4.02.2019 13:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Organisationen
IG Hornkuh: Es geht weiter
Die Interessengemeinschaft Hornkuh will weitermachen. Der Architekt Michael Gehret wurde zum neuen Präsidenten gewählt. Er folgt auf Armin Capaul. Die IG will versuchen, sich bei der Agrarpolitik 2022+ im Rahmen der Vernehmlassung einzubringen.

Die Hornkuh-Initiative wurde im vergangenen November vom Stimmvolk abgelehnt. Knapp 55 Prozent waren gegen das Begehren. Rund 1'383'911 Stimmen sagten Nein, 1'145'099 legten ein Ja in die Urne. Das Ständemehr verfehlte die Initiative ebenfalls.

Initiative verlangt kein Verbot

Die Initiative verlangte kein Enthorn-Verbot, sondern eine finanzielle Unterstützung für Halter von horntragenden Kühen, Stieren, Ziegen und Ziegenböcken. Der Initiativtext legte keine Beträge fest. Die Initianten regten aber an, dass es pro Kuh mit Hörnern jährlich 190 Franken geben sollte, für eine Ziege 38 Franken. 

Der Mensch habe kein Recht, die Tiere zu verstümmeln. Die Gegner der Initiative müssten nun der ganzen Welt erklären, warum sie das Nationaltier der Schweiz enthornten, sagte Armin Capaul, der Kopf hinter der Initiative, nachdem die Niederlage feststand. Gegenüber dem «Schweizer Bauer» betonte er, die Verfassungsgrundlage für die Einführung eines Hörnerbeitrags sei bereits gegeben, Bundesrat und Parlament könnten dies womöglich im Rahmen der AP 22+ einführen.

Capaul hat sich zurückgezogen

Mitte Dezember liess Armin Capaul verlauten, dass er den Vorsitz der IG Hornkuh abgibt. Anlässlich der Übergabe einer Hornkuh-Fahne an die Gemeinde Zwischbergen-Gondo VS sagte er zum «Schweizer Bauer»: «Ich habe lange genug, mehr als acht Jahre lang, darum gekämpft, Kühen mit Hörnern einen Franken, für Ziegen 20 Rappen pro Tier und Tag zu geben. Das reicht.»

Die Zukunft der IG Hornkuh war in der Schwebe. Doch nun geht es mit der Organisation weiter, wie Radio SRF am Montagmorgen berichtet. Es wurde mit dem Architekten Michael Gehret am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. Und dieser will den Weg die Agrarpolitik 2022+ einschlagen. So wie das Armin Capaul vorgeschlagen hatte.

Gleichstellung von Hornkühen

Gehret will nun ein Organisationskomitee schaffen. Dieses soll überprüfen, ob eine finanzielle Unterstützung von horntragenden Kühen und Ziegen im Rahmen der Agrarpolitik 2022+ möglich ist. «Diese Arbeit muss jetzt rasch vorangehen, da die Vernehmlassung schon bald beendet ist», sagt der neue Präsident zu Radio SRF. Die IG plant im Rahmen der Vernehmlassung eine Eingabe zu machen.

Er rechnet sich Chancen aus. Er habe von den Gegnern immer wieder gehört, dass ein Beitrag für Hornkühe nicht in die Verfassung gehöre. «Das heisst eigentlich bereits im gleichen Satz, dass es sonst wie bestimmt werden soll, dass ein Ausgleich stattfinden muss. Und, dass Landwirte mit Kühen mit Hörnern eine Gleichstellung haben», so Gehret. Der Berner will ist seit kurzem bei der IG Hornkuh mitdabei. Ziel ist es, den Interessengemeinschaft in einen Verein umzuwandeln.

Michael Gehret wohnt in Feutersoey im Berner Oberland. Der 42-Jährige kandierte vor zwei Jahren für den Gemeinderat in Gsteig. Der Grünliberale unterlag aber dem Landwirt Hannes Schopfer. Gehret steht zudem Verein Schür.li vor. Dieser fordert für vom Zerfall bedrohte Schürli ein einfacheres Verfahren, um sie bewohnbar zu machen.

IG Hornkuh dankt Capaul

Am Montagnachmittag meldete sich die IG Hornkuh mittels Communiqué zu Wort. Armin Capaul danke für das Vertrauen, dass ihm die Bevökrung und die Medien entgegengebracht haben, heisst es. Und die IG unterstreicht im Schreiben, dass sie ihre Tätigkeit fortsetzen wird: «Die über 1.1 Millionen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die die Hornkuh-Initiative unterstützten, dürfen nicht im Stich gelassen werden. Diese Stimme muss in der Landwirtschaftspolitik weiterhin gehört werden.»

Mit Spannung erwartet die IG den Entscheid des Bundesgerichts zur Abstimmungsbeschwerde einer Privatperson. Der Grund für die Beschwerde ist eine von der Universität Bern veröffentliche Untersuchung zu den Folgen des Enthornens. 

Dass 38 Prozent der Kälber noch nach drei Monaten an Schmerzen litten, habe die Universität erst am 7. Dezember offiziell mitgeteilt - zwölf Tage nach der eidgenössischen Abstimmung. Der Beschwerdeführer ist daher überzeugt, dass die Forschungserkenntnisse massgeblich zur Meinungsbildung beigetragen und das Resultat des Urnengangs beeinflusst hätten.

Studie

In einem ersten Studienteil waren die ersten 24 Stunden nach dem Eingriff untersucht worden, wie die Universität Bern im Dezember mitteilte. Dabei habe sich gezeigt, dass die Kälber trotz optimaler Betäubung und Schmerzausschaltung unmittelbar nach der Enthornung eine sogenannte trigeminale Allodynie entwickelten, das heisst eine Schmerzempfindung, die auf an sich nicht schmerzhafte Reize hin entsteht. Zudem sei eine übermässige Schmerzempfindlichkeit festgestellt worden.

In einem zweiten Teil der Studie seien die längerfristigen Folgen der Enthornung untersucht worden. Dabei sei festgestellt worden, dass 38 Prozent der enthornten Kälber eine chronische, trigeminale Überempfindlichkeit entwickelten. Die Schmerzen seien dabei bei den enthornten Kälbern deutlich höher gewesen im Vergleich zu den schein-enthornten Kälbern, und dies während der ganzen Studiendauer bis zum Alter von 105 Tagen.

Einzelne Tiere könnten unabhängig vom Alter und der Schmerzausschaltung zum Zeitpunkt der Enthornung von einer chronischen trigeminalen Überempfindlichkeit und somit von chronischen trigeminalen Schmerz betroffen sein. Die Studie wurde an 34 männlichen Kälbern durchgeführt. Am Tag der Enthornung wurden alle Kälber sediert und es wurden ihnen schmerzstillende oder schmerzlindernde Medikamente verabreicht. Tatsächlich enthornt wurde aber nur ein Teil der Kälber, der Rest wurde schein-enthornt.

 

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