14.11.2013 10:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Solothurn
Die Holzrevolution steht vor der Tür
Bei allem steht das Regionale mittlerweile im Fokus, einzig das Holz kommt grösstenteils aus dem Ausland. Liegt es an den Preisen, am Lohnniveau? Betroffene probieren Antworten darauf zu finden.

Um klare Worte ist er nicht verlegen. Stefan Zöllig nennt es widersinnig. Er nennt die hohen Holzimporte in die Schweiz beschämend und traurig. Und er sagt: «Standardmässig wird heute in keinem Holzbau auch nur ein Zahnstocher Schweizer Holz verbaut.»

Zöllig ist Geschäftsführer der Timbatec GmbH mit Hauptsitz in Thun. Die Firma hat sich auf grossvolumige Holzbauten spezialisiert. Sie planen Gebäude in einer schieren Grösse, die vor Jahren noch unmöglich schienen. Timbatec baut Türme und Hochhäuser, ja ganze Siedlungen.

Schweizer Holz "verliert" gegen Importware

Und Zöllig gesteht: «Ich bin sowohl Täter als auch Opfer.» Täter insofern, ausländisches Holz zu verbauen, Opfer, weil der Kunde genau hier das Geld spart. Am Anfang der Planung ist die Klausel «Schweizer Holz» zwar fast immer drin, spätestens, wenn es aber um den endgültigen Preis geht, fällt es dem Importholz zum Opfer.

Doch woran liegt es? Warum steigen die Importe ausländischen Holzes Jahr um Jahr, während in der Schweiz jährlich acht Millionen Kubikmeter gewachsenes Holz genutzt werden wollen? Warum boomt der Holzbau, während der Wald nichts davon hat? An den Preisen, dem Lohnniveau, dem Euro? Diese Frage stellte sich die BWSo (Bürgergemeinden und Waldeigentümer Verband Kanton Solothurn), eine Arbeitsgemeinschaft der Pro Holz Solothurn.

Neue Rezepte müssen her

Um sie zu beantworten, lud man vergangene Woche Referenten nach Egerkingen. Männer der Branche, Insider, Vernetzte. Einer von ihnen ist Stefan Zöllig, und Zöllig ist überzeugt: «Neue Rezepte müssen her. Wir brauchen Innovation, wir brauchen Erfindungen.» Eine solche Erfindung könnte seine Entwicklung «Timber Structures 3.0» sein.

Was hier nach digitalem Futurismus klingt, ist nichts anderes als die stirnseitige Verleimung der Faserbündel von Brettschichtholz. Es funktioniert. So ist es nun möglich, Latten, Balken, ganze Bretter auf riesige Flächen auszudehnen, Geschosse von 20 auf 50 Meter, die heute in Beton gegossen werden, kann man plötzlich aus Holz zimmern. Zöllig sagt, ihm komme das Augenwasser, wenn er an die Mengen Holz denkt.

Zeit des Bretts ist vorbei

Zöllig schwärmt von unendlichen Möglichkeiten, Freiformen, Kuppeln ohne Tragwerk, Autobahnbrücken, ja sogar Röhren, und das alles aus Holz. «Die Schweiz ist bekannt für Uhren, Käse, Messer. Warum nicht auch für ihr Holz?» Die Gegenwart sieht – noch – anders aus. 80 Prozent des verbauten Konstruktionsholzes in Holzbauten kommt aus dem Ausland, aus Deutschland, Tschechien, Polen.

Wegen der tiefen Löhne, des tiefen Euro, der Qualität, wie viele sagen, «aber das sind nur Ausreden», ist Zöllig überzeugt. Pro Kubikmeter Brettschichtholz, das importiert wird, rechnet er vor, entgehen der Schweiz 300 Lohnfranken, 60 Steuerfranken und 30 Franken in der AHV.

Lobbyarbeit in der Politik betreiben

Ins gleiche Horn bläst Thomas Rohner, einer der ersten Holzbauingenieure der Schweiz. Er schwärmt vom Holz, von dessen Romantik und Bedeutung und appelliert nicht nur ans Gewissen, wenn er fragt: «Was gibt es Sinnlicheres, als seinen Tisch aus Schweizer Holz zu schreinern?»

Er begleitete ein Projekt der ETH Zürich, die die Stahlstreben im Gebäudebau durch Buche zu ersetzen versucht und lobt die Hochschule für ihre Bemühungen. Und Rohner ist aktiv. Kürzlich schrieb er Andreas Meyer, CEO der SBB, einen Brief, in dem er sich bitterlich darüber beklagte, dass die Bundesbahnen ihre Schwellen aus Polen importierten.

Auch er ist überzeugt, dass neue Ideen hermüssten, um die Absatzprobleme der Forstbetriebe und Bürgergemeinden zu überwinden. «Wir haben viel verschlafen, nun müssen wir Lobbyarbeit in der Politik betreiben, Ideen haben. Wir müssen uns vernetzen. Und wir müssen vom Markt ausgehen, nicht vom Wald, denn die grossen Volumen sind heute verarbeitete Produkte. Ein Brett kauft Ihnen heute keiner mehr ab.»

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