13.02.2018 07:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Freiburg
Bauerndorf einen Schritt weiter
Das Gesetz, das die Fusion der kleinen bernischen Gemeinde Clavaleyres mit dem benachbarten freiburgischen Murten regelt, liegt vor. Für diese seltene Gemeindehochzeit über die Kantonsgrenze hinweg braucht es eine ganz spezielle Regelung.

Mit dem Gesetz soll nämlich der Kantonswechsel von Clavaleyres zu Freiburg und die Gemeindefusion mit Murten vollzogen werden. Am Montag hat der Freiburger Staatsrat nun seine Botschaft ans Parlament verabschiedet. Auf Berner Seite hat das Kantonsparlament dem Vorhaben bereits letztes Jahr grünes Licht erteilt.

Gemeinden stimmen ab

Die vom Kanton Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Kanton Bern erarbeitete Gesetzesentwurf soll einzig auf den aussergewöhnlichen Fall von Clavaleyres und Murten anwendbar sein.

Zunächst wird nun der Fusionsprozess lanciert. Die Gemeindebehörden haben bereits eine Übereinkunft erarbeitet. Sie wird mit Blick auf das Gesetz noch leicht angepasst und dann den Einwohnerinnen und Einwohnern der beiden Gemeinden bis Ende September 2018 zum Entscheid vorgelegt.

Erste Gebietsanpassung seit rund 200 Jahren

Was den Kantonswechsel von Clavaleyres von Bern zu Freiburg betrifft, handelt es sich nicht um eine Grenzbereinigung, die die Kantone unter sich ausmachen könnten, sondern um eine Gebietsveränderung. Es ist dies nota bene die erste territoriale Änderung des Kantons Freiburg seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

Viele arbeiten in der Landwirtschaft

Die Gemeinde Clavaleyres mit ihren 50 Bewohnerinnen und Bewohnern ist Teil des Bezirks Bern-Mittelland. Ihre Fläche von nur einem Quadratkilomter ist ganz vom Freiburger Seebezirk umschlossen. Die deutschsprachige Kleinstgemeinde ist bereits heute auf Murten ausgerichtet und arbeitet mit dem Städtchen etwa bei Feuerwehr und Schule zusammen. Fusionsversuche mit bernischen Gemeinden scheiterten. 20 der 26 Beschäftigen der Gemeinde arbeiten noch in der Landwirtschaft. Das sind knapp 77 Prozent. Rund 80 der 100 ha Gemeindefläche werden landwirtschaftlich genutzt. blu

Diese Gebietsveränderung muss daher in einem interkantonalen Konkordat geregelt werden. Dieses wiederum kommt vors Kantonsparlament und dann vor die Stimmbevölkerung der Kantone Bern und Freiburg.

Keine Vorbilder

In der Schweiz gab es bereits mehrfach Ideen für Gemeindefusionen über Kantonsgrenzen hinweg, realisiert wurden sie aber bislang nicht. So verwarfen etwa die Stimmberechtigten von Albligen (BE) einen Zusammenschluss mit Überstorf (FR). Für die Ausarbeitung eines Gesetzesentwurfs konnten sich die Kantone Freiburg und Bern also nicht auf Vorbilder abstützen.

Kleinstgemeinde auf Partnersuche

Der Finanzhaushalt der Gemeinde ist im Lot. Zu schaffen macht der Gemeinde aber ihre fehlende Grösse. Bevölkerung und Gemeindeorgane kamen daher zum Schluss, dass Clavaleyres allein nicht überleben kann.

Bereits in der Vergangenheit suchte die Kleinstgemeinde nach möglichen Fusionspartnern im Kanton Bern - ohne Erfolg. Fündig wurde man ennet der Kantonsgrenze in Murten. Seit Jahren schon erbringt Clavaleyres zahlreiche Dienstleistungen in Zusammenarbeit mit Murten. Das Städtchen zählt rund 8200 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Gemeinderat von Clavaleyres zählt gerade mal drei Mitglieder, die Verwaltungsaufgaben erledigen externe Fachleute.

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