28.12.2017 08:34
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Alles unter Kontrolle
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Theoretisch könnte alles, was ein Nutztier verdauen kann auch als Futtermittel eingesetzt werden. In der Praxis begrenzen vor allem hygienische Gründe die Auswahl. In der Schweiz wird die Mehrheit der Futtermittel speziell zum Zweck der Verfütterung angebaut und geerntet. Das ist vor allem Raufutter (Gras, Heu, Silage etc.) sowie Futterrüben und Futtergetreide.

Erhaltungs- und Leistungsbedarf

Daneben werden zahlreiche Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung als Futtermittel genutzt wie Apfeltrester, Biertreber, Buttermilchpulver, Dinkelspelzen, Getreideschlempe, Maiskleber, Weizennachmehl und dergleichen mehr. Diese Futtermittel stellen keine Konkurrenz zur menschliche Ernährung dar. Ein Teil dieser Produkte dient als Zutat für die Herstellung von Mischfutter. Dazu kommen Vitamine und Mineralstoffe sowie Stoffe wie Futterkalk oder Viehsalz, die entweder Nährwerte ausgleichen oder die Schmackhaftigkeit des Futters erhöhen. Auch das Vieh frisst mehr, wenn es ihm schmeckt.

Die Ansprüche an die Tierernährung sind vielfältig, sie stehen den Ansprüchen an eine gesunde Ernährung beim Menschen nicht nach. Bei Tieren unterscheidet man zwischen Erhaltungs- und Leistungsbedarf. Der Erhaltungsbedarf ist das, was das Tier selbst zum Leben braucht. Der Leistungsbedarf wird dagegen für die Produktion einer tierischen Leistung wie z.B. Fleischzuwachs, Milchproduktion oder Legeleistung benötigt. Mehr zu füttern als nötig ist weder wirtschaftlich, noch gesund: Die Tiere würden verfetten. Fette Tiere leisten weniger und fettes Fleisch wird am Markt mit Preisabzügen bestraft.

Grund- und Kraftfutter

Grundsätzlich stehen den Tierhaltern zur Ernährung der Tiere Grundfutter und sogenanntes Kraftfutter zur Verfügung. Die Grundfutter umfassen vor allem Gras, Silagen oder Heu und werden in der Regel auf dem Betrieb selbst produziert. Für Kraftfutter gibt es verschiedene Definitionen. Meistens werden darunter Futtermittel mit einer erhöhten Nährstoffkonzentration verstanden wie z.B. Mais, Getreide oder Eiweisserbsen.

Es kommen Einzel- und Mischfuttermittel zum Einsatz. Bereits wenn zwei Einzelfuttermittel gemischt werden, handelt es sich rein rechtlich gesehen um Mischfutter. Ein Grossteil des Mischfutters wird in Futtermühlen hergestellt. Diese Unternehmen wenden oft sehr komplexe Rezepturen an, um den Nährstoffbedarf der Tiere möglichst optimal zu decken. Sie verwenden dazu Produkte aus den verschiedene Rohstoffkategorien wie Energieträger (Weizen, Mais), Proteinträger (Sojakuchen, Rapskuchen), Rohfaserträger (Kleie), Mineralstoffe (Salz, Kalk) und Zusatzstoffe (Vitamine, Enzyme).

Konsumenten schützen

Alles was im Futtermittel drin ist kann später im Fleisch, in der Milch oder den Eiern landen. Der Handel mit Futtermitteln wird also weniger des Tieres wegen kontrolliert und reglementiert, sondern um die Verbraucher zu schützen. Wer Futtermittel herstellt, in Verkehr bringt oder einführen will, muss sich zuvor bei der amtlichen Futtermittelkontrolle Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) registrieren lassen. Lediglich Heimtierfuttermittel für den privaten Gebrauch dürfen ohne Registrierung importiert werden. Derzeit sind rund 1500 Unternehmen durch Agroscope für den Futtermittelhandel zugelassen, darunter 25 Selbstmischer.

Die ALP kontrolliert diese Unternehmen und führt die amtliche Futtermittelkontrolle durch. Sie kontrolliert ob die Futtermittelverordnungen eingehalten werden und bewilligt gegebenenfalls neue Produkte für die Tierfütterung. Bei den Unternehmenskontrollen liegt die Beanstandungsquote seit Jahren bei rund 35 Prozent, d. h. rund jede dritte Kontrolle führt zu einer Beanstandung. Die Beanstandungen beziehen sich hauptsächlich auf ungenügende Sauberkeit, Lücken bei der Rückverfolgbarkeit oder beim Herstellungsprozess, unkorrekte Handhabung von Rückstellmustern oder lückenhafte Umsetzung der Leitlinien. Die Sicherheit der hergestellten Futtermittel ist in der Regel aber nicht in Gefahr.

Zwei Drittel in Ordnung

Auch bei den Futtermittelkontrollen wird viel beanstandet. Das liegt zum Teil daran, dass die Futtermittelkontrolle risikobasiert erfolgt. Die Beanstandungen entsprechen nicht dem Durchschnitt auf dem Schweizer Futtermittelmarkt. 2016 wurden 1'220 Nutztierfuttermittel von verschiedenen Kategorien beprobt und analysiert.

Rund zwei Drittel der untersuchten Proben waren in Ordnung. Rund ein Achtel war nicht korrekt deklariert oder die Nährstoffgehalte stimmten nicht genau und ein gutes Fünftel der Proben (265 Proben) wies schwerwiegende Nicht-Konformita¨ten auf. Vor allem bei Vitaminen und Spurenelementen ist oft nicht drin, was drauf steht oder es steht nicht drauf, was tatsächlich drin ist. Bei den Mineralstoffen wurde sogar fast jede zweite Probe beanstandet, während bei Einzelfuttermitteln die Beanstandungsquote bei 5 Prozent lag.

95 Prozent biokonform


Seit dem 1. Januar 2015 ist Agroscope auch für den Vollzug im Bio-Futtermittelbereich zuständig. 2016 wurden 98 Bio Futtermittel überprüft, davon 18 aus importierten Bio-Futtermitteln. 95 Prozent der Proben waren biokonform, 5 Prozent waren es nicht. Bei den 372 Nutztierfuttermittelproben, welche auf GVO untersucht wurden, wurden die Forscher 28 mal fündig. Allerdings überschritt keine der Proben die GVO-Deklarationslimite.

Bei schweren Verstössen gegen die Gesetzgebung stellt die amtliche Futtermittelkontrolle Verfügungen aus. Im Jahr 2016 wurden insgesamt sieben solche Verfügungen erlassen. Sechs davon betrafen Bio-Futtermittel, welche deklassiert werden mussten und eines ein Produkt, das einen unerlaubten Zusatzstoff enthielt.

Einzelfuttermittel

Einzelfuttermittel, wie z.B. Futtergerste oder Biertreber, können direkt verfüttert, oder als Ausgangsprodukt für Mischfutter verwendet werden. Sie unterliegen keiner Zulassung, sondern werden im "Katalog der Einzelfuttermittel" im Anhang der Futtermittelbuch-Verordnung aufgeführt. Diese Liste wird von der EU übernommen. Sie ist lang und enthält viele Kuppelprodukt der Lebensmittelindustrie, wie die Beispiele zu den jeweiligen Kategorien zeigen:

  • Getreide und daraus gewonnene Getreiderzeugnisse (z.B. Futtergerste, Kleie, Biertreber oder Maiskleber, ein Produkt, das bei der Maisstärkegewinnung anfällt);
  • Ölsaaten, Ölfrüchte und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Soja-, Sonnenblumen- oder Raps-Extraktionsschrot als Nebenprodukt der Ölerzeugung);
  • Körnerleguminosen und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Süsslupinen, Ackerbohnen, Erbsenfuttermehl);
  • Knollen, Wurzeln und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Kartoffeleiweiss, ein Nebenprodukt der Stärkegewinnung oder Zuckerrübenschnitzel);
  • Andere Saaten und Früchte und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Obsttrester, Pektin oder Buchweizenfuttermehl);
  • Grünfutter und Raufutter und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Rübenblätter, Erbsenstroh oder Luzernemehl);
  • Andere Pflanzen, Algen und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Pflanzenkohle, Zuckerrohrmelasse oder Algen);
  • Milcherzeugnisse und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Molke oder Molkenpulver, Buttermilch oder Kasein);
  • Erzeugnisse von Landtieren und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. getrocknete Eierschalen, Gelatine oder Tierfett);
  • Fisch, andere Wassertiere und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Fischmehl, Fischöl);
  • Mineralstoffe und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Kaliumkarbonat, auch als Pottasche bekannt, oder Calcium-Magnesiumphosphat)
  • Erzeugnisse/Nebenerzeugnisse der Vergärung von Mikroorganismen (z.B. Vinasse, also eingedickte Melassenschlempe oder Bierhefe)
  • Verschiedene Erzeugnisse (z.B. Erzeugnisse, die bei der Verarbeitung von Kartoffeln, Snacks oder Teigwaren anfallen).

Wenn ein Futtermittelunternehmer andere Einzelfuttermittel als die auf der Liste aufgeführten in Verkehr bringen will, muss er diese bei Agroscope melden.

Futtermittel-Zusatzstoffe

Futtermittelzusatzstoffe sind Stoffe, die Futtermitteln oder dem Tränkewasser zugesetzt werden. Alle Futtermittel-Zusatzstoffe sind in Anhang 2 der Futtermittelbuch-Verordnung oder in den von ALP publizierten Bewilligungslisten aufgeführt. Dazu gehören Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel, Emulgatoren, Stabilisatoren, Verdickungsmittel, Geliermittel, Bindemittel, Trennmittell, Säureregulatoren, Silierzusatzstoffe, Vergällungsmittel, Stoffe zur Verringerung der Kontamination von Futtermitteln mit Mykotoxinen, Stoffe zur Verbesserung der hygienischen Beschaffenheit, Sensorische Zusatzstoffe wie Farbstoffe oder Aromastoffe, Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe wie Vitamine, Provitamine,  Spurenelementen, Aminosäuren etc. sowie Zootechnische Zusatzstoffe wie Verdaulichkeitsförderer, Darmflorastabilisatoren etc.

Ebenfalls zu den Zusatzstoffen gehören Kokzidiostika / Histomonostika. Die letztgenannten sind eigentlich Arzneimittel. Sie werden vorbeugend zu Verhütung der Kokzidiose bei Hühnern, Truten und Mastkaninchen eingesetzt.

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