11.07.2016 10:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
46'000 ha Betrieb insolvent - Bauern fordern Neuverteilung
Das grösste deutsches Agrarunternehmen muss Insolvenz anmelden. Die KTG Agrar konnten die Zinsen für Anleihe nicht bezahlt werden. Den Gläubigern drohen nun herbe Verluste. Das operatives Geschäft und die Ernte gehen aber weiter. Bauernverbände fordern nun eine Aufteilung der Flächen an Familienbetriebe.

Vorstand und Aufsichtsrat der KTG Agrar SE haben einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in
Eigenverwaltung beim Amtsgericht Hamburg gestellt. Wie das bbörsennotierte Unternehmen am Dienstag vergangener Woche mitteilte, soll die Restrukturierung und Sanierung im Rahmen des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) erfolgen.

"Zukunftsfähige" Restrukturierung angestrebt

Die Tochtergesellschaften der KTG Agrar seien von dem Antrag nicht betroffen, betonte das Agrarunternehmen. Ziel des eingeschlagenen Verfahrens ist laut KTGAgrar eine zukunftsfähige Restrukturierung zur Fortführung der Unternehmensgruppe, bei der die Gläubiger eng eingebunden werden sollen. Dazu werde die Gesellschaft in den nächsten Monaten einen Restrukturierungsplan erarbeiten.

Der operative Betrieb wird dem Agrarunternehmen zufolge fortgeführt, insbesondere die Einbringung der Ernte auf den 46'000 ha. Zur Deckung der Löhne und Gehälter soll umgehend eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet werden. Ziel der Beteiligten sei es, das Unternehmen und die KTG-Gruppe langfristig zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze an den Standorten zu sichern.

Ackerland soll an bäuerliche Betriebe gehen

Auslöser für die wirtschaftliche Schieflage der KTG Agrar war die Fälligkeit von Zinsen der im Jahr 2011 begebenen Anleihe KTG Biowertpapier II. Die Inhaber-Teilschuldverschreibung hat ein Volumen von 250 Mio. Euro und ist mit jährlich 7,125 % verzinst. Die am 6. Juni dieses Jahres fällige Zinszahlung von 17,8 Mio. Euro konnte nicht erbracht werden. Im Juni 2017 steht die Rückzahlung der gesamten Anleihe an.

Die Insolvenz der KTG Agrar nahmen Politiker der Grünen zum Anlass, einen strukturellen Wandel auf dem Land zu fordern. Für die grüne Europaabgeordnete Maria Heubuch ist jetzt die wichtigste Frage, was mit den Äckern passiere, die der Agrarkonzern teilweise gekauft, teilweise aber auch von Bund und Ländern gepachtet habe. „Diese Flächen sollten gezielt an klein- und mittelgrosse, bäuerliche Betriebe vergeben werden sowie Neueinsteigern eine Zukunft in der Landwirtschaft erleichtern“, betonte Heubuch.

Bauernverband hat keine grossen Hoffnungen

Der Agrarsprecher der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, forderte, dass die Bodenspekulation durch international agierende Agrarkonzerne unterbunden werden müsse. Die Insolvenz der KTG Agrar biete eine Chance, die bäuerliche und ökologische Landwirtschaft vor Ort stärker zu fördern. Die Bundesregierung solle dafür sorgen, dass freiwerdenden Flächen nun an solche Betriebe gingen.

Der Bauernbund Brandenburg befürchtet, dass es möglichweise gar keine Neuverteilung von Flächen geben wird. „Der Ausverkauf der brandenburgischen Landwirtschaft an auswärtige Kapitalanleger geht weiter. Vermutlich bleibt im Rahmen des Insolvenzverfahrens sogar die KTG in ihrer ökonomisch ineffizienten Grossstruktur erhalten“, erklärte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel.  Wer sein Land an verschachtelte Agrargesellschaften verpachte, gehe ein hohes Risiko ein. „Die wichtigste Lehre aus dem KTG-Desaster ist, Pachtverträge künftig mit bäuerlichen Familienbetrieben abzuschliessen“, betonte Kiesel.

Flächenverhältnisse offen legen

Der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janssen, forderte nach der KTG-Pleite die Verantwortlichen in den staatlichen Stellen auf, umgehend offen zu legen, wie viele Flächen des Bundes über die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) sowie des Landes an die KTG Agrar gegangen seien und wie viele Subventionen das Unternehmen erhalten habe.

Bezüglich der jetzt zu erwarteten Landverkäufe des insolventen Agrarkonzerns sei dafür Sorge zu tragen, dass den bäuerlichen Betrieben und Neueinsteigern in die Landwirtschaft das Land zu fairen Preisen angeboten werde, um wieder Wertschöpfung und eine breite Eigentumsstreuung in den ländlichen Regionen zu ermöglichen.

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