14.03.2017 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Geldpolitik
Druck auf Nationalbank steigt
Am Donnerstag legt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Zinsentscheid vor. Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die Währungshüter vorerst still halten. Am Markt gibt es allerdings auch Spekulationen um eine baldige Ausweitung der Negativzinsen.

«Wir sehen derzeit keinen Grund zur Anpassung unserer Geldpolitik», sagte Thomas Jordan Anfang März in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Im gleichen Interview sagte der Nationalbankpräsident aber auch: «Wir sehen eine deutliche Zunahme der politischen Risiken».

Politische Unsicherheiten

Die Unsicherheiten vor allem in der Eurozone sind in der Tat gross, ungeachtet der derzeitigen Sorglosigkeit an den Finanzmärkten. Rechtspopulistische Strömungen sind im Aufwind, etwa in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, wo Wahlen anstehen. In Grossbritannien ist nach wie vor unklar, wie der Brexit vollzogen werden soll. Und auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat nicht gerade zur Berechenbarkeit der Lage beigetragen.

«Solche Phasen erhöhter politischer Unsicherheit sind für uns heikel, da die Schweiz als sicherer Hafen betrachtet wird», gab Jordan in diesem Zusammenhang zu bedenken.

Begrenzter Spielraum

Im Kampf gegen eine weitere Frankenaufwertung setzt die Nationalbank bekanntlich auf zwei Instrumente - den Negativzins und Interventionen am Devisenmarkt. Letztere haben die SNB-Bilanz stark aufgebläht. Diese ist mittlerweile fast so gross wie das Bruttoinlandprodukt der Schweiz. Allein im Februar sind die Devisenreserven der SNB um 24 Milliarden Franken angestiegen. Ein Teil der Zunahme dürfte auf Aktiengewinne zurückzuführen sein. Dennoch ist der starke Anstieg ein untrügliches Zeichen, dass die Nationalbank nach wie vor Euros und Dollars im grossen Stil kauft, um den Franken zu schwächen.

Am Montag erreichte der Franken zum Euro den tiefsten Wert seit mehr als drei Monaten. «Die SNB scheint gewillt, im Vorfeld der niederländischen Wahlen, einen möglichst hohen Kurslevel anzupeilen. Kurse in Richtung 1,0850 sind nun durchaus wieder drin», kommentierte die Thurgauer Kantonalbank. Mit den anhaltenden Devisenmarktinterventionen nehmen allerdings auch die Risiken zu. So führen die USA die Schweiz wegen ihrer Interventionspolitik auf einer Beobachtungsliste als möglichen Währungsmanipulator. Einen unbegrenzten Spielraum hat die Notenbank vor diesem Hintergrund nicht.

Negativzins im Fokus

Unterdessen mehren sich am Markt Stimmen, die zusätzlich zu den Interventionen eine baldige Verschärfung des Zinsregimes prognostizieren. Die Bank Safra Sarasin etwa erwartet, dass die Währungshüter den Einlagenzins für Banken im ersten Halbjahr um weitere 0,25 Prozentpunkte auf minus 1,00 Prozent senken.

In einem Kommentar vergangene Woche begründete die Bank ihr Szenario mit dem schwächer als erwarteten Wirtschaftswachstum 2016, das im Vergleich zu anderen Ländern «enttäuschend» ausgefallen sei. Im dritten und vierten Quartal gab es nur ein mageres Plus von 0,1 Prozent. Über das ganze Jahr gesehen wuchs die Schweizer Wirtschaft um 1,3 Prozent, gegenüber 1,7 Prozent in der Eurozone. Doch auch eine Erhöhung der Strafzinsen würde der SNB viel Kritik einbringen, vor allem aus dem Inland. Banken, Pensionskassen und Versicherungen ächzen bereits heute unter dem Negativzins.

Wenig Hilfe von aussen

Bevor die Nationalbank am Donnerstag ihre vierteljährliche geldpolitische Lagebeurteilung veröffentlicht, ist am Mittwoch aber erst einmal die US-Notenbank Fed an der Reihe. Hier gehen die Beobachter einhellig von einer Erhöhung der Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt aus.

Viel mehr Handlungsspielraum dürfte das SNB-Direktorium um Thomas Jordan dadurch aber nicht erhalten. Denn die Leitzinserhöhung in den USA ist am Devisenmarkt bereits weitestgehend eingepreist. Eine nachhaltige Erstarkung des Dollars scheint vor diesem Hintergrund fraglich. Entspannung gäbe es erst, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre extrem expansive Geldpolitik langsam zurückfahren würde.

EZB: Spekulation um Zinswende

Entsprechende Spekulationen wurden vergangenen Freitag von Berichten der Agenturen Reuters und Bloomberg genährt. Insidern zufolge hat der EZB-Rat bei seiner jüngsten Sitzung kurz über eine Zinserhöhung vor dem Auslaufen des aktuellen Anleihenkaufprogramms gesprochen. Ein EZB-Führungsmitglied dementierte am Montag gegenüber dem «Wall Street Journal» jedoch eine bald anstehende Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik.

An der Pressekonferenz vom letzten Donnerstag zum Zinsentscheid der EZB legte deren Präsident Mario Draghi den Fokus auf die Inflation. Trotz steigender Preise wolle die Europäische Zentralbank die Inflation weiter anheizen. Es sei noch immer ein «sehr wesentlicher» geldpolitischer Impuls der Notenbank nötig.

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