29.04.2016 10:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Österreich
25‘000 ha durch Frost und Schnee geschädigt
In Österreich hat der Wintereinbruch zu massiven Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen geführt. In einigen Gebieten wurde die gesamte Apfelernte zerstört. Betroffen sind die Bundesländer Steiermark, Niederösterreich und Burgenland. Die Schäden betragen über 270 Millionen Euro (300 Mio. Fr.).

Die schweren Frostschäden sind auf Temperaturen von bis zu -6 Grad in den Morgenstunden des 26. und 28. Aprils zurückzuführen.

Wein-, Obst- und Ackerkulturen

„Vom Frost schwer beschädigt wurden vor allem Wein-, Obst- und Ackerkulturen, wie Kürbis aber auch Spezialkulturen wie Christbäume und Spargel. Betroffen sind insgesamt mehr als 25’000 Hektar. Zusätzlich führte starker Schneefall im Süden Österreichs zu schweren Schäden an Hagelnetzen und Folienhäusern“, hält Kurt Weinberger, Vorstandvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, fest. Hierbei handelt es sich erst um eine Zwischenbilanz. Genaue Zahlen werden erst in den kommenden Tagen erwartet.

Der vergangene Winter war mild, der Vegetationsbeginn war dadurch rund 14 Tage früher als sonst. Die jungen Triebe und Pflanzen würden dadurch immer empfindlicher für Spätfrost, so Weinberger. Die Landwirte müssten mit dem Klimawandel öfter mit diesem Phänomen rechnen. Bauern, die ihre Kulturen versichert haben, können mit Ausfallzahlungen rechnen. Frost im Wein- und Ackerbau ist seit 1997 und Frost für Kernobst seit 2013 bei der Österreichischen Hagelversicherung in der Mehrgefahrenversicherung versicherbar.

Apfelernte zerstört

Gemäss der Hagelversicherung sind rund 85 Prozent der Ackerbauern gegen Hagel versichert. 90 Prozent haben in ihrer Police auch eine Absicherung gegen Frost oder Dürre. Bei den Obstbauern sind etwas mehr als die Hälfte gegen Hagel und etwas mehr als jeder Zehnte auch gegen Gefahren wie Frost versichert.

„Die grösste Katastrophe seit Beginn des professionellen Anbaus. Es wird 2016 kaum frisch-saftig-steirische Äpfel in den Läden geben“, so das niederschmetternde Fazit des Agrarlandesrats Hans Seitinger (ÖVP) aus der Steiermark. Die Bauern rechnen mit massiven Schäden. Das Problem war vor allem der Schnee. Dieser war zu schwer für die Hagelnetze. In der Folge stürzten diese mitsamt Verankerung auf die Obstanlagen und Reben.  Wie Seitinger gegenüber ORF Online erklärt, müssen diese nun neue aufgebaut werden.

In Österreich werden auf 7908 Hektar Äpfel angebaut, davon liegen 78 Prozent in der Steiermark. 2014 wurden dort 188‘000 Tonnen Äpfel geerntet, das entsprach 81 Prozent der gesamten Ernte Österreichs.

Steiermark: Mindestens 125 Millionen Euro Schaden

Doch auch andere Kulturen litten unter der garstigen Witterung. Mais ist in der Steiermark auf einer Fläche von 800 ha erfroren. Geschädigt wurde der Soja auf einer Fläche von 300 ha. Rund 1000 ha Reben, ein Viertel der gesamten Fläche, wurde durch den Frost in Mitleidenschaft gezogen.

Bei den Hopfenkulturen (95 ha) wird ein Totalausfall erwartet, da die Leittriebe abgestorben sind. 3‘000 ha Kürbis sind stark frostgeschädigt. Der Schaden an den landwirtschaftlichen Kulturen wird nach ersten Schätzungen bei über 125 Millionen Euro (138 Mio. Fr.) zu liegen kommen. Hierbei handelt es sich aber nur um die Schadenssumme aus der Steiermark.

Burgenland: 150 Mio. Euro Schäden – Einkommensunterstützung gefordert

Im Burgenland hat vor allem der Frost zu massiven Schäden an den landwirtschaftliche Kulturen geführt. Obst-, Gemüse- und Weinbauern sind betroffen. Laut Erhebungen der Burgenländischen Landwirtschaftskammer sind rund 45 Prozent der Rebenfläche, 70 Prozent der Obstkulturen sowie andere Spezialkulturen wie etwa Grünspargel, Zuckermais, Kürbis, Frühkartoffeln und Fisolen zum Teil geschädigt.

Die burgenländische Landwirtschaftskammer rechnet mit Schäden von bis zu 150 Millionen Euro (165 Mio. Fr.). Die Schäden würden die Bauern zu einer Zeit treffen, in der die Landwirtschaft mit extrem niedrigen Marktpreisen und den damit verbundenen Einkommensverlusten zu kämpfen habe, betont Landwirtschaftskammerpräsident Franz Stefan Hautzinger gegenüber ORF Online. Diese Wetterkatastrophe bringe die Betroffenen in eine ausweglose Lage.

Hautzinger forderte eine sofortige Einkommensunterstützung für die Betriebe. Dies auch deshalb, weil die Frostschäden „enorme“ Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung im Burgenland sowie auf viele Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich habe.

Niederösterreich: Freigabe von Biodiversitätsflächen gefordert

Auch im Bundesland Niederösterreich ist die Situation ist vor allem bei den Obstbauern und Winzern dramatisch. Gar mit brennenden Strohballen, dies behördlich genehmigt, versuchten die Betroffenen gegen den Frost anzukämpfen. Trotzdem befürchten sie, dass Pflanzentriebe bereits abgestorben sind. „Derzeit liegen die Schätzungen bei einer Schadenssumme von 50 Prozent“, sagt ein Winzer. „Die genauen Schätzungen werden wir aber erst nächste Woche bekommen, wenn man sieht, wie die Triebe abfallen, wie sie braun werden.“

Gemäss dem niederösterreichischen Bauernverbund ist flächenmässig der Mais am stärksten betroffen. Dieser zeigt in den meisten Regionen Frostschäden in unterschiedlicher Ausprägung, von leichten Blattschäden bis zu Totalausfall. Besonders betroffen dürfte auch der Kürbisanbau. Kartoffeln sind in vielen Regionen bis auf die Dämme zurückgefroren. Der Blattverlust koste Substanz und in weiterer Folge Ertrag. Der Soja sei vielerorts umbruchsreif.

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich fordert nun eine Freigabe zur Nutzung von Biodiversitätsflächen, um bei Betrieben mit Futtermittelknappheit für Linderung zu sorgen.

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