25.02.2013 17:25
Quelle: schweizerbauer.ch -
Fleisch
Geringfügige Spuren von Schweinefleisch in Döner entdeckt
Ein Berner Labor hat in sieben von zwanzig Schweizer Dönerfleisch-Proben Schweinefleisch nachgewiesen. Der Anteil war allerdings sehr gering. Untersucht wurde das sich drehende Grillfleisch im Auftrag des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS).

Laut einer Mitteilung des IZRS vom Montag untersuchte das Berner Labor Proben gut frequentierter Imbissbuden in neun Schweizer Städten. Das Fleisch von Buden aus Bern, Biel, Luzern, Genf, Kreuzlingen und Winterthur wies einen Anteil von Schweinefleisch aus. Dies in einer Konzentration von jeweils unter 0,1 Prozent.

«Das ist schlicht eine Schweinerei»

Der IZRS geht deshalb davon aus, dass das Schweinefleisch nicht böswillig oder wissentlich dem Döner-Fleisch zugemischt wurde. Vielmehr hätten sich wohl bei der Zubereitung der Döner-Spiesse Reste von Schweinefleisch mit Hammel- oder anderen für Muslime zugelassenen Fleischsorten vermischt.

Dies wahrscheinlich durch den Einsatz gleicher Instrumente. Trotzdem sei der IZRS «schockiert», heisst es in der Mitteilung. Präsident Nicolas Blancho lässt sich mit den Worten zitieren: «Das ist schlicht eine Schweinerei». Der IZRS vermutete laut der Mitteilung vom Montag schon lange, dass das Schweizer Döner-Fleisch nicht überall völlig frei ist vom für gläubige Muslime verbotenen Schweinefleisch.

Zudem erteilte der IZRS dem Labor den Auftrag auch, weil in der vergangenen Woche der deutsche Fernsehsender RTL bei Stichproben in deutschen Imbissbuden bis zu sieben Prozent Schweinefleisch im Döner gefunden hatte. Die Untersuchungen nahm RTL aufgrund des europäischen Pferdefleischskandals vor.

Nur «halal» produzieren - oder hermetisch trennen

Laut der Mitteilung waren es Leute des IZRS, welche in der letzten Woche in den neun Schweizer Städten die Proben nahmen. Diese hätten jeweils bei den Betreibern der Döner-Buden gefragt, ob das Fleisch «halal» sei, also nach den Regeln des islamischen Glaubens zubereitet.

Der IZRS schliesst nun aus den Ergebnissen, dass Fleischverarbeitungsbetriebe ganz auf die Verarbeitung von Schweinefleisch verzichten müssen, wenn sie halal produzieren wollen. Oder aber dass sie «zumindest den Produktionszyklus für Schweinefleisch hermetisch von der Verarbeitung aller anderen Fleischsorten trennen.»

Nach eigenen Angaben prüft der IZRS seit Ende 2011 die Möglichkeit, ein Schweizer Halal-Label zu lancieren. Er ist dazu auch bei der Schweizerischen Normenvereinigung vorstellig geworden. Die Anstrengungen des IZRS würden aber durch eine Normen-Debatte beim Europäischen Komitee für Normung blockiert.

Lebensmittel im Fokus

Der europäische Pferdefleischskandal begann mit dem Nachweis von Pferdefleisch in angeblich ausschliesslich mit Rindfleisch hergestellter Lasagne. Unterdessen stellten Labors in mehreren europäischen Ländern Pferdefleisch in Rindfleisch-Produkten fest, so auch in der Schweiz.

Im Zug der Untersuchungen wurden auch auf Medikamentenrückstände in Fleisch entdeckt und es gab Meldungen zu eventuell falsch deklarierten Eiern. Zudem wird vermehrt über die Haltung von Tieren diskutiert. Die Diskussionen über Deklaration und Produktion von Lebensmitteln weiten sich also immer mehr aus.

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