3.08.2017 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Thurgau
Landwirtschaftsbetrieb ohne Land
Offiziell führt Hanspeter Reifler einen Landwirtschaftsbetrieb. Dabei hat der Käser und Schweinehalter gar kein Land.

479 spezialisierte Schweinebetriebe mit einer Fläche von weniger als einer Hektare Land verzeichnet das Bundesamt für Statistik (BFS). Sie alle gelten offiziell als Landwirtschaftsbetrieb, weil sie mindestens acht Mutterschweine oder 80 Mastschweine halten.

Hanspeter Reifler aus Dussnang TG übertrifft dies mit seinen 1000 Schweinemastplätzen bei Weitem. Er hält  Nutztiere und produziert mit Schweinefleisch ein wertvolles Lebensmittel. Aber als Landwirt sieht sich Reifler nicht, vielmehr als Käser und Schweinehalter. Wie viele dieser spezialisierten Schweinebetriebe ohne eigenes Land erhält er auch keine Direktzahlungen. 

Käsermeister in Schurten

Aufgewachsen sei er als Bauernsohn, auf einem Milch- und Obstbetrieb im Fimmelsberg TG, erzählt Reifler. Er machte dann eine Lehre als Käser. «Dort hatte ich schon im ersten Lehrjahr mit Schweinen zu tun», erinnert er sich. Da habe er noch von Hand gemistet. Denn bis heute ist es in der Ostschweiz üblich, dass Dorfkäsereien Schweine halten, um die Schotte (Molke) zu verwerten.

Als Käsermeister übernahm Hanspeter Reifler zusammen mit seiner Frau Madlen im Jahr 1990 die Käsereiliegenschaft in Schurten bei Dussnang TG, zuerst als Pächter, später als Käufer. Dazu gehört ein Schweinestall mit 350 Mastplätzen, der bis heute genutzt wird, und eine Futtermühle. Dort mahlt Reifler Gerste und Weizen und mischt verschiedene  Futterkomponenten selbst zusammen. Bis 2005 verfütterte er die käsereieigene Schotte, seither rührt er Kartoffelschälbrei an, der aus dem Verarbeitungsbetrieb Bina in Bischofszell TG stammt.

Zweiten Stall gepachtet

Das Jahr 2005 brachte eine grosse berufliche Veränderung. Hanspeter Reifler gab die Produktion von Emmentaler AOP als selbstständiger Käser in der Käserei Schurten auf. Heute arbeitet Reifler als Angestellter in der Appenzeller-Käserei in Kirchberg SG. Und doch geschäftet er nach wie vor auch auf eigene Rechnung: Die Käsereiräume werden als Partyraum vermietet, und vor allem ist er Schweinehalter. Bereits 2004 pachtete er einen zusätzlichen Schweinestall mit 650 Mastplätzen in Oberwangen TG, der ebenfalls neben einer mittlerweile geschlossenen Käserei steht.    

So produziert er auf total 1000 Mastplätzen  Schweinefleisch nach QM-Standard. Die Stallarbeiten erledigt er am Nachmittag nach der Arbeit in der Käserei; bei Engpässen hilft auch die Familie mit. «Alle zwei Wochen lade ich Sauen, alle zwei Wochen kommen Jager», so Reifler. Die Jager bezieht er aus drei verschiedenen Ställen, die «Sauen» verkauft er an einen Schweinehändler, der sie an mehrere Schlachthöfe verkauft. Zu etwa 70% landet das Fleisch bei Coop und Migros. Die Gülle wird zu 75% von umliegenden Bauern abgenommen, der Rest geht via Händler an viehlose Betriebe im Unterthurgau. 

Umbau ist beschlossen

Beide Ställe sind mit Vollspaltenböden ausgestattet. Ab 31. August 2018  sind diese verboten. In Schurten, das ist  bereits sicher, wird Hanspeter Reifler den Stall mit viel Eigenleistung umbauen. Der Stall wird dann noch 280 Mastplätze aufweisen. Beim gepachteten Stall bestehen ebenfalls Umbaupläne, aber der Entscheid ist noch nicht gefallen. 

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