27.07.2015 13:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fotovoltaik
Solarstromspeicher: Interesse in Schweiz gering
Der Solarstrom steht vor einer neuen Ära. Dank leistungsfähigen Batterien werden Photovoltaikanlagen in Zukunft noch interessanter. Das zeigt sich bereits in Deutschland, wo die Nachfrage nach Speichern sprunghaft zugenommen hat. In der Schweiz dagegen tut sich noch wenig.

Solarstromspeicher für zu Hause haben einen grossen Vorteil: Sie machen die Besitzer von Photovoltaikanlagen unabhängiger vom Strommarkt und den Elektrizitätswerken. Ein Privathaushalt kann dank der Batterie bis zu 80 Prozent des selbst produzieren Stroms nutzen. Ohne Batterie ist das nur bei 20 Prozent möglich, weil der Staubsauger oder der Computer nicht unbedingt dann laufen, wenn die Sonne scheint.

Hohe Anschaffungskosten

In Deutschland hat dies zu einem eigentlichen Boom geführt. So hat sich die Zahl der Speicher im Nachbarland innerhalb eines Jahres auf 25'000 erhöht. Die Industrie wittert darum ein Milliardengeschäft. So sind die deutschen Automobilproduzenten BMW ins Batteriegeschäft eingestiegen. Tatsächlich schätzen Marktforscher von IHS Cera, dass bis 2017 der globale Markt für Speicher 19 Mrd. Dollar umfassen wird. In der Schweiz ist davon noch wenig zu spüren.

«Batterien für Photovoltaikanlagen haben in der Schweiz noch einen Exotenstatus», sagt David Stickelberger von der Branchenorganisation Swissolar. Grund dafür sei der Preis. Für ein Einfamilienhaus in der Schweiz betrügen die Investitionskosten 8000 bis 18'000 Franken. Das rechne sich bei den aktuell tiefen Schweizer Strompreisen nicht. In Deutschland dagegen, wo die Strompreise für Privathaushalte deutlich höher liegen und es auch Fördergelder für die Anschaffung von Speichern gibt, sei die Ausgangslage markant anders.

Fallende Preise machen Speicher interessant

Dennoch ist Stickelberger überzeugt, dass auch in der Schweiz die Nachfrage nach Speichern stark zunehmen wird. Denn die Preise für Batterien würden in den nächsten Jahren fallen. Gemäss Experten werden Batterien pro Monat um ein Prozent günstiger bei gleichzeitiger Steigerung der Zyklenfestigkeit und Energiedichte um ein Prozent. «Das bedeutet, dass Batterien im Jahr 2020 nur noch halb so viel kosten wie heute.» Die Anschaffung eines Speichers werde entsprechend interessanter.

Den Branchenverband sieht dies jedoch nicht nur positiv. «Leider sieht es danach aus, dass in der Schweiz die Entwicklung in eine falsche Richtung läuft», sagt Stickelberger. Batterien für einzelne Häuser seien zwar für abgelegene Gebäude sinnvoll. In dichter bebautem Gebiet dagegen wären grössere Speichereinheiten und die Nutzung bereits bestehender Speichermöglichkeiten wie Speicherseen von Vorteil, hält Stickelberger fest. «Das wäre nicht nur finanziell interessanter, sondern wegen dem insgesamt kleineren Ressourcenverbrauch auch ökologischer.»

Gegen diese sowohl ökonomisch wie ökologisch vorteilhafte Lösung sperre sich jedoch die Schweizer Stromwirtschaft, indem sie der Photovoltaik via Politik und Vorschriften immer neue Hürden in den Weg lege. Stickelberger nennt es Blockadepolitik, die jedoch die Entwicklung nicht aufhalten könne. «Bei der dezentralen Stromspeicherung stehen wir vor einem gewaltigen Boom», sagt er.

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