12.07.2017 15:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Ainhoa Meili
Blog
4000 Hektaren und 450 Milchkühe
Studenten der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL besuchten auf ihrer Abschlussreise Russland. Sie berichten über ihre Erlebnisse aus Städten und Landwirtschaftsbetrieben. Im vierten Teil berichten sie über eine Forschungsanstalt und einen Grossbetrieb.

Der fünfte Tag der Projektwoche in Russland war voller spannenden Erlebnissen. Um 9.00 Uhr begann die Reise per Bus über die holprigen Strassen von Orjol aus Richtung Forschungsanstalt Schatilovskaja.

Hoher Humusgehalt

Diese wurde 1896 gegründet und bietet Platz, um 140 verschiedene Sorten Wintergetreide, sowie Soja, Lupinen, Mais, Buchweizen und auch Sommergetreide anzubauen und zu testen. Die russischen Böden zeichnen sich speziell durch ihre Fruchtbarkeit und dem hohen Humusgehalt von 6 bis 10 Prozent aus.

Die Böden wurden jahrzehntelang nicht genutzt. Dadurch konnte sich durch die Bioturbation (durchwühlen und durchmischen (Turbation) von Böden oder Sedimenten durch Lebewesen), die hohe Luftfeuchtigkeit und die Bodentemperatur der Tschernosem Boden bilden. Er ist sehr fein, skelettarm und klebt beim Reingreifen an der Hand wie schwarze Kohle.

Sorten bis in die Schweiz bekannt

Russland ist bekannt für seine Buchweizenspezialitäten, deshalb ist es ein Muss, in der Buchweizenzüchtung Fortschritte zu erzielen. Russland hat in der Züchtung eine führende Rolle, die Sorten sind bis in die Schweiz bekannt. Die Forschungsanstalt Schatilovskaja bietet rund 17 Getreidezüchtern sowie 20 Züchtern von Sommerfrüchten die Möglichkeit, ihre Sorten prüfen zu lassen.

Seit einigen Jahren besteht zudem die Möglichkeit, sich an einem College für Landwirtschaft in der Theorie ausbilden zu lassen. Die Forschungsanstalt ist zudem stolz auf ihren alljährlichen Event, bei welchem sich Forscher und Landwirte über neuste Anbauverfahren und Züchtungsfortschritte austauschen können.

Russische Tracht

Einige Kilometer weiter erfolgte die Besichtigung des Landwirtschaftsmuseums. Ein rosafarbenes Herrschaftshaus beherbergt noch heute die verschiedenen Ausstellungen im Museum. Ein besonderer Hingucker war die traditionelle Tracht der russischen Landfrauen, welche von einigen Studentinnen anprobiert und in passender Kulisse zur Szene gestellt wurde.

Unmittelbar neben dem Museum befand sich eine nicht mehr bewirtschaftete Kolchose mit ihren alten Gebäuden. Eines davon war eine alte Kirche, welche zu den Zeiten von Stalin als Pflanzenschutzlager genutzt wurde. Rund um die historischen Gemäuer erstreckte sich der verwilderte Park mit Gräbern der einst herrschenden Familien.

4000 Hektaren

Nach dem Abstecher in vergangene Zeiten erfolgte das Mittagessen in einem typisch russischen Dorf. Traditionelle Speisen, sowie das oftmals aufgetischte salzige Mineralwasser wurden serviert. Gestärkt ging es weiter zum Betrieb von Dimitri Dimitritsch. In einem Dorf mit 900 Einwohnern beschäftigt er 180 davon. Die restlichen Bewohner sind mehrheitlich arbeitslos. Auf 4000 Hektaren erstreckt sich sein Ackerland, worauf er Getreide, Zuckerrüben, Erbsen, Buchweizen sowie verschiedene Futterkulturen anbaut. 450 Milchkühe, 1400 Rinder, sowie 3500 Schweine ergänzen seinen Betrieb.

Die Milchleistung auf seinem Betrieb beträgt rund 6500 Kilo pro Kuh und Jahr. Gemolken wird in einem 2x12-Frischgrät-Melkstand. Klauenpflege werde nicht betrieben, sagt der Landwirt. Stolz zeigte er den Studierenden ebenfalls seinen Maschinenpark mit mehreren neuen John Deere-Traktoren, aber auch einigen älteren Exemplaren, die noch aus der Zeit der Kolchose stammen.

Die Entlohnung auf seinem Betrieb liegt durchschnittlich bei 30'000 Rubel, was etwa 470 Franken entspricht. Für russische Verhältnisse ist das ein guter Lohn. Zu Spitzenzeiten kann der Lohn je nach Leistung sogar auf 70'000 Rubel ansteigen. Mitarbeiter, welche mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten, verdienen allgemein mehr, da sie eine höhere Verantwortung tragen.

Müde und erfüllt von den vielen neuen Eindrücken wurde die etwa einstündige Fahrt zurück nach Orjol angetreten.

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