10.06.2013 07:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Andreas Cadonau
Graubünden
Kulturland für eine Gerölldeponie
Das Val Parghera kommt nicht zur Ruhe. Weit über 100'000 Kubikmeter Geschiebe haben sich in den Hängen des Tobels gelöst.

Die andauernden Niederschläge der letzten Wochen haben nicht zur Beruhigung der Lage beigetragen. Das Val-Parghera-Tobel bedroht mit seinen Murgängen seit Wochen die Verkehrswege zwischen Chur und Domat/Ems. Sei es die Kantonsstrasse, die Nationalstrasse oder das Geleise der RhB. Die Verkehrsverbindung über die Kantonsstrasse konnte nur dank einer Notbrücke aufrechterhalten werden.

Weit über 100'000 Kubikmeter Geröll haben sich bis heute aus den Hängen des Val Parghera gelöst und sind zu Tal gerutscht. Wie viel noch kommt, ist schwer abzuschätzen und ist von Witterungsverhältnissen abhängig.

Notrecht angewendet

Um der Geröllmassen Herr zu werden, haben die Behörden zu einer ungewöhnlichen Massnahme gegriffen. Via Notrecht wurden vier Emser und Churer Bauern verpflichtet, bis über neun Hektaren landwirtschaftliche Kulturfläche für eine Gerölldeponie zur Verfügung zu stellen. In einer ersten Phase werden etwa zwei Hektaren verwendet. Sollte diese Fläche nicht reichen, wird die Deponiefläche laufend erweitert bis über neun Hektaren.

Diese Fläche kann bis 410'000 Kubikmeter Material aufnehmen. Dass diese Menge Geschiebe und Geröll noch zu Tal rutschen kann, ist gut möglich. Auf alle Fälle sind sich die involvierten Behörden bewusst, über Monate wenn nicht Jahre mit dem Val Parghera beschäftigt zu sein.

Entscheid im Juli

Anfang Juli wollen die kantonalen Stellen über die weitreichenden Massnahmen orientieren, welche nötig sind, um das Val Parghera auf lange Sicht zu sichern. Mit längerfristigen Perspektiven müssen sich auch die betroffenen Bauern anfreunden. Das für die Gerölldeponie verwendete Kulturland soll grundsätzlich wieder der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden. In welchem Zeitrahmen dies passieren wird, ist momentan nicht absehbar. Die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe werden entschädigt.

Alles ging sehr schnell

Mario Canetg ist einer der betroffenen Bauern, doch nur am Rande, wie er auf Anfrage erwähnt. Sein Kulturlandbeitrag an die Deponie ist relativ klein und wird, wenn überhaupt, erst in der letzten Phase für die Geröllablage gebraucht. Da die Behörden vom Notrecht Gebrauch gemacht haben, wurden die Bauern vor vollendete Tatsachen gestellt.

«Es ist alles sehr schnell gegangen.» Mario Canetg hat auf das topfebene Kulturland hingewiesen, welches später ein 10-prozentiges Gefälle erhalten soll. «Mit diesen 10 Prozent kann die Landwirtschaft leben, eine rationelle, maschinelle Bodenbearbeitung ist weiterhin möglich.»

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