26.12.2013 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Milena Conzetti
Laubholz
Revival? - Laubholz hat Potenzial als Bauholz
Seit Jahren wächst im Schweizer Wald immer mehr Laubholz nach. Der Klimawandel verstärkt diese Tendenz. Doch die Holzverarbeiter tun sich schwer, Laubholz sinnvoll einzusetzen. Neuere Projekte zeigen aber, dass Buchenholz nach dem "Brennholzrevival" auch als Bauholz vermehrt genutzt werden könnte.

Ein Schrank aus einheimischer Buche oder ein Tisch aus dem alten Kirschbaum im Garten sind zwar schön und gut. Doch was in der Schweiz fehlt, ist die Nutzung grosser Mengen einheimischen Laubholzes im Bauwesen. Denn seit vielen Jahren zeigt sich, dass im Schweizer Wald immer mehr Laubbäume nachwachsen. Das ist unter anderem eine Folge des naturnahen Waldbaus, der seit den 1940er Jahren gelehrt wird.

Sehr viel Buche

Dabei geht es um die Förderung von Baumarten, die natürlicherweise an einem Standort wachsen und sich dort selbst vermehren. Im Mittelland sind dies vorwiegend Laubbaumarten. So besteht knapp die Hälfte des Waldes im Jura und Mittelland aus Laubbäumen, mit steigender Tendenz. Der häufigste Laubbaum ist in den beiden Regionen mit Abstand die Buche (fast 70% der Laubbäume im Jura, gut die Hälfte im Mittelland).

Weitere wichtige Laubbaumarten sind Esche, Eiche und Ahorn. In den höheren Lagen der Voralpen und Alpen wachsen natürlicherweise mehr Nadelbäume, hauptsächlich Fichten. So ist das Verhältnis von Nadel- zu Laubbäumen schweizweit gesehen zwei zu eins. Betrachtet man aber die Zahlen des in Schweizer Sägereien verarbeiteten Holzes, fällt auf, dass nur gerade fünf Prozent Laubholz sind.

70 Prozent landet im Ofen

Ebenso wie bei den stehenden Bäumen liegt das Verhältnis der gefällten bei zwei zu eins fürs Nadelholz. Die Menge des gefällten Laubholzes hat im Jahr 2012 erstmals seit zehn Jahren wieder abgenommen und betrug 1,6 Mio. Kubikmeter. Ende 2013 besteht aber wieder eine bessere Nachfrage und die Preise sind etwas angestiegen. Die immer stärkere Nutzung von Laubholz ist auf den steigenden Bedarf an Energieholz zurückzuführen.

So landen 70 Prozent des geernteten Laubholzes direkt im Ofen. Je 15 Prozent werden als wertbringendes Stammholz und Industrieholz genutzt. Während das Energieholz direkt im Wald zu Stückholz oder Hackschnitzeln weiterverarbeitet wird, kommt das Stammholz in die Sägereien. Aber hauptsächlich in ausländische: 80 Prozent des Laub-Stammholzes werden exportiert. Entsprechend fällt die Wertschöpfung bei der Weiterverarbeitung des Holzes im Ausland an – wie in einem Entwicklungsland.

Dabei sind die wenigen Schweizer Sägereien, die auch Laubholz verarbeiten, nicht einmal ausgelastet. Aber die Nachfrage nach Schweizer Laubholz ist so gering und Holz sowie Holzprodukte aus dem Ausland so billig, dass es sich kaum lohnt, das Laubholz hier zu sägen und zu verarbeiten. Das meinen zumindest viele aus der Branche. Aber es gibt ein paar erfolgreiche Laubholz-Pioniere, die zeigen, was in dieser Ressource steckt und wie man sie gewinnbringend und in grosser Menge verwenden kann

Belastbar wie Beton und Stahl

Laubholz gilt als teurer zu verarbeiten, da die Stämme krummer und härter sind, die Ausbeute insgesamt kleiner. Es braucht fürs Sägen und Bearbeiten andere Maschinen als fürs Nadelholz. Dazu kommt, dass die Unterschiede der einzelnen Laubhölzer grösser sind als bei den Nadelholzarten. Ausserdem sind die Eigenschaften von Laubholz wenig vorhersagbar, es weist grössere schwache Stellen und eine grosse Farbvariabilität auf.

Das bedeutet, dass Qualität und Aussehen stark schwanken und die Sortierung von grosser Bedeutung ist, die Automatisierung entsprechend schwierig. Deshalb ist Laubholz nur mit viel Erfahrung zu verarbeiten. Kommt dazu, dass die Verbundmittel wie Leime und Schrauben aufs Nadelholz abgestimmt sind, ebenso die Baunormen. Auch schwinden Laubhölzer stärker als Nadelhölzer.

Bis acht Stockwerke aus Holz

Aber Laubholz bietet auch Vorteile: grosse (Buchen-)Mengen wachsen täglich in den Schweizer Wäldern nach und es ist härter, dichter und fester als Nadelholz. Dadurch kann man filigraner bauen und braucht weniger Material, was wiederum den Preis beeinflusst. Die dünneren Querschnitte kommen der modernen Architektur entgegen. Die Festigkeit von verleimtem Laubholz kann mittlerweile mit Stahl und Beton mithalten. Das erlaubt Holzbauten bis zu acht Stockwerken, bis jetzt waren nur sechs möglich.

"Laubholz ist der neue, ökologische Hochleistungsbaustoff für den Ingenieurholzbau", ist Bruno Abplanalp überzeugt, Geschäftsführer der Neuen Holzbau AG und Vorreiter in Sachen Bauen mit Laubholz. Der Absatz nimmt zu und die Möglichkeiten fürs Bauen mit Holz sind enorm.

Grosses Potenzial

Auch wenn die Nachfrage nach Laubholz künftig steigen sollte, werden die Laubwälder nicht so schnell übernutzt: Von den 3,5 Mio. Kubikmeter Laubholz, die jährlich in der Schweiz nachwachsen, werden heute nur 2,5 genutzt. Die stärkere Nutzung wäre ökologisch gesehen erwünscht. Holz ist an sich schon eine gute Wahl als Baumaterial. Es gibt immer bessere Bauprodukte, die ideal für den modernen Holzbau gemäss Minergie eco und 2'000 Watt-Gesellschaft sind.

In Bezug auf die graue Energie schneidet aber einheimisches Holz am besten ab, weil es nicht weit transportiert werden muss. Und weil Schweizer Waldbesitzende im internationalen Vergleich ihre Wälder sehr umweltschonend und nachhaltig bewirtschaften, bieten Schweizer Holz und die entsprechenden Produkte noch mehr ökologischen Mehrwert. Um zu erkennen, woher das Holz kommt und wo es verarbeitet wurde, gibt es seit 2009 das Herkunftszeichen "Schweizer Holz".

Laubholz landet zu oft im Ofen

Laubholz eignet sich zwar hervorragend als nachwachsender und einheimischer Energieträger, denn der Brennwert von Laubholz ist um ein Drittel höher als der von Nadelholz. Dank des Booms moderner Holzschnitzelanlagen hat sich die Menge an Laubhackschnitzeln aus Schweizer Wäldern in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht. Insbesondere können die vergleichsweise grossen Kronen der Laubbäume mitgehäckselt werden und steigern so den Wert von Laubholz zusätzlich.

Zu oft werden aber auch die guten und wertvollen Stämme wegen des fehlenden Absatzes gleich mit durch den Hacker gelassen. Es wäre aber viel sinnvoller, aus diesem Holz erst langlebige Produkte mit hoher Wertschöpfung herzustellen. Und diese erst nach ihrem Lebensende als erneuerbare Energie zu verbrennen. So wäre die Ressource Holz noch nachhaltiger genutzt.

Neue Holzbau AG

Die neue Holzbau AG tüftelt seit mehr als zehn Jahren erfolgreich an Konstruktionen aus Laubholz und an Kombinationen aus Laub- und Nadelholz. Dies ermöglicht den Ingenieuren mit den Festigkeitsklassen zu spielen und dadurch die Tragwerke zu optimieren. Riesige Hallen, Deckenkonstruktionen und Brücken aus Laubholz hat die neue Holzbau AG entwickelt, was vor wenigen Jahren noch undenkbar war.
www.neueholzbau.ch

Corbat-Holding SA

Zur Firma gehören das grösste Laubholzsägewerk (Kapazität: rund 20'000 Kubikmeter) der Schweiz und Betriebe, die Laubholz im grösseren Stil weiterverarbeiten. Hier werden die SBB-Buchenbahnschwellen hergestellt und diverse Holz-Parketts.
www.corbat-holding.ch

Projekt "Bauen mit Buche"

Ziel des Waldwirtschaftsverbands beider Basel ist es, die Lücken in der Buchenholz-Vermarktungskette zu schliessen. In einem hochautomatisierten Hartholzsäge- und Leimwerk sollen nach Kundenwünschen gefertigte gerade Träger und flächige Bauelemente hergestellt werden. Pro Jahr könnte das Werk etwa 20'000 Kubikmeter Buchenholz verarbeiten und 30 Vollzeitstellen bieten. Das Projekt wird von Waldbesitzenden, Sägerei und Holzbaubetrieben getragen. Anfang 2014 entscheidet sich, ob das Projekt mit genügend Kapital gestartet werden kann. Investitionsvolumen: ca. 20 Millionen Franken.
www.partnerimwald.ch

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE