22.12.2014 09:55
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Österreich
A: Bauern verdienen erneut weniger
In Österreich müssen die Landwirte auch in diesem Jahr Einkommenseinbussen verkraften. Wie die Statistik Austria unter Berufung auf erste vorläufige Ergebnisse der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung vergangene Woche mitteilte, haben sich dieAgrareinkommen 2014 trotz Steigerung der Erntemengen und Milchproduktion das dritte Jahr in Folge rückläufig entwickelt.

Hauptgründe dafür seien Preiseinbussen in der pflanzlichen Produktion sowie für Schweine und Rinder, witterungsbedingte Ertragsausfälle im Weinbau und geringere Agrarförderungen. Das landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft gemessen als Faktoreinkommen dürfte den Statistikern zufolge gegenüber 2013 im Durchschnitt real um 2,4% gesunken sein, nach einem Minus von 10,4% im Vorjahr und einem Rückgang von 5,2% im Jahr 2012.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes, sprach von einem „Rückschlag“. Angesichts des dritten Minus in Folge sei es „purer Zynismus“, über neue Steuern für die Landwirtschaft nachzudenken. Vielmehr brauchten die Bauern in dieser Situation Zukunftskonzepte. Auch der Präsident der Land- und Forstbetriebe Österreich, Felix Montecuccoli, warnte mit Hinweis auf die Entwicklung der Agrareinkommen vor zusätzlichen Belastungen, weil dann auf die Substanz zurückgegriffen werden müsse.

Produktionswert leicht unter Vorjahresniveau

Laut Schätzung von Statistik Austria produzierte die österreichische Landwirtschaft 2014 Güter und Dienstleistungen im Gesamtwert von rund 7 Mrd. Euro (8,4 Mrd. Fr.). Der Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs habe damit geringfügig unter dem Vorjahresniveaugelegen (-0,5%). Dem Volumen nach habe die landwirtschaftliche Produktion in diesem Jahr zugenommen, wozu vor allem der Pflanzenbau beigetragen habe, dessen Ergebnis im Jahr zuvor unter Dürreschäden gelitten habe.

Die Erntemengen seien bei einer Reihe von pflanzlichen Kulturen deutlich höher ausgefallen als 2013, berichteten die Wiener Statistiker. Eine Ausnahme stelle dabei jedoch insbesondere der Weinbau dar. Zugleich hätten der feuchtkühle Sommer sowie der niederschlagsreiche Herbst einen erhöhten Krankheits- und Schädlingsdruck sowie teilweise Qualitätsminderungen zur Folge gehabt.

Die Produzentenpreise gaben laut Statistik Austria im Pflanzenbau zum Teil deutlich nach, unter anderem bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Ölsaaten sowie für eine Reihe von Produkten des Obst- und Gemüsebaus. Beim Getreide seien vor allem der Körnermais und Futtergetreide von Preisrückgängen betroffen gewesen. Wertmässig sei die pflanzliche Produktion deshalb trotz überdurchschnittlicher Erntemengen um 0,8% niedriger ausgefallen als im Vorjahr.

Vorleistungsausgaben gesunken

Der Wert der tierischen Produktion nahm laut den Berechnungen von Statistik Austria ebenfalls um 0,8% ab. Hauptsächlich preisbedingte Einbussen bei Schweinen und Rindern hätten einem Anstieg des Produktionswertes der Milch gegenübergestanden. Die Milchproduktion sei ausgeweitet worden, doch gleichzeitig habe der Milchpreis - trotz der deutlichen Rückgänge in den vergangenen Monaten - im Jahresmittel über dem Vorjahresniveau gelegen. Infolge der gestiegenen Anlieferungsmengen habe sich allerdings auch die Zusatzabgabe für die Überschreitung der Milchquote deutlich erhöht.

Die Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen sanken gemäss den ersten Schätzungen um 1,9%. Dabei kam insbesondere der Rückgang der Futtermittelpreise zum Tragen. Auch Düngemittel und Treibstoffe wurden 2014 billiger als im Vorjahr. Weiter gestiegen sind hingegen die Abschreibungen für das Anlagevermögen (-2,5%).

Beihilfen machen zwei Drittel des Einkommens aus

Gemäss Statistik Austria nahmen die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten Förderungszahlungen gegenüber dem Niveau von 2013 um 5,4% ab. Die Förderungszahlungen machten rund 68% des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens aus. Das insgesamt in der Landwirtschaft erwirtschaftete Faktoreinkommen verringerte sich gegenüber 2013 um 2,6%.

Je Arbeitskraft betrug der durchschnittliche Einkommensrückgang nominell 0,9%. Der durch den Strukturwandel bedingte Rückgang der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte wurde dabei vom österreichischen Statistikamt für 2014 auf 1,7% geschätzt. Ausführlichere Informationen zur diesjährigen Einkommensentwicklung der österreichischen Landwirtschaft wird die Statistik Austria im Februar 2015 veröffentlichen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE