26.08.2014 16:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Graubünden
Sonderjagd: Regierung will keine Abstimmung
Das Bündner Stimmvolk soll nicht über die Abschaffung der umstrittenen Sonderjagd abstimmen dürfen. Die Regierung will, dass das Parlament die mit einer Rekordzahl an Unterschriften eingereichte Volksinitiative für ungültig erklärt.

Das Begehren verstosse gegen Bundesrecht, teilte die Bündner Kantonsregierung am Dienstag mit. Die kantonale Volksinitiative wurde im August letzten Jahres mit der Rekordzahl von 10'229 Unterschriften eingereicht.

Hochjagd verlängern

Sie verlangt im Kern, dass die Abschusspläne zwecks Regulierung des Wildbestandes während der Hochjagd jeweils im September zu 100 Prozent erfüllt werden. Dafür sei die Hochjagd von 21 auf 25 Tage zu verlängern.

Die umstrittene Sonderjagd wurde 1986 eingeführt. Sie wird im November und Dezember veranstaltet, wenn auf der Hochjagd zu wenig Tiere geschossen wurden. Die Gegner der Sonderjagd monieren, es komme dabei immer wieder zu moralisch, ethisch und jagdlich verwerflichen Szenen, da Gesetzesregeln der ordentlichen Jagd ausser Kraft seien.

Hirschbestand würde fast verdoppelt

Die Kantonsregierung liess die Frage der Rechtmässigkeit der Sonderjagdinitiative mit zwei extern erstellten Gutachten klären. Wie sie am Dienstag in Chur bekannt gab, kommt das wildtierbiologische Gutachten zum Schluss, dass sich die Abschusspläne bei Annahme der Sonderjagdinitiative nicht mehr erfüllen liessen.

Der Hirschbestand von derzeit 15'000 Tieren würde in etwa zehn Jahren auf 20'000 bis 27'000 Exemplare ansteigen. Parallel käme es zu mehr Wildschäden im Wald. Die gleiche Entwicklung sieht das Gutachten beim Rehwild. Deshalb könnte der Kanton den Wildbestand nicht mehr derart regeln, dass der Wald erhalten und verjüngt werde. Darin sieht das Rechtsgutachten eine Verletzung der eidgenössischen Jagd- und Forstgesetzgebung.

Verstoss gegen Bundesrecht: nichts Neues

Die Bündner Regierung teilt die Auffassung der Gutachter, wonach die Sonderjagdinitiative bundesrechtswidrig sei. Auf die Sonderjagd, die seit 25 Jahren fester Bestandteil der Bündner Jagd sei, könne auch in Zukunft nicht verzichtet werden. Ob das 120-köpfige Parlament, der Grosse Rat, der Regierung folgt, entscheidet sich im Februar nächsten Jahres.

Das Thema Sonderjagd beschäftigt das Kantonsparlament nicht das erste Mal. Wegen eines möglichen Verstosses gegen Bundesrecht erklärte es bereits im Jahre 1995 eine gegen die Sonderjagd gerichtete Initiative für ungültig. 2006 wurde ein Referendum gegen die Sonderjagd an der Urne mit rund 29'000 zu 24'000 Stimmen verworfen.

Fast 13'000 Tiere geschossen

Die Jagd ist im Bündner Volk tief verankert. An der Hochjagd im September beteiligen sich etwa 5500 Jäger und einige Jägerinnen. Es ist die mit Abstand grösste Jagdveranstaltung der Schweiz.

Geschossen wurden letztes Jahres fast 13'000 Tiere: 3100 Hirsche, 2300 Rehe, 2800 Gämsen, 4600 Murmeltiere und 14 Wildschweine. An der umstrittenen Sonderjagd im Anschluss beteiligt sich weniger als die Hälfte der Jäger.

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