29.12.2017 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Futtermittel-Importe: Gründe
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Das Futtermittelangebot in der Schweiz beträgt insgesamt 8,4 Mio. Tonnen Trockensubstanz. Bei 85 Prozent der in der Schweiz eingesetzten Futtermittel handelt es sich um inländische Produkte (Futtergetreide, Raufutter wie Gras und Heu, Silage, Mais, Kartoffeln etc.). Der Importanteil bei den Futtermitteln beträgt rund 15 Prozent, importiert wird vorwiegend Kraftfutter. Rund die Hälfte der Futtermittelimporte sind Nebenerzeugnisse der Nahrungsmittel- und Bioenergieindustrie. Sie stehen damit nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung.

Wirtschaftliche und politische Gründe

In den letzten Jahren stiegen die Futtermittelimporte an. Für diese Entwicklung sind wirtschaftliche und politische Gründe verantwortlich. Neben einer Ausdehnung der Milch- und Gefluügelproduktion, der vermehrten Spezialisierung und damit verstärkten wirtschaftlichen Optimierung der Fütterung im Hinblick auf eine Leistungssteigerung führten auch das Fleischmehlverbot, eine starke Reduktion der Fischmehlimporte und die Senkung der Futtergetreidepreise zu dieser Entwicklung.

Insgesamt ist der Futtermitteleinsatz heute tiefer als noch vor 30, 40 Jahren. Zum einen, weil die Rindviehbestände seit über 30 Jahren rückläufig sind. Weniger Vieh frisst weniger Futtermittel. Zum anderen, weil die Produktionstechnik effizienter wurde, aber auch wegen Fortschritten in der Züchtung. Heute kann man mit weniger Kühen mehr Milch erzeugen.

Zunehmend Eiweissfutter

Auf politischer Ebene wird die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft vor allem in der tierischen Produktion gesehen, insbesondere in der Milchproduktion. Diese soll allerdings wettbewerbsfähiger gemacht werden. Dazu dient der Politik u.a. die Senkung der Futtermittelpreise, da diese einen Hauptkostenpunkt in der tierischen Produktion darstellt.

Standen früher vor allem Getreideimporte im Vordergrund (Energiefutter), wurden in den letzten Jahren zunehmend Ölkuchen (Eiweissfutter), speziell von Soja, importiert. Die zunehmende Spezialisierung der Betriebe und der Zwang zur wirtschaftlichen Optimierung hat sich auf die Fütterung ausgewirkt. Teuer ist jedes Futter, das mit Arbeit verbunden ist; sparen kann man vor allem, indem man Futtermittel billig aus dem Ausland importiert.

Weniger Eiweissfutter aus dem Inland

Zwischen 1990/92 und 2008/09 sind zahlreiche Eiweissfuttermittel im Inland weggefallen. Die Gründe dafür waren unterschiedlich:

Wegfall inländisches Fleischmehl wegen Verbot nach der BSE-Krise: ca. - 40'000 t
Rückgang Fischmehlimporte, v.a. preisbedingt: ca. - 40'000 t
Rückgang Grasmehlproduktion wegen Energiekosten: ca. - 60'000 t
Schliessung Ölwerk Unilever und damit Wegfall pflanzlicher Eiweissfuttermittel aus der Speiseölproduktion von importierten Ölsaaten: ca. - 60'000 t
Rückgang Maiskleberimporte aus div. Gründen: ca. - 20'000 t
Rückgang Kartoffeleiweissimporte, v.a. preisbedingt: ca. - 10'000 t
Verbot Verfütterung Gastroabfälle als Schweinesuppe: ca. - 10'000 t
Quelle: Greenpeace Studie, Priska Baur 2011

Nicht aus der Region, aber aus der Nähe

Bei den Herkünften für das Importfutter sollte man zwischen Energieträgern und Eiweissträgern unterscheiden: Energieträger, wie Futtergetreide, stammen zu rund 90 Prozent aus Deutschland und Frankreich. Das Eiweissfuttermittel Soja stammt dagegen zur Hälfte aus Brasilien, der Rest kommt v.a. aus China, aber zunehmend auch aus Europa.

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