20.06.2016 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zuffery
Graubünden
Wo Käser Gemeindeangestellte sind
Weil Samnaun GR schweizerisches Zoll-Ausschlussgebiet ist, gelten auch für die Landwirtschaft andere Regeln. Die Bauern müssen keine Mehrwertsteuer bezahlen, die periphere Lage sorgt aber auch für höhere Kosten.

Vor 20 Jahren kämpfte die Käserei Samnaun mit finanziellen Schwierigkeiten, doch die Bauern am Ort hatten keine andere Wahl. «Wir sind gezwungen, unsere Produkte am Ort zu verarbeiten und zu verkaufen», sagt Karl Jenal. Letztlich musste die Gemeinde den Betrieb übernehmen, und so sind die Käser der Sennerei Samnaun heute Angestellte der Gemeinde.

Keine Mehrwertsteuer

Grund für diesen Rettungsanker durch die Gemeinde ist unter anderem der besondere Status von Samnaun als Schweizer Zoll-Ausschlussgebiet. Wenn Not Pult, Geschäftsführer der Käserei Samnaun, Lab oder neue Einrichtungen für seine Käserei benötigt, muss er darauf keine Mehrwertsteuer zahlen.

Auch auf Kraftfutter, das die Bauern sowohl aus Österreich wie auch aus der Schweiz kommen lassen, muss keine Mehrwertsteuer entrichtet  werden. Die Gemeinde Samnaun bezahlt dem Bund stattdessen eine Kompensationsabgabe in der Höhe von insgesamt rund vier Millionen Franken.

Zoll aud Käse

Im Gegenzug muss jedoch alles, was von Samnaun aus in die Schweiz verkauft wird, verzollt werden. «Für Käse innerhalb eines gewissen Kontingents zahlen wir zwar einen reduzierten Zoll-Satz, aber trotzdem noch etwa zwei Franken pro Kilo», erklärt Karl Jenal, Landwirt und Gemeinderats-Vizepräsident, sowie Kommissionspräsident der Käserei.

Es gelte daher, möglichst viel im eigenen Dorf zu verkaufen, selbst wenn aus dem nahen Österreich billiger eingekauft werden könne, zumal die in Österreich bezahlte Mehrwertsteuer an der Grenze zurückerstattet wird.

Fahrkosten für Tierärzte

Weil den Samnauner Bauern durch den besonderen Zollstatus Standortnachteile entstehen, gleicht die Gemeinde dies mit besonderen Beiträgen aus. Nicht nur, indem sie die Käserei betreibt. So beteiligt sich die Gemeinde namentlich an den Fahrtkosten für Tierärzte, wobei jeweils ein Landwirt beauftragt ist, Tierarzt-Besuche, soweit es keine Notfälle sind, zu koordinieren.

Zudem übernimmt die Gemeinde die Zollgebühren für Zucht-, Nutz- und Schlachtvieh. Um aber sicherzustellen, dass Tiere, welche in die Schweiz importiert werden, tatsächlich aus Samnaun stammen, müssen die Bauern alle Geburten an eine Clearing-Stelle melden.

Schaukäserei

Die Käserei am Ort verarbeitet jährlich rund 550'000 Kilo Milch. Angeliefert wird die Milch ab sieben Höfen. Vor dem Verkäsen wird die Milch thermisiert und der Käse in verschiedenen Reifegraden verkauft. Nur etwa 20 Tonnen Käse können aber zum reduzierten Zollsatz in die Schweiz geliefert werden, das entspricht etwa einem Drittel der Jahresproduktion. Der Rest muss im Samnauntal selbst verkauft werden.

Hilfreich ist dabei, dass die Käserei – und damit die Gemeinde – auch noch einen Dorfladen betreibt, in dem nicht nur Tabakwaren und Spirituosen zollfrei verkauft werden, sondern auch Lebensmittel für die einheimische Bevölkerung. Zudem wurde auch eine Schaukäserei eingerichtet, von wo aus sich auch der Reifungskeller einsehen lässt, sowie eine «Alphütte», wo den Gästen Raclette oder Fondue aus der hier verarbeiteten Milch angeboten wird.

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