21.12.2017 13:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wiedergutmachung
Verdingkinder: Beiträge ab Januar
Schon im Januar 2018 erhalten die ersten Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen einen Solidaritätsbeitrag. Inzwischen ist klar, dass an alle Gesuchsteller 25'000 Franken ausbezahlt werden können.

Es handelt sich um den vorgesehenen Maximalbetrag. Das Parlament hatte im Herbst 2016 insgesamt 300 Millionen Franken für Solidaritätsbeiträge bewilligt. Die Höhe des Beitrags machte es von der Zahl der Gesuche abhängig. Da schon jetzt feststeht, dass es weniger als 12'000 sein werden, kann an alle Opfer, deren Gesuch gutgeheissen wurde, der Maximalbetrag ausbezahlt werden. Das teilte das Bundesamt für Justiz am Donnerstag mit.

Auszahlung vorgezogen

Vorgezogen wurden die Gesuche jener Opfer, die schwer krank oder sehr alt sind. 366 Personen erhalten daher schon im Januar 2018 einen Solidaritätsbeitrag. Alle anderen prioritären Gesuche würden im Laufe des kommenden Jahres bearbeitet, heisst es in der Mitteilung. Dabei handelt es sich vor allem um Eingaben von Personen, die über 75 Jahre alt sind oder in besonders schwierigen finanziellen Verhältnissen leben.

Die Gesuchsfrist läuft am 31. März 2018 ab. Bisher wurden 4310 Gesuche um einen Solidaritätsbeitrag gestellt. Gerechnet worden war mit 12'000 bis 15'000 Gesuchen. Luzius Mader, Delegierter für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, hatte im vergangenen Sommer verschiedene Gründe für die tiefere Gesuchszahl genannt.

Versöhnung unter Druck

So könnten Betroffene ungenügend über ihren Anspruch im Bild sein. Andere verzichten auf ein Gesuch, weil sie keine alten Wunden aufreissen wollen. Zudem gibt es Opfer, die das Thema aus Scham tabuisieren oder die kein Geld vom Staat wollen, den sie für das erlittene Unrecht verantwortlich machen.

Das Parlament hat den Solidaritätsbeitrag unter dem Druck der inzwischen zurückgezogenen Wiedergutmachungsinitiative beschlossen. Ob jemand Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen ist und damit Anspruch auf einen Solidaritätsbeitrag hat, entscheidet das Bundesamt für Justiz. Gesuchsteller müssen glaubhaft machen, dass ihre körperliche psychische oder sexuelle Unversehrtheit oder die geistige Entwicklung unmittelbar und schwer beeinträchtigt worden ist.

An Bauernhöfe verdingt

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren in der Schweiz bis 1981 angeordnet worden. Zehntausende von Kindern und Jugendlichen wurden an Bauernhöfe verdingt oder in Heimen platziert, viele wurden misshandelt oder missbraucht. Menschen wurden zwangssterilisiert, für Medikamentenversuche eingesetzt oder ohne Gerichtsurteil weggesperrt, weil ihre Lebensweise nicht den Vorstellungen der Behörden entsprach.

Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, die in einer finanziellen Notlage waren, ist bereits mit einem Soforthilfefonds geholfen worden. Mehr als 1000 Personen bekamen einen Betrag zwischen 4000 und 12'000 Franken.

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