9.02.2015 10:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Holzmarkt
Frankenstärke: Holzschläge teilweise eingestellt
Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses verteuerten sich Holzexporte aus der Schweiz auf einen Schlag um rund 15 Prozent. Das hat Folgen: Die meisten Holzverarbeiter senken die Preise, Holzschläge wurden eingestellt.

Vor drei Wochen hat die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben. Vom seither deutlich tieferen Eurokurs ist insbesondere auch die Holzbranche betroffen. Die Schweiz exportiert jährlich rund 1 Mio. Tonnen Rund- und Schnittholz. Zudem drängen nun noch günstigere Importe auf den Markt. Die Holzmarktkommission empfiehlt daher, die aktuellen Rundholzpreise für die nächsten zwei Monate um 10 Prozent zu senken. Was bedeutet das für die Waldbesitzer?

Generelle Einstellung gefährdet gesamte Branche

Grössere Waldbesitzer haben ihre Holzschläge bereits vorübergehend eingestellt. Einige Forstunternehmen haben gemäss Stefan Flückiger, Geschäftsführer der Berner Waldbesitzer, Kurzarbeit eingeführt. Flückiger empfiehlt: «Es soll dort weiter genutzt werden, wo klare Bestellungen vorliegen und die Preise vereinbart und bestätigt wurden. Wo die Abnahme nicht klar vereinbart und garantiert ist, ist es vorteilhaft, die Nutzung einzustellen.» Eine generelle Einstellung aller Arbeiten würde aber die gesamte Holzkette gefährden, betont er.

Grundsätzlich sind bestehende Verträge zwischen Waldbesitzern und Sägewerken zu respektieren. Allerdings haben die meisten Verträge Ausstiegsklauseln bei ausserordentlichen Marktveränderungen. «Massgebend ist, ob das Holz bereits an der Waldstrasse bereitgestellt und übergeben wurde. Dann gelten grundsätzlich die alten Preise», erklärt der Forstingenieur. Für gefälltes Holz, das noch im Wald liegt, könnten nur bei bestimmten Vereinbarungen die alten Preise gefordert werden.

Imprägnierwerk AG als Ausnahme

Die grosse Mehrheit der Holzverarbeiter hat ihre Preise gesenkt, wie eine Umfrage von Waldwirtschaft Schweiz (WVS) zeigt. Bei den qualitativ besseren Sortimenten beträgt die Senkung gemäss Hans Gerber vom Dachverband der Waldbesitzer rund 5 bis 10 Prozent, bei den schlechteren 10 bis 20 Prozent. «Je nach Region, Exportanteil, Sortiment und Konkurrenz sind die Unternehmen mehr oder weniger stark von der Frankenaufwertung betroffen», sagt er.

Eine Ausnahme bildet die Imprägnierwerk AG aus Willisau. Sie lässt ihre Preise unverändert, trotz Konkurrenz durch Importprodukte in Baumärkten. «Wir sind auf eine kontinuierliche Rohstoffversorgung angewiesen», erklärt Geschäftsführer Guido Thalmann. Durch Qualität, Innovation und optimalen Service wolle man den Standortnachteil ausgleichen. Gerber verspricht: «Die WVS wird sich bei Bund und Politik für Massnahmen zugunsten der Branche einsetzen.»

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