11.01.2018 10:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Nüsse
Haselnuss sorgt für Verdruss
Die Nachfrage nach Schweizer Haselnüssen wäre vorhanden – ebenso wie gutes Pflanzmaterial und die nötige Erntetechnik. Was fehlt, ist ein gerechter Preis für die Nüsse und die Anerkennung als Obst- oder Spezialkultur.

AgrIQnet will bäuerlichen Initiativen zum Durchbruch verhelfen. Eines der Projekte, die 2017 beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eingereicht wurden und das nun finanziell unterstützt wird, hat den Aufbau von Haselnusskulturen zum Ziel.

Keine eigenen SAK-Werte

«Die Nachfrage nach Schweizer Haselnüssen wäre vorhanden», ist Jürg Maurer von der Fachstelle Obst und Beeren des Inforama Oeschberg BE überzeugt. Die Welthaselnussproduktion liegt bei etwa 900'000 Tonnen. Die Schweiz importiert jährlich etwa 10'000 Tonnen vorwiegend geschälte Haselnüsse – die Importmenge umfasst nahezu den gesamten Bedarf.

«Leider ist der Preis für Schweizer Haselnüsse im Vergleich zu anderen Kulturen nach wie vor nicht interessant», bedauert er, «und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat den Haselnusskulturen immer noch keine eigenen SAK-Werte (Standardarbeitskräfte) analog den Obstkulturen zugewiesen, obwohl wir das gemeinsam mit dem Obstverband seit 2015 fordern.»

Dauerkultur und nicht Obstanlage


Gemäss der landwirtschaftlichen Begriffsverordnung gelten Haselnüsse als Dauerkulturen, jedoch nicht als Obstanlagen und nicht als Spezialkulturen. Sie sind bei der Datenerhebung als übrige beitragsberechtigte Dauerkulturen  zu erfassen. «Somit kann man 0,022 SAK/ha geltend machen», rechnet Maurer vor. «Zum Vergleich: bei den Baumnusskulturen sind es mehr als zehn Mal so viele, nämlich 0,323 SAK/ha.»

Simon Hasler vom BLW verweist darauf, dass Baumnusskulturen nur in einer geschlossenen Anlage von mindestens 100 Bäumen/ha als Obstanlagen und somit als Spezialkultur gelten. Bezüglich der Haselnüsse werde die Einteilung als Dauerkultur bestehen bleiben: «Anpassungen der rechtlichen Grundlagen sind keine geplant. Für Haselnüsse werden in der Talzone 900 Franken Basisbeitrag Versorgungssicherheit und 400 Franken Versorgungssicherheitbeitrag für Dauerkulturen pro Hektare bezahlt, zudem je nach Betrieb Biobeiträge und Landschaftsqualitätsbeiträge.»

Klimatisch günstige Lagen

Laut Jürg Maurer vom Inforama Oeschberg wäre der Anbau von Haselnüssen ohne viel Aufwand möglich: «Für den Erfolg gilt es aber ein paar wichtige Grundsätze zu befolgen, so sind für regelmässige Vollerträge klimatisch günstige Lagen zu bevorzugen. Es werden 400 bis 600 Stauden pro Hektare gepflanzt. Das ergibt Pflanzabstände zwischen den Reihen von 3 bis 6 Metern und Pflanzenabstände in den Reihen von 2 bis 5 Metern. Es gibt auch Empfehlungen von quadratischen Pflanzungen mit 5 auf 5 Meter.» 

Für einen langfristigen Erfolg und gute Fruchtbarkeit sei eine gute Besonnung aller Baumpartien wichtig, betont der Fachmann. «Daher sollten die Pflanzen nicht zu dicht gepflanzt werden.» Der Haselnussanbau eigne sich auch gut für den biologischen Anbau. «Sogar Versuche mit mechanischem Schnitt sind angelaufen und zeigen gute Resultate.»

Staude oder Halbstamm

Gepröbelt wird auch mit der Form der Gewächse. Bisher erfolgte der Anbau in Strauchform mit vegetativ vermehrten Stecklingen. In Deutschland werden aber zunehmend veredelte Sorten als Halbstamm mit einer Stammhöhe von 1 bis 1,2 Meter gepflanzt. Bei solchen Veredlungen gibt es keine Stockausschläge und eine bessere Durchwurzelung, die Pflegearbeiten inklusive der Ernte werden vereinfacht, und der Ertragseintritt erfolgt früher. Es sind viele Sorten verfügbar, und es liegen detaillierte Versuchsresultate über die Sorten vor.

Die Sortenzüchtung findet hauptsächlich in den USA statt. Der Vollertrag setzt nach zehn Jahren ein. Unter optimalen Bedingungen wird  mit 4 Tonnen/ha Ertrag (Nüsse in Schalen, getrocknet) gerechnet. Mit veredelten Pflanzen sind Erträge schon nach dem zweiten Pflanzjahr gegeben. Die Ernte der Nüsse erfolgt in grösseren Kulturen mechanisch. Hier gibt es zahlreiche gute Geräte auf dem Markt.

2015 Anlage erstellt

Andreas Gauch betreibt in Niederwil AG eine Baumschule und ist der Schweizer Haselnusspionier. Er hat 2015 eine Haselnussanlage mit veredelten Pflanzen erstellt. Sie umfasst 1,7ha. Noch ist die Anlage nicht in Ertrag, und Gauch will bezüglich der Ernte keine Prognosen wagen. «Es ist nicht absehbar, wie viel Nüsse wir erwarten dürfen», sagt er.

Überhaupt sei der Ertrag in der Schweiz erst die halbe Miete: «Selbst wenn der Anbau attraktiv wäre, muss man die Initiative ergreifen für die Weiterverarbeitung und die Vermarktung der Nüsse. Ich gehe mit meinen Nüssen ins italienische Piemont, dort sind die Strukturen vorhanden.» Zur maschinellen Ernte meint er: «Maschinen aus südlichen Ländern funktionieren bei uns nicht, weil unter den Stauden Bewuchs vorhanden ist. Wir haben deshalb umgestellt auf die Netzernte. Die Nüsse fallen in die aufgespannten Netze und bleiben so sauber.»

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