24.12.2017 14:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Bern
Sie hat einen Weihnachtsbaum-Wald
Die Familie Joss aus Gysenstein BE ist Mitte Dezember mitten im Weihnachtsgeschäft. Sie sägen Tannenbäume und verkaufen sie. Das ist ein wichtiger Betriebszweig. Herausfordernd wird für Rahel Joss aber das nächste Jahr.

«Meine Eltern haben eine Nordmanntanne bei sich als Firststütze im Stöckli.bIch hole mir auch einen Baum in meine Stube im Bauernhaus, aber einen mit Nadeln zum Schmücken. Eine besondere Sorte am liebsten. Sogenannte Korktannli finde ich zum Beispiel lustig. Sie sind schmaler als Nordmann- oder Rottannen, ähnlich wie Blautannen, aber sie stechen weniger.»

1,5 Hektaren

Rahel Joss kennt sich aus mit Nadelbäumen. Mit ihrem Vater Bernhard Joss verkauft sie  an Weihnachten Tannen, die sie auf ihrem Bauernbetrieb in Gysenstein BE selbst anbauen. «Vor über 30 Jahren wurden über einem Waldstück meines Vaters Hochspannungsleitungen gespannt, deshalb mussten die hohen Tannen weg. Darunter konnten nur noch Unkraut und Dornen wachsen», erzählt Rahel Joss im Auto.

Sie ist unterwegs zu ebendiesem Stück Land. «Mein Vater hat dann überlegt, wie sich das Land unter den Leitungen nutzen liesse. Er kam auf die Idee, Tannenbäume zu pflanzen, sie nicht zu gross werden zu lassen und an Weihnachten zu verkaufen.» Da das Geschäft gut lief, erweiterte er die Anbaufläche. Mittlerweile baut die Familie auf gut 1,5 Hektaren Weihnachtsbäume an.

Das ganze Jahr zu tun

«Schau, diese ist markiert», sagt Rahel Joss zu ihrem Vater. In ihrer dicken Winterjacke stapft sie durch den tiefen Schnee auf eine Tanne zu und schüttelt die Äste. Sie markieren die Bäume, die die richtige Grösse für den Verkauf haben, bereits im Herbst. «Dann sind sie einfacher zu erkennen. Gerade wenn so viel Schnee liegt wie heute», erklärt sie.

Überhaupt geben die Bäume fast das ganze Jahr über zu tun. Im März pflanzen sie die Setzlinge.  Wenn es in dieser Zeit zu wenig regnet, müssen sie sie wässern, denn sonst überleben sie nicht. Danach werden die Bäume «geklemmt», damit sie nicht zu hoch aufschiessen.

Jäten übernehmen Schafe

Das Jäten übernehmen Schafe. Rahel Joss mietet im Sommer ein paar Shropshire-Schafe. Die fressen als einzige Rasse nur das Unkraut und lassen Zweige und Rinden unberührt. Im Herbst gilt es zu entscheiden, welche Tannen zu Weihnachtsbäumen werden sollen. Die Arbeit lohnt sich aber. Das Geschäft mit den Bäumen macht gut ein Drittel des landwirtschaftlichen Einkommens aus.

Einen Teil der Tannen verkaufen sie direkt ab Hof. Eine fixe Anzahl nehmen die Landi-Läden in der Region. Letztes Jahr konnte die Familie Joss rund 1200 Weihnachtsbäume verkaufen.  Daneben führen die Joss’ einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 24 Kühen. Sie haben 20 Hektaren Land. Auf denen bauen sie neben den Tannenbäumen das Futter für die Tiere an.

Betriebsübernahme


In der warmen Stube in ihrer Wohnung im Bauernhaus erzählt die 28-Jährige, wie es weitergehen soll. «Auf das neue Jahr übernehme ich den Betrieb von meinem Vater.» Während sie erzählt, blicken ihre blauen Augen zielgerichtet. Manchmal fährt sie sich durch das kurze braune Haar. «Mein Vater wird weiterhin mit mir zusammenarbeiten.Ich werde aber verantwortlich sein, dass es finanziell gut läuft», sagt sie.

Trotz des tiefen Milchpreises will sie neben den Tannenbäumen weiterhin einen Milchbetrieb führen. Allerdings mit saisonaler Abkalbung und mit Weidehaltung. In Irland und Neuseeland hat sie gelernt, was es dabei zu beachten gilt, und sie will den Betrieb möglichst zügig umstellen. «So kann ich unseren Aufwand reduzieren. Zudem entspricht es meiner Philosophie. Ich sehe die Kühe am liebsten auf der Weide», sagt die junge Frau.

Neujahrswünsche

«Ich werde Gas geben müssen, um das alles zu schaffen», erzählt sie weiter und hält die Kaffeetasse fest in der Hand. Die finanzielle Verantwortung gebe ihr schon noch etwas zu denken. «Zum Glück steht mir mein Vater bei der praktischen Arbeit zur Seite. Er hat den Betrieb übernommen, als er 23 Jahre alt war. Und bis heute hat er ihn sehr gut und organisiert geführt.»

«Wir werden bestimmt hin und wieder aneinandergeraten. Aber ich finde es wichtig, dass jeder seine Meinung sagt.» Grundsätzlich arbeiteten sie sehr gut zusammen. Das sei eine wichtige Grundlage für einen funktionierenden Betrieb. Ein Neujahrswunsch von Rahel Joss ist deshalb, dass sie weiterhin so gut auskommen und sie den Betrieb in Gysenstein mit der Unterstützung der ganzen Familie erfolgreich führen kann.

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