stärksten ausländischen Absatzmärkten für Österreichs Milchprodukte, nämlich in Deutschland und Italien.

H-Milch für China

Auch der Geschäftsführer der Agrarmarkt Austria (AMA) Marketing, Michael Blass, sieht Deutschland und Italien sowie ausserdem die Balkanländer als „Hoffnungsmärkte“, weniger dagegen etwa den Fernen Osten. Auch wenn China mit seinen enormen Milchimportzuwächsen derzeit oft im Fokus stehe, sollte sich Österreichs Milchwirtschaft dennoch weiterhin um die Nachbarländer bemühen und versuchen, jene Lücken auszufüllen, die durch abwandernde Milch etwa deutscher Grossmolkereien nach Asien frei würden, erklärte Blass.

Dass die Märkte vor der Haustür Österreichs nach seiner Einschätzung nach wie vor Potential haben, machte der AMA-Marketing-Geschäftsführer anhand eines Beispiels deutlich: So hätten die österreichischen Molkereien zuletzt mehr Milch und Milchprodukte ohne Käse ins weit entfernte China geliefert als nach Ungarn. Die Lieferungen ins „Reich der Mitte“ beträfen aber im Wesentlichen billige H-Milch mit geringer Wertschöpfung.

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