3.01.2016 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchbauern fordern Massnahmen gegen Überproduktion
Die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) protestieren angesichts der „grössten Milchmarktkrise der letzten Jahrzehnte“ seit dem 22. Dezember unter anderem mit einer deutschlandweiten Plakataktion gegen die ihrer Meinung nach von der Bundesregierung und der EU-Kommission eingenommenen Verweigerungshaltung.

Laut BDM wurden in vielen Landkreisen Transparente mit der Aufschrift „Merkel, Schmidt & Hogan wollen lieber Milchbauern ruinieren, als die Milchmenge reduzieren!“ aufgestellt. Ausserdem beteiligten sich die deutschen Landwirte an einer EU-weiten Protestaktion und versendeten Milchtüten an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit der Aufforderung, zu handeln und notfalls EU-Agrarkommissar Phil Hogan abzusetzen.

Die Ursache für die aktuelle Preiskrise sieht der BDM in der deutlichen Ausweitung der Milchproduktion in Deutschland und der EU. Entsprechende Gegenmassnahmen würden von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und auf EU-Ebene mit dem Hinweis auf den freien Markt verhindert. „Wer auf die sogenannten Selbstheilungskräfte des freien Marktes setzt, baut darauf, dass irgendwann eine Markterholung schon dadurch eintreten wird, dass Milchviehhalter ihren Betrieb einstellen müssen“, kritisierte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber.

Das sei menschenverachtend und unverhältnismäßig, weil man sehr viel früher eingreifen und politische Anreize dafür setzen könne, dass überschüssige Milchmengen erst gar nicht produziert würden. Die Milchviehhalter seien bereit, die Milchmenge organisiert zurückzufahren. Laut BDM fallen die Milchpreise seit mehr als 24 Monaten, und seit über zwölf Monaten müssten sich viele Milchviehhalter mit einem Erzeugerpreis von weit unter 30 Cent/kg (32.4 Rp.) Milch zufriedengeben.

Zurzeit liege die untere Preislinie sogar bei nur 24 Cent/kg (25.9 Rp.). Diesem niedrigen Erlös stünden Produktionskosten von 23,4 Cent/kg gegenüber, unter anderem für Futter, die Bestandsergänzung, den Tierarzt und die Besamung. Darin seien allerdings weder die Kosten für Arbeit, für Erhaltungs- und Neuinvestitionen, die Altersvorsorge und die Sozialversicherung enthalten, gab der Verband zu bedenken. Die Aussichten für 2016 seien alles andere als ermunternd: Viele Milchviehhalter wüssten längst nicht mehr, wie sie ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen sollten. 

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