2.09.2015 15:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Keine Einigung zu Weidemilchstandards
Der Versuch von Konsumentenschutz und der Molkereiwirtschaft, eine Einigung über die Standards für die Erzeugung und Auslobung von Weidemilch zu erzielen, ist gescheitert.

Wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am vergangenen Freitag mitteilte, wurden die seit 2014 laufenden Gespräche im Rahmen des Projekts Lebensmittelklarheitmit dem Milchindustrie- Verband (MIV) ohne Ergebnis beendet, weil keine Übereinkunft über die Verwendung von gentechnikfreiem Futter und die externe Kontrolle der Weidemilchbetriebe erzielt werden konnte.

Konsumentenschutz: Milch muss sich differenzieren

„Weidemilch darf kein Werbeversprechen sein, das wenig mit der Realität zu tun hat. Der höhere Preis ist nur gerechtfertigt, wenn auch wesentlich höhere Standards erfüllt sind“, betonte vzbv-Vorstand Klaus Müller. Die Konsumenten erwarteten bei Weidemilch, dass die Kühe während der gesamten Saison von April bis Oktober auf der Weide stünden und sie das gesamte Jahr artgerecht mit Weideprodukten wie Gras und Heu gefüttert würden.

Auch müsse das Futter gentechnikfrei sein. Zudem müssten regelmässige Kontrollen derWeidemilchstandards durch ein externes Kontrollinstitut erfolgen und über Qualitätsstandards übersichtlich auf der Verpackung informiert werden, so Müller.

Industrie: Flut von Prüfsiegeln

Der MIV betonte, dass er in den Gesprächen auf Fakten basierende Kriterien vorgeschlagen habe, die auch die Auffassung der Verbraucherzentralen aus dem Onlineportal www.lebensmittelklarheit.de berücksichtige. „Wir lagen auch nicht weit auseinander“, erklärte MIV-Geschäftsführer Jörg Rieke gegenüberAGRA-EUROPE. Gescheitert seien die Gespräche an der politischen Forderung der vzbv nach gentechnikfreiem Kraftfutter sowie sachfremden Kriterien, wie dem vom Bundesverband geforderten „Wunschetikett für alle Lebensmittel“.

Ein Hindernis sei zudem die Forderung nach externen Kontrollen, die durch Prüfsiegel zu belegenseien, gewesen. Dies hätte nur zu einer weiteren Flut von Prüfsiegeln geführt, erläuterte Rieke. Bewährt hat sich dagegen nach seiner Auffassung seit Jahren, dass sich Landwirte gegenüber ihren Molkereien vertraglich verpflichten, den Kühen in der Saison täglich den Weidegang zu ermöglichen.

Das werde beispielsweise durch das Führen von Weidekalendern dokumentiert. In unregelmässigen Abständen würden auch Überprüfungen zur Einhaltung der vertraglichen Regelungen stattfinden.

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