2.01.2018 17:40
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Eine wichtige Statistik
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Die Futtermittelbilanz spielt eine wichtige Rolle in der Landwirtschaftsstatistik. Sie bildet die Datenquelle für mehrere weitere Statistiken wie die landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR), die wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), Nährstoffbilanzen NPK (Agroscope), Treibhausgase (Agroscope) etc. Die Futtermittelbilanz gibt über die Zusammensetzung der Futterrationen für Nutztiere Auskunft und zeigt auf, ob und wie sehr der Futterbedarf mit importierter Ware gedeckt wird.

Erste Bilanz bereits 1911

Die erste rudimentäre Futtermittelbilanz berechnete das Schweizerische Bauernsekretariat bereits in den Jahren 1911/13. Seither wurde die Bilanzierungsmethode ständig verfeinert. Agristat, der Geschäftsbereich Statistik des Schweizer Bauernverbandes, erstellt jedes Jahr eine Futterbilanz. Es gibt verschiedene EU-Länder, die ebenfalls Futtermittelbilanzen erstellen. Sie wenden jedoch keine einheitliche Methode an und beziehen ihre Daten auf der Basis von "Gentlemen agreements".

In der Futtermittelbilanz wird zwischen marktfähigen und nicht-marktfähigen Futtermitteln, sowie zwischen Kraft- und Saftfutter unterschieden. Die Kraftfutterdefinition in der Futtermittelbilanz ist nicht identisch mit der Definition, die das BLW für das Programm der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF) verwendet.

Einzelfutter vor der Verwertung

Das Kraftfutter in der Futtermittelbilanz entspricht den Energie- und Proteinträgern die im industriell hergestellten Mischfutter eingesetzt werden. Das sind vor allem trockene Rohstoffe wie Körner und Saaten, trockene Hülsenfrüchte, Nebenprodukte der Müllerei und der Ölherstellung, verarbeitetes Grünfutter, Zucker, Gluten und Kartoffelprotein, Futterhefe, Tiermehle und unverarbeitete Fette. Aber auch Melasse, Öle und Feuchtkörnermais werden in der Futtermittelbilanz dem Kraftfutter zugeschlagen.

Es gibt Verarbeitungsprodukte, die sowohl feucht als auch trocken angeboten werden. Genau genommen sollte die trockene Form zum Kraftfutter und die feuchte Variante zum Saftfutter gehören. Weil diese Trennung bei der Erfassung schwierig ist, werden Futtermittel wie Rübenschnitzel, Treber, Trester, Molke etc. vollständig dem Saftfutter zugeteilt. Die Futtermittelbilanz betrachtet in der Regel das Einzelfutter vor der Verwertung durch die Futtermittelindustrie.

Die Raufutterberechnung ist die Produktionsstatistik für Futtermais und Gras. Der Futtermais wird unterteilt in Grünmais und Silomais. Das Gras wird nach Verwendungs- bzw. Konservierungsart differenziert. Dabei wird zwischen Alpweide, übriger Weide, Eingrasen, Trockengras, Heu und Emd sowie Grassilage unterschieden. Für einige Produkte werden noch Qualitätskategorien definiert. Neben der Produktion wird auch die Raufutterverwendung geschätzt.

Halb so viel Futter- wie Nahrungsmittel importiert

Das Jahr 2016 war kein gutes. Jedenfalls nicht für den Pflanzenbau. Wegen der tiefen Erträge sank der Brutto-Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln 2016 auf 55 Prozent und der geschätzte Netto- Selbstversorgungsgrad fiel erstmals deutlich unter 50 Prozent. Das heisst die Schweiz hat sich 2016 nur noch zur Hälfte mit Kalorien aus dem Inland versorgt.

Während die Bevölkerung jede zweite Nahrungsmittelkalorie aus dem Ausland bezieht importieren die Schweizer Nutztierhalter nicht einmal halb so viele Kalorien in Form von Futtermitteln. So gesehen "grasen" die Bauern deutlich weniger ennet der Grenze als die Schweizer Konsumenten.

Datenquelle: Agristat

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