12.09.2017 17:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Pachtzins
Pachtzins: Härtefälle programmiert
Die neue Berechnung des Pachtzinses von landwirtschaftlichen Liegenschaften wird komplexer. Und der Pachtzins steigt im Einzelfall um bis zu 40 Prozent. Auch die Pachtzinsen für Einzelparzellen werden 2018 ansteigen.

In der Schweiz unterliegen Pachtverträge behördlicher Kontrolle. Sie unterstehen dem Pachtrecht. Demnach setzt sich der höchstzulässige Pachtzins zum einen aus der Verzinsung des Ertragswertes und zum anderen aus der Abgeltung von Verpächterlasten zusammen. Die Ertragswerte werden mit der Revision 2018 wegen tieferer Zinsen (Kapitalisierungssatz) deutlich ansteigen.

Keine generelle Erhöhung

Davon beeinflusst wird neu auch die Abgeltung der Verpächterlasten. «Im Gegensatz zu bisher werden die Verpächterlasten nicht nur auf den Mietwert, sondern auch auf den Ertragswert abgestützt. Damit wird neu das Alter und der Zustand des Gebäudes für die Abgeltung der Verpächterlasten mitberücksichtigt», erklärt Martin Würsch, Leiter von Agriexpert, den Zusammenhang.

Eine Anpassung der Verpächterlasten wurde bereits seit Längerem vom Verband der Grundeigentümer gefordert, weil immer weniger Verpächter noch gewillt seien, in ihre Pachtgewerbe zu investieren. Zusammen mit dem Pächterverband hat man sich in der Folge auf eine höhere Abgeltung der Gewerbepachten geeinigt. Unter dem Strich wird der Pachtzins im Einzelfall um bis zu 40 Prozent steigen. «Jeder Fall liegt allerdings anders, und es ist nicht eine generelle Pachtzinserhöhung in dieser Höhe zu erwarten», relativiert Würsch.

Pachtzinses einklagbar

Dass es aber einige Betriebe hart treffen wird, ist absehbar und bestätigt auch ein Blick in die Stellungnahme des Schweizer Bauernverbandes (SBV). «Die vorgesehene Erhöhung für landwirtschaftliche Gewerbe von 15 bis 40 Prozent kann im Einzelfall zweifelsfrei zu einer finanziellen Härte führen», schreibt der SBV und fordert in Gesetz und Verordnung eine entsprechende Klausel. Zudem müssten weitere Faktoren wie zum Beispiel das Alter des Pächters, die bisherige Dauer der Pacht und die Fortsetzungsdauer als zusätzliche Kriterien herangezogen werden.

Abschliessend wichtig zu wiederholen ist, dass die Höhe des Pachtzinses einklagbar ist. In der Praxis kommt dieser vor allem bei der Gewerbepacht zur Anwendung und bleibt bewilligungspflichtig. Bei Einzelgrundstücken werden die Pachtzinsen ähnlich steigen, nur werden diese seltener auf behördlichem Weg reklamiert, sprich, es wird je nach Kanton und Region bereits heute deutlich mehr bezahlt. 

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