13.02.2018 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz, lid
Betriebsführung
Zusammenschluss hat stärker gemacht
Eine landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft zu gründen, heisst nicht nur grösser und schlagkräftiger zu werden, sondern verlangt von den Partnern auch, dass sie Entscheidungen gemeinsam treffen und sich anpassen können.

Josef Gämperli und Othmar Thalmann arbeiten schon seit 18 Jahren in einer Betriebsgemeinschaft BG in Jonschwil SG zusammen. Aus zwei kleinen Betrieben haben sie einen grossen gemacht. „Es war gut, dass wir die Betriebe zusammengelegt haben, denn alleine wäre die Zukunft der Betriebe sicher fraglich gewesen“, sagt Thalmann rückblickend.

Mehr Fläche, mehr Tiere


Als sie ihre Betriebe im Jahre 1999 in einer BG zusammenlegten, war jeder Betrieb etwa 13 ha gross. Heute bewirtschaften die beiden Landwirte zusammen 30 ha. Doch die Vergrösserung der Fläche war nicht das Ausschlaggebende, dass ihre Familien ein Auskommen in der Landwirtschaft fanden. „Wir haben intensiviert“, begründen sie es. 

Früher hielten beide etwa je 20 Kühe, heute gemeinsam 50. Ein wichtiger Schritt war der Stallbau im Jahre 2000. Der neue Laufstall ermöglichte es ihnen, die beiden Herden zu einer zusammenzulegen und rationeller und effizienter zu arbeiten. Zum Melken und Füttern braucht es nicht mehr doppelte Einrichtungen. Josef Gämperli brachte neben seinen Kühen auch Zuchtsauen in die BG, Thalmann Mastschweine. 

Auf Stärken konzentrieren


Er baute seinen ehemaligen Kuhstall zu einem Schweinemaststall mit 150 Plätzen aus. Die BG modernisierte die Einrichtungen und investierte zum Beispiel in eine Abruffütterung für die Zuchtsauen. Zu zweit war es den Landwirten möglich, mehr Tiere zu halten, als sie es alleine gekonnt hätten. Die BG investierte ausserdem in eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 200 kWp und schuf damit ein neues Betriebsstandbein.

Mit den Jahren sind die beiden Landwirte „zusammengewachsen“. Sie kennen einander und wissen, wie sie die Arbeit gemeinsam bewerkstelligen können. Gämperli schaut wie früher hauptsächlich nach seinen Zuchtschweinen, während Thalmann die Mastschweine betreut. Im Milchviehstall übernimmt Gämperli vor allem das Melken und sein Partner füttert in dieser Zeit die Kühe. Jeder macht vor allem das, worin er seine Stärken hat. 

Die Arbeit teilen

Diese Art der Arbeitsteilung hat den Vorteil, dass es im Alltag nicht wegen Kleinigkeiten zu „Reibungen“ kommt. Jedes zweite Wochenende übernimmt einer zusätzlich die Arbeit des anderen, so dass dieser frei machen kann. Auch während der Ferien eines Partners ist keine fremde Aushilfe notwendig. Der Zusammenschluss zur BG hat die beiden Landwirte stärker und schlagkräftiger gemacht. Sie können sich Maschinen anschaffen, die sich für kleinere Betriebe nicht lohnen würden. Denn sie können sie besser ausnutzen.

Gemeinsam entscheiden

Betriebswirtschaftliche Entscheidungen – zum Beispiel der Kauf neuer Maschinen – müssen die beiden Partner gemeinsam angehen. „Man kann nicht mehr alles alleine entscheiden“, nennt Gämperli einen Unterschied zum Einmannbetrieb. Das bringe auch Vorteile, sind die beiden überzeugt.

Spontane, nicht zu Ende gedachte Investitionen liessen sich auf diese Art eher vermeiden. Gemeinsam zu wirtschaften, bedeute auch, sich Zeit zu nehmen, um eine Sache zu diskutieren und von verschiedenen Seiten anzusehen. Das sei nicht jedermanns Sache, sagen sie, aber eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche BG.

Kein traditioneller Familienbetrieb

Es ist von Vorteil, wenn die Partner einer BG in etwa gleich „stark“ sind. So fällt es leichter, Entscheidungen ebenbürtig zu fällen. Auch sollte ein gewisser finanzieller Spielraum vorhanden sein. Wenn die BG über keine Reserven verfügt und eine grössere Investition ansteht, dann braucht es viel gegenseitiges Vertrauen und guten Willen. Wichtig ist auch die Fähigkeit, dem anderen etwas nachsehen zu können. Denn es gibt immer Situationen, in denen man etwas anders machen würde als der Partner.

„Wir sind nicht mehr ein traditioneller Familienbetrieb", hält Thalmann fest. Zwar arbeiten ihre Frauen und Kinder bei Spitzenzeiten auf dem Betrieb mit, aber es sind die Betriebsleiter, die sich die Arbeit auf dem Hof teilen. Eine Betriebsgemeinschaft zu gründen, steht allen Landwirten offen.

Grundlage bildet ein Vertrag

Voraussetzungen sind gemäss Art. 10 der Landwirtschaftlichen Begriffsverordnung LBV unter anderem, dass die Zusammenarbeit durch einen schriftlichen Vertrag geregelt ist und die Fahrdistanz der Betriebszentren unter 15 km liegt. Agriexpert, eine Geschäftsstelle des Schweizerischen Bauernverbandes, stellt Musterverträge zur Verfügung. Die Behörden behandeln die BG wie einen Betrieb, nicht zuletzt auch betreffend Direktzahlungen. 

Als Rechtsform ihrer überbetrieblichen Zusammenarbeit haben Gämperli und Thalmann wie die meisten Landwirte die einfache Gesellschaft gewählt. Sämtliche Ausgaben und Einnahmen gehen über eine „Kasse“. Land und Gebäude bleiben aber im Eigentum der Landwirte; ihre Nutzung wird von der BG entgolten. Das Inventar ist Eigentum der BG. Gämperli ist 51, Thalmann 52 Jahre alt. Auf der Grundlage eines klaren Vertrages und gegenseitigen Vertrauens sind sie als BG gut gefahren und schauen zuversichtlich in die Zukunft.

Betriebsgemeinschaft

Die Betriebsgemeinschaft (BG) ist ein Zusammenschluss von zwei oder mehr Betrieben zu einer neuen organisatorischen Einheit unter gemeinschaftlicher Führung der beteiligten Gesellschafter. Dabei übertragen die Gesellschafter ihr Vieh und ihre Fahrhabe der Gemeinschaft zu Gesamteigentum, während sie ihre Grundstücke und Ökonomiegebäude sowie allfällige Produktionsrechte der Gesellschaft nur zur Nutzung überlassen. (Aus: Merkblatt des Zürcher Bauernverbandes)

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