9.02.2019 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Abstimmung
«Ohne Land keine Bauern»
Das Bernisch-Bäuerliche Komitee (BBK) empfiehlt für die Zersiedelungsinitiative, über die am Sonntag abgestimmt wird, ein Ja – obwohl die Organisation der SVP nahesteht.

Am Mittwoch erreichte eine bemerkenswerte Medienmitteilung die Redaktion des «Schweizer Bauer». Auf dem Briefkopf stehen die Schriftzüge des Bernisch-Bäuerlichen Komitee (BBK) und des Bäuerlichen Zentrum Schweiz (BZS). Diese beiden Organisationen gelten als SVP-nah. 

Zustimmung aus konservativen Milieu

Der heutige BZS-Präsident und langjährige BBK-Präsident Heinz Siegenthaler ist in der SVP und empfahl für die Grossratswahlen jeweils fast ausschliesslich Kandidatinnen und Kandidaten der SVP. Und der Ehrenpräsident des Bäuerlichen Zentrums ist Werner Salzmann senior aus Mülchi, der 1999 mit einer eigenen SVP-Liste zu den Nationalratswahlen angetreten ist. 

Bemerkenswert ist, dass im Abschnitt «Zersiedelungsinitiative» in der Medienmitteilung steht: «Trotz den Bedenken über die Umsetzung der Initiative und die Einschränkungen für landwirtschaftliche Bauten in der Landwirtschaftszone empfiehlt die grosse Mehrheit der Vorstandsmitglieder, den Stimmberechtigten, die Initiative zur Erhaltung des Kulturlandes am 10. Februar 2019 anzunehmen.» Die Jungen Grünen, welche die Initiative lanciert haben, erhalten da also Support aus dem konservativen bäuerlichen Milieu. 

«Ohne Land keine Landwirtschaft»

Einer, der im BBK-Vorstand dafür gestimmt hat, ist Milchproduzent Walter Ryser aus Heimiswil BE. Am Telefon erklärt er:  «Wenn man sich, wie sich das Überbauen entwickelt, so ist das ungeheuerlich. Wir Bauern müssen schon langsam schauen, dass noch ein bisschen Kulturland erhalten bleibt.»

Die Initiative aus der Feder der Jungen Grünen als Hauptträger verlangt, dass die Bauzonen in der Schweiz eingefroren werden. Konkret sollen neue Bauzonen nur geschaffen werden können, wenn dafür andernorts eine gleich grosse, bestehende Bauzone aufgehoben wird. Die Initianten wollen damit erreichen, dass in der Schweiz auch in dreissig Jahren Naherholungsgebiete zur Verfügung stehen sowie eine starke produzierende Landwirtschaft in der Schweiz möglich bleibt.

Man könne es kurz sagen, so Ryser: «Ohne Land keine Landwirtschaft.» Angesprochen auf die vorgebrachten Einschränkungen, sagt Ryser: «Für Milchvieh- und Rindviehställe entsteht kein Problem. Beim Geflügel ist vielleicht der Bedarf ohnehin bald bedeckt.» 

Präsident Andreas sagt Nein 

Der genannte Heinz Siegenthaler aus Trub BE allerdings erklärt auf Anfrage, er persönlich lehne die Zersiedelungsinitiative ab, diese sei zu radikal. Auch der jetzige Präsident des BBB, Ruedi Andres aus Bargen BE, sagt, er selbst sehe die Zersiedelungsinitiative kritisch. Zu gross wären aus seiner Sicht die Einschränkungen für neue landwirtschaftliche Bauten. Er wisse aus eigener Erfahrung, wie schwierig es heute schon sei, eine neue Pouletmasthalle zu bauen – mit der Initiative würde das wohl unmöglich, ebenso das Aussiedeln für Bauernfamilien, die in einem Dorfkern keinen Platz mehr haben.  

Für SVP-Mitglied Andres ist ein weiteres Gegenargument, dass die Initiative ausgerechnet diejenigen Kantone und Gemeinden bestrafen würden, die bisher mit dem Einzonen Mass gehalten haben. Doch Andres, der in Bargen BE mit seiner Familie Milchwirtschaft, Munimast, Fleisch-Direktvermarktung und Ackerbau inklusive Zuckerrüben betreibt, sagt: «Es ist klar, dass etwas gehen muss. Der Schutz des Kulturlandes muss verstärkt werden. Zum Beispiel müssen leerstehende Industriebauten abgerissen werden, bevor neues Land für neue Industriehallen überbaut wird.» Andres erklärt, dass im BBK-Vorstand über die Zersiedelungsinitiative abgestimmt worden sei und dass rund 80% für die Ja-Parole gestimmt hätten. Es habe geheissen, dass nach wie vor pro Sekunde ein Quadratmeter Kulturland verloren gehe, da dürfe man nicht mehr weiter zuschauen. 

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