10.10.2013 07:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Susi Rothmund
Graubünden
Sennaria Surselva: Verarbeitungsmenge verdoppeln
Die Bergsenn AG skizziert die Zukunft der Sennaria Surselva. Sie will den Betrieb erweitern und ab nächsten Frühling die Verarbeitungsmenge verdoppeln, Spezialitäten weiterentwickeln: Musik für die Milchproduzenten.

Obwohl die Anfänge der Sennaria Surselva im 2010 vielversprechend waren, dauerte die Euphorie nicht lange, und schon bald musste die Finanzsanierung in zwei Etappen eingeleitet werden. Auch die zweite Etappe der Finanzsanierung ist laut Carli Tuor, Verwaltungsratspräsident der Sennaria Surselva AG, grösstenteils abgeschlossen.

16 Jahre gepachtet

Anlässlich der Informationsveranstaltung vom 2. Oktober zeigte er sich denn auch froh und erleichtert, die Sennaria Surselva an einen sehr guten Partner in der Branche übergeben zu haben. Per 1. Oktober hat die zur Mifroma gehörende Bergsenn AG ihre Produktionskapazitäten im Bündner Bergkäsebereich erweitert und die Sennaria Surselva in Disentis für 16 Jahre gepachtet. In einem wachsenden Markt für Bündner Bergkäse verschaffte sich die Bergsenn AG mit dem Pachtvertrag und dem Milchkaufvertrag mit der Associaziun Cascharia Mustér eine optimale Ausgangslage.

Mit der Bergsenn AG bekam die Sennaria Surselva einen zuverlässigen Partner und somit eine langfristig gesicherte Zukunft. Drei Mitarbeitende der Sennaria Surselva wurden übernommen. Tuor gelang es, einen erfahrenen Betriebsleiter für die Sennaria Surselva an die Bergsenn AG zu vermitteln. Andreas Wild, der im August mit seiner Familie nach Disentis zog, ist ein erfahrener Käsermeister. Wild arbeitete zehn Jahre in Schweizer Käsereien und sammelte während zwölf Jahren Käserei-Erfahrungen im Ausland (Kolumbien, Costa Rica, Frankreich und Kanada).

Regionales fördern

Wie Marcel Singer, Geschäftsführer Bergsenn AG, erläuterte, gelangten die beiden Produktionsstandorte Savognin und Untervaz aufgrund der steigenden Nachfrage nach Bündner Bergkäse an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit der zusätzlichen Bergkäserei in Disentis werden sie nun entlastet. «Mit der Pacht der Sennaria Surselva, einer grossen und modernen Bündner Bergkäserei, bauen wir unsere Produktionskapazitäten und die Bio-Kompetenz im Käsespezialitätenbereich weiter aus und können so die steigende Nachfrage abdecken», so Singer. Ab nächsten Frühling ist geplant, die Milchverarbeitungsmenge auf 26'000 Kilo pro Tag zu verdoppeln. Natürlich wird die Verarbeitung der Bio- und der konventionellen Milch getrennt.

Wie der Molkereimeister und Marketing-Verkaufsfachmann erklärte, ist die Geschäftsführung stets mit der Weiterentwicklung der Käseprodukte beschäftigt. Wie an den anderen Produktionsorten, sollen auch in Disentis regionale Themen für die Vermarktung aufgegriffen werden. Namen wie Rheinquellenkäse, Klosterkäse und Disentiser Biokäse klingen denn auch vielversprechend, und auch mit dem bereits reiferen Käse, den die Bergsenn AG von der Sennaria übernommen hat, hat Singer innovative Pläne: «Es ist ein Jahreskäse, den wir unter dem Namen Geburtstagskäse als neues Produkt lancieren.» Laut Singer werden viele weitere folgen.

Vorerst kein Geisskäse

Wie Singer eine Frage aus dem Publikum beantwortete, wird die Bergsenn AG vorerst keine Ziegenmilch in Disentis verarbeiten. Bis im Februar 2014 würde auch keine Ziegenmilch zur Verfügung stehen. Er habe die Situation analysiert und sei, unter Berücksichtigung der vorhandenen Infrastruktur der Sennaria Surselva, zum Schluss gekommen, dass die lieferbare Milchmenge nicht für eine regelmässige, frische Produktion reiche.

Die Geissmilchproduzenten könnten leider nur während sieben Monaten im Jahr Milch einliefern. Laut Singer erwarten Kunden (meist Allergiker) jedoch eine ganzjährige Verfügbarkeit. Für die Geisskäseproduktion brauche es alle zwei Tage mindestens 1000 Liter Ziegenmilch. Wenn die Lieferung der benötigten Milchmenge gewährleistet sei, sei die Bergsenn AG jedoch gerne offen für Verhandlungen.

Basispreis von 72 Rappen/Liter

Auch Vertreter vom Milchring Surselva haben Interesse, ihre Milch an die Bergsenn AG zu verkaufen. Zurzeit liefert er an die Nordostmilch. Wie ein Landwirt erklärte, bleiben ihm etwa 62 Rappen/Liter. Die Bergsenn AG gelte als fairer, aber zäher Verhandlungspartner. So konnten die Milchlieferanten der Associaziun Cascharia Mustér einen Basispreis von 72 Rappen/Liter für die Dauer eines Jahres vereinbaren. Von der Sennaria Surselva erhielten sie 66 Rappen/Liter

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