17.12.2017 07:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Manuel Fischer, lid
Luzern
Hofevent kurbelt Absatz an
"Bühlmann’s Weihnachtsbäume" ist für Viele ein Begriff in der Region Luzern. Der Betrieb setzt bei Christbäumen nicht nur auf "Swissness". Ebenso wichtig sind Service, Beratung, Kulinarisches und alljährliches Beisammensein.

Der Weg zum Bauernhof der Familie Bühlmann führt über schmale Strassen auf eine Anhöhe hinter den Militärflugplatz in Emmen. Jedes Jahr ab November herrscht hier viel Betriebsamkeit. Für viele Bewohner der Agglomeration Luzern gehört der Kauf eines Christbaums ab Hof mittlerweile zum festen Termin im Jahreskalender.

Wunschbaum

Wie ein Vorbote der hektischen Tage taucht ungeahnt eine junge Familie mit vier kleinen Kindern auf. Eine Tochter schickt sich an, mit einem farbigen Band ihren Wunschbaum auf einem kleinen Feld zu markieren. Senior Werner Bühlmann ist gerade vom Traktor hinuntergestiegen und wechselt ein paar Worte mit den Besuchern.

Die Vorauswahl vor Ort von ungeschnittenen Bäumen kommt zwar selten vor, ist aber für viele eine schöne Einstimmung in die Adventszeit. "Es gab auch schon Kinder, die ganze Plakate mit laminierten Zeichnungen fürs Christkind an den Wunschchristbaum befestigten", erzählt Bühlmann auf dem Rundgang durch Hof und Baumplantagen. 

Ein Weihnachtsmarkt

Die Bühlmanns und befreundete Helfer packen zur Adventszeit an. Auf dem Hofgelände wird den Kunden ein kleiner Weihnachtsmarkt geboten, wo die Besucher sich jeweils mit Glühwein und "Kafi Träsch" aufwärmen dürfen. So manche Kunden lassen sich durch kulinarische Argumente überzeugen. Denn beim Kauf eines Weihnachtsbaums gibt es eine Rauchwurst aus hofeigenem Schweinefleisch als Geschenk dazu.

Überdies setzen "Bühlmann’s Weihnachtsbäume" auf Service und Beratung. Momentan der Renner sind napf-förmige Ständer mit einem Konus, der nach oben in den sauber zugeschnittenen Baum sticht. "Es braucht nur eine halbe Drehung und der Baum steht perfekt gerade", erläutert Werner Bühlmann. Die Bäume dürfen nach dem Schnitt nicht falsch gelagert werden. "Die müssen gleich Wasser ziehen können, das ist wie bei einem Blumenstrauss." Auch die Kunden werden mit Tipps versorgt, damit der Weihnachtsbaum mindestens bis zum Dreikönigstag tadellos aussieht.

Konkurrenz setzt auf importierte Bäume 

Werner, der inzwischen den Betrieb einem seiner Söhne übergeben hat, übernahm das Christbaumgeschäft von seinem Vater. Nach einem Sturm und grossen Waldschäden Mitte der 1960er-Jahre begann Candit Bühlmann, Rottannen zu pflanzen und kam auf die Idee, diese als Christbäume abzusetzen. Zu jener Zeit war er ein Pionier auf diesem Gebiet. Der Verkauf beschränkte sich anfänglich auf ein paar hundert Bäume Absatz pro Jahr. Doch dank seines Verkaufstalents vergrösserte sich die Kundschaft von Jahr zu Jahr.

Er pflegte gute Beziehungen zu einem Apotheker, der sein Geschäft im Shoppingcenter Emmen betrieb. So begannen die Bühlmanns 1974 im Eingangsbereich Weihnachtsbäume zu verkaufen. Doch Konkurrenz machte sich bemerkbar. Grossverteiler Coop und Migros, aber auch Baumärkte wie Hornbach und Jumbo entdeckten den Verkauf von Christbäumen ebenfalls als lukratives Geschäft. "Die konnten uns natürlich preislich unterbieten. Aber unsere Mitbewerber setzten fast ausschliesslich Importbäume ab", erläutert Werner Bühlmann. 

Eine Rarität

"Das waren schwierige Jahre." Doch zwei Strömungen kamen den Bühlmanns sehr gelegen. Zum einen bevorzugen heutzutage die meisten Käufer die pflegeleichte Nordmanntanne, die eine längere Haltbarkeit aufweist. Vor Jahrzehnten galt diese Spezies noch als Luxus und war gut viermal teurer als eine Rottanne. Mit der Marktdurchdringung aus monokulturellen Grossplantagen in Dänemark wurde diese erschwinglicher. Zudem zeigt die Erfahrung, dass sich diese in Nordeuropa heimische Baumart auch für den Anbau in der Schweiz gut eignet.

"Noch vor 20 Jahren war eine Nordmanntanne aus Schweizer Produktion eine Rarität", so Bühlmann. Gleichzeitig nahm die Nachfrage nach der seit jeher einheimischen Rottanne stark ab. Offenbar ist dieser Rückgang auch dem modernen Wohnungsbau geschuldet; das durch Fussbodenheizungen klimatisierte Wohnzimmer scheint den Rottannen nicht zu bekommen.

Zum zweiten beeinflusst der Megatrend "Regionalität" nun das Christbaumgeschäft. «Vor 10 Jahren hatten wir an unseren Verkaufsstellen 500 bis 800 Importbäume im Angebot, heute sind es noch 100 bis höchstens 300. Der Rest ist einheimisch. Unsere Stammkundschaft hielt uns über Jahre die Treue. Der Verkauf ab Hof ist für viele zu einem Ritual geworden», so Werner Bühlmann.  

Empfindliche Gewächse

An Besuch ist man sich auf dem Weiler Rottertswil übrigens gewohnt. Mit den näher rückenden Siedlungen sind am Wochenende immer mehr Fussgänger, Velofahrer, Hundehalter und Hobbyreiter unterwegs, welche stets willkommen sind. Unweit des Hofes befinden sich die Nordmanntannen-Plantagen. Die Nadelbäume sind empfindliche Gewächse, die Hege und Pflege brauchen; so erdulden sie beispielsweise keinen Spätfrost im Frühling. Von 8 bis 10‘000 Bäumen pro Hektare wird nur ein Bruchteil zum verkäuflichen Objekt heranwachsen.

Bäume mit einem symmetrischen Wuchs der Seitenäste, mit dichten Nadeln und einer unbeschädigten, freistehenden Spitze sind erstklassiert und erzielen die höchsten Preise. Aufgrund der rasch wachsenden Nachfrage nach Schweizer Christbäumen arbeiten die Bühlmanns mit einem Partnerbetrieb aus dem Kanton Aargau zusammen.

Es bleibt ein Nebenerwerb

Sohn Thomas Bühlmann, inzwischen Betriebsleiter, will das Geschäft mit den grünen Nadeln unbedingt weiter gedeihen lassen: "Die Digitalisierung fordert uns heraus. Wir prüfen den Einstieg ins Onlinegeschäft." Der traditionelle und sympathische Verkauf ab Hof soll aber weiterhin bestehen bleiben.

Vater und Sohn sind sich einig, dass es weiterhin ein Nebenerwerbszweig bleiben wird. Denn mit einem Milchviehbestand von rund hundert Kühen und einer Schweinemast sind die Ressourcen durchs Jahr anderswo gebunden. "Unser Ziel ist es, die bisherige Kundschaft weiterhin gut zu bedienen und zu behalten."

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