15.09.2016 16:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Geldpolitik
Keine Zinswende in Sicht
Die Schweiz wird wahrscheinlich noch länger als bisher angenommen und befürchtet mit Negativzinsen leben müssen. Dies jedenfalls signalisiert die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie hat ihre Inflationsprognose erneut gesenkt.

Die SNB hatte am Donnerstag anlässlich ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung für die Schweiz und die Schweizer Wirtschaft eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass die Nationalbank in Bezug auf das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr optimistischer ist als noch vor drei Monaten.

Wachstumsprognose angehoben

Sie hat ihre Prognose von vorher «1,0 bis 1,5 Prozent» auf «rund 1,5 Prozent» angehoben. Im laufenden Jahr soll die Schweizer Wirtschaft also gemäss der SNB trotz Frankenschock und Brexit ziemlich kräftig zulegen.

Die schlechte Nachricht ist, dass dies an der Geldpolitik der SNB nichts ändert. Auf Girokonten bei der Nationalbank müssen Geschäftsbanken weiterhin einen Negativzins von 0,75 Prozent bezahlen. Das Zielband des Leitzins Dreimonats-Libor bleibt weiterhin zwischen -1,25 und -0,25 Prozent. Vor allem aber lässt die Nationalbank in ihrer Lagebeurteilung durchblicken, dass dieses zunehmend kritisierte Zinsregime voraussichtlich länger als bisher erwartet gelten wird.

Inflationsprognose gesenkt

So jedenfalls interpretiert CS-Ökonom Maxime Botteron den Umstand, dass die Nationalbank erneut ihre Inflationsprognose gesenkt hat. Sie erwartet für das Jahr 2017 und 2018 neu nur noch Teuerungsraten von 0,2 respektive 0,6 Prozent, nachdem sie im Juni noch Werte von 0,3 respektive 0,9 Prozent voraussah.

«Damit signalisiert die Nationalbank, dass sie bereit ist, die Zinsen für einen längeren Zeitraum im negativen Bereich zu belassen», sagt Botteron auf Anfrage. «Das bestätigt die Erwartung der Märkte, dass ein Zinserhöhung sicher nicht vor Anfang 2018 erfolgen wird», sagt auch Cornelia Luchsinger von der ZKB.

Brexit sorgt für Unsicherheit

Die Begründung für die erneute Senkung der Inflationsprognose sehen Botteron und Luchsinger in der leicht pessimistischeren Einschätzung der globalen Wirtschaftslage. Tatsächlich geht die Nationalbank zwar davon aus, dass die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten weiter moderat wachsen wird.

Gleichzeitig betont sie jedoch auch die nach dem Brexit gestiegene Unsicherheit im Euroraum und die Abwärtsrisiken in der Weltwirtschaft. Der Brexit mache die Einschätzung der globalen Konjunkturaussichten schwieriger, heisst es in der Mitteilung.

Zinserhöhung nicht vor Ende 2017

Die ZKB geht darum von einer Zinserhöhung nicht vor Anfang 2018 aus. Für die UBS ist ein solcher Schritt frühestens im Dezember 2017 zu erwarten, wie UBS-Ökonom Alessandro Bee in einem Kommentar zur Lagebeurteilung der SNB schreibt. Bee ist zudem überzeugt, dass die Nationalbank eine geldpolitische Wende nur vorsichtig einleiten wird.

Möglich dabei wäre gemäss Bee, dass die SNB zuerst die Beträge erhöhen würde, auf denen Geschäftsbanken keine Negativzinsen zahlen müssen. Eine andere Möglichkeit wäre, den Märkten zu signalisieren, dass die Nationalbank nicht mehr mit aller Macht an den Devisenmärkten intervenieren wird, sollte der Franken stärker werden.

Soweit ist die Nationalbank jedoch noch nicht. In ihrer Mitteilung vom Donnerstag findet sich jedenfalls weiterhin die bekannten Formulierungen, dass der Franken überbewertet bleibe und die SNB bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv sei.

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