9.02.2018 06:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wiedergutmachung
Verdingkinder: Letzte Sitzung
Der Runde Tisch für die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen hat am Donnerstag seine letzte Sitzung durchgeführt. Das Gremium habe seine Aufgaben erfüllt, teilte das Bundesamt für Justiz mit.

Der Runde Tisch setzte sich dafür ein, dass das begangene Leid und Unrecht fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 zügig aufgearbeitet wurden. Justizministerin Simonetta Sommaruga hatte 2013 die Opfer im Namen des Bundesrates um Entschuldigung gebeten und gleichzeitig den Runden Tisch eingesetzt.

Seit 2014

Dieser war gemäss der Mitteilung paritätisch zusammengesetzt aus Opfern und aus Vertreterinnen und Vertretern der Behörden des Bundes, der Kantone und der Gemeinden sowie weiterer Organisationen. Zunächst habe der Runde Tisch den Aufbau von kantonalen Anlaufstellen für Opfer unterstützt sowie einen Soforthilfefonds für Härtefälle geschaffen.

2014 machte der Runde Tisch zuhanden der politischen Behörden Vorschläge - zum Beispiel finanzielle Leistungen für die Opfer oder die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschehnisse. Die Vorschläge mündeten in der Wiedergutmachungsinitiative. Die Wiedergutmachung sei «in vollem Gang», schreibt das Bundesamt weiter.

300 Millionen für Opfer

Zudem wurde den Betroffenen finanzielle Unterstützung im Umfang von 300 Millionen Franken zur Verfügung gestellt, die seither auf Gesuch hin ausbezahlt werden. Bisher sind 5261 Gesuche um einen Solidaritätsbeitrag in Höhe von 25'000 Franken eingegangen. Die ersten Beiträge wurden im Januar ausbezahlt.

Bis zum gesetzlich festgelegten Termin vom 31. März 2018 können jene, die sich als Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 betrachten, noch ein Gesuch einreichen.

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren in der Schweiz bis 1981 angeordnet worden. Zehntausende von Kindern und Jugendlichen wurden an Bauernhöfe verdingt oder in Heimen platziert, viele wurden misshandelt oder missbraucht. Menschen wurden zwangssterilisiert, für Medikamentenversuche eingesetzt oder ohne Gerichtsurteil weggesperrt, weil ihre Lebensweise nicht den Vorstellungen der Behörden entsprach.

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