17.09.2015 10:46
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Geldpolitik
Nationalbank ändert Zinspolitik nicht
Trotz wirtschaftlicher Stagnation und Frankenstärke dreht die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht an der Zinsschraube. Im Rahmen ihrer Lagebeurteilung belässt sie den Negativzins auf Giroguthaben bei 0,75 Prozent.

Das Zielband für den Drei-Monats-Libor bleibt bei -0,25 bis -1,25 Prozent. Der Libor-Zinssatz regelt die Kosten, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die SNB ihren geldpolitischen Kurs unverändert fortsetzt.

Franken immer noch überbewertet

Die Nationalbank hält den Franken trotz einer leichten Abschwächung immer noch deutlich überbewertet. Sie bleibe bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um dem Einfluss der Wechselkurssituation auf Inflation und Wirtschaftsentwicklung Rechnung zu tragen, teilte sie am Donnerstag mit. Die negativen Zinsen in der Schweiz und die Bereitschaft der SNB, in Devisenmarkt einzugreifen, machten Anlagen in Franken weniger attraktiv. Beides diene dazu, den Druck auf den Franken abzuschwächen.

Unter dem starken Franken leiden insbesondere die Schweizer Exportindustrie und der Tourismus. In den vergangen Wochen hatte sich der Franken etwas abgewertet. Vergangene Woche knackte der Euro erstmals seit der Mindestkursaufhebung Mitte Januar die Marke von 1,10 Franken.

Erholung im zweiten Halbjahr

Die SNB rechnet mit einer allmählichen Belebung der Schweizer Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte. Die Binnennachfrage dürfte die Wirtschaftsentwicklung auch künftig stützen.

Bei einer weiteren Verbesserung des internationalen Umfelds und einer abnehmenden Überbewertung des Schweizer Frankens sollte auch die Exporttätigkeit wieder stärker zum Wirtschaftswachstum beitragen, schreibt die SNB. Für das laufende Jahr rechnet die Nationalbank weiterhin mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von knapp 1 Prozent.

Inflationsprognose leicht tiefer

Die neue bedingte Inflationsprognose hat sich insgesamt gegenüber Juni wenig verändert. Kurzfristig liegt sie vor allem wegen des gesunkenen Ölpreises etwas tiefer als im letzten Quartal.

Für das laufende Jahr geht die Prognose um 0,2 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent zurück. Für 2016 hat sie sich von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent verringert.

Franken wertet sich leicht auf

Der Kurs des Schweizer Frankens hat am Donnerstag in Reaktion auf den SNB-Zinsentscheid geringfügig aufgewertet. Wurden vor der Lagebeurteilung der Schweizer Nationalbank noch etwa 1,0970 Franken für einen Euro bezahlt, ist die Gemeinschaftswährung in einer ersten Reaktion bis auf 1,0947 Franken gefallen.

Einige Minuten nach dem Entscheid stand der Euro bei 1,0952 Franken, also bereits wieder etwas höher. Der US-Dollar hat sich von zuvor 0,9707 bis auf 0,9675 Franken einige Minuten nach dem SNB-Zinsentscheid abgeschwächt. Die SNB hatte am Donnerstag ihre Geldpolitik bestätigt: Die Negativzinsen auf den Giroguthaben der Banken belässt sie bei 0,75 Prozent. Auf noch höhere Negativzinsen respektive ein lauteres verbales Säbelrasseln hat sie verzichtet.

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