28.12.2017 12:50
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Kein Doping in Schweizer Ställen
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Leistungsförderer sind Stoffe, die die Nährstoffaufnahme im Pansen oder Darm verbessern. Damit wird der Futterverbrauch pro Kilogramm Gewichtszuwachs reduziert und es werden weniger Nährstoffen ausgeschieden. Meistens werden gleichzeitig unerwünschte Bakterien und Pilze im Darm oder Pansen behindert und gewünschte Organismen wie beispielsweise Milchsäurebakterien gefördert.

Kein Doping in Schweizer Ställen

Ein klassischer Leistungsförderer ist Antibiotika. Bei Schweinen und Geflügel wirken die antibiotischen Leistungsförderer auf den Darm, bei Wiederkäuern dagegen vor allem auf den Pansen. Wenn weniger Mikroorganismen in Darm oder Pansen leben verbrauchen sie auch weniger Nährstoffe aus dem Futter, so dass diese vermehrt dem Tier zur Verfügung stehen. Ausserdem produzieren die Tiere dann weniger klimaschädliche Gase wie Ammoniak, bzw. Methan.

Die beste Wirkung zeigen antibiotische Leistungsförderer bei Jungtieren. Und je schlechter die Haltungs- und Fütterungsbedingungen, desto grösser ist der Effekt der zugesetzten Antibiotika. Die Tiere sind damit in der Lage Leistungen zu erbringen, zu denen sie sonst unter den gegebenen Umständen gar nicht fähig werden.

Leistungsförderer seit 1999 verboten

In der Schweiz sind antibiotikahaltige Leistungsförderer im Futter seit 1999 verboten. Trotzdem dürfen aus dem Ausland weiterhin Fleisch- oder Milchprodukte, die mit antibiotikahaltigen Futtermitteln erzeugt wurden, importiert werden. Sie müssen lediglich entsprechend deklariert werden. In der Schweiz dürfen Antibiotika nur noch als Arzneimittel bei Krankheiten verabreicht werden. Um auch diese Menge zu verringern, wird derzeit an einer Antibiotika-Reduktionsstrategie gearbeitet.

Keine Hormone im Schweizer Fleisch

Die Verfütterung von Hormonen zur Leistungsförderung sind in der Schweiz bereits seit 1999 verboten. Weniger der Tiere als mehr der Konsumenten zuliebe: Eine Verbrauchergefährdung kann nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

Hormone zur Leistungsförderung kommen jedoch in den USA, Japan oder Kanada zum Einsatz. Dort bekommen z.B. Mastrinder ein kleines Hormonimplantat hinterm Ohr eingepflanzt, welches kontinuierlich Hormone freisetzt. Ractopamin ist eines dieser Hormone, das auch in Brasilien gerne benutzt wird. Ractopamin lässt Mastschweine und Rinder schneller Fleisch ansetzen, und Kühe geben durch das Medikament mehr Milch. Je nach gemästeter Tierart steigt die Produktivität der Betriebe durch den Zusatzstoff angeblich um bis zu 38 Prozent.

Lebensmittel, die mit hormonellen Leistungsförderern produziert worden, dürfen in die Schweiz eingeführt werden. Dabei besteht eine Deklarationspflicht. Der Hinweis "kann mit Hormonen als Leistungsförderer erzeugt sein" muss auf dem Fleisch, Fleischzubereitungen und Fleischerzeugnissen mit einem Fleischanteil von mindestens 20 Massenprozent angebracht werden, nicht jedoch auf Brühwurst-, Rohwurst- und Kochwurstwaren. Der Einsatz von Hormonen ist in der Schweiz verboten. Import-Fleisch darf jedoch so produziert worden sein.

Probiotika statt Antibiotika

Es gibt nicht nur hormonelle und antibiotische Leistungsförderer. Seit einigen Jahren werden auch probiotische Leistungsförderer eingesetzt. Meistens sind es Mikroorganismen wie Bacillus-Arten, Milchsäurebakterien und Hefen. Diese Zusätze unterstützen die Darmflora und haben so einen günstigen Effekt auf das Tier, was Verdauung und Nährstoffverwertung betrifft.

Weil sich diese Stoffe nicht dauerhaft im Darm ansiedeln können müssen sie laufend über das Futter zugeführt werden. Man kennt das von der menschlichen Ernährung her: Seit einigen Jahren sind probiotische - also mit mikroskopisch kleinen Organismen angereicherte - Milchprodukte auf dem Markt. Auch hier ist das Ziel, die Darmflora mit "guten" Mikroorganismen zu besiedeln, um krankmachende Keime zurück zu drängen. Wie bei der Tierernährung auch kommen dabei v.a. lebende Milchsäurebakterien zum Einsatz.

Verzicht auf GVO

Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) ist in der Schweiz verboten. Dass das entsprechende Moratorium vom Parlament bis zum Jahr 2021 verlängert wurde, ist allgemein bekannt. Weit weniger bekannt ist, dass der Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel in der Schweiz grundsätzlich erlaubt ist.

Das BLW kann auch bereits im Ausland bewilligte Einzelfuttermittel, die nicht aus GVO bestehen oder solche enthalten, in die GVO-Futtermittelliste aufnehmen, wenn das ausländische Zulassungsverfahren dem schweizerischen entspricht. Laut GVO-Futtermittelliste des BLW sind derzeit eine gentechnisch veränderte Sojasorte (GTS 40-3-2 von Monsanto) und drei gentechnisch erzeugte Maissorten zugelassen (Mais Bt 11 von Syngenta, Mais MON810 von Monsanto und Mais 1507 von Pioneer HiBred).

Prädikat "gentechfrei"

Trotzdem werden in der Schweiz keine GVO-haltigen Futtermittel für die Produktion tierischer Lebensmittel verwendet, und das freiwillig. Dabei kosten GVO-freie Futtermittel mehr und sind schwieriger zu beschaffen. Zudem kann die GVO-Freiheit zurzeit nicht einmal ausgelobt werden. Mehrere parlamentarische Vorstösse in Richtung GVO-Kennzeichnung scheiterten am fehlenden Konsens der Akteure der Lebensmittelkette.

Erst die Motion von SBV-Direktor Jacques Bourgeois zur Kennzeichnung von "ohne Gentechnik hergestellter" Lebensmittel schaffte den Durchbruch. Sie wurde im März 2017 vom Parlament angenommen. Eine Anpassung des Lebensmittelrechts soll der schweizerischen Lebensmittelindustrie künftig erlauben tierische Produkte mit dem Prädikat "gentechfrei" auszuloben. So, wie das im umliegenden Ausland schon länger der Fall ist.

In Spuren erlaubt

Zusatzstoffe, die aus gentechnisch veränderten Stoffen hergestellt werden, die in der GVO-Futtermittelliste nach Artikel 62 Absatz 1 enthalten sind, können in Verkehr gebracht, verwendet oder verarbeitet werden, wenn sie gemäss Artikel 20-22 zugelassen sind. Wenn die Partie eines eingeführten Ausgangsprodukts unbeabsichtigt Spuren von GVO enthält, welche nicht auf der Liste der zugelassenen und tolerierten GVO als Futtermittel aufgeführt sind, kann das BLW das Inverkehrbringen auf Gesuch hin trotzdem zulassen, wenn:

  • der Anteil der Verunreinigung höchstens 0,5 Prozent beträgt;
  • diese Organismen in Kanada oder den USA legal als Futtermittel in Verkehr gebracht werden dürfen;
  • geeignete Nachweismethoden und Referenzmaterialien verfügbar sind;
  • der Gesuchsteller mithilfe geeigneter Massnahmen eine Verunreinigung von Lebensmitteln ausschliessen kann; und der Gesuchsteller die nötigen Angaben liefert, damit überprüft werden kann, ob diese Bedingungen erfüllt sind.
  • Für nicht in der Schweiz, der EU, den USA oder Kanada zugelassene GVO besteht dagegen Null-Toleranz.

 

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