12.09.2017 13:17
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Glyphosatverbot kostet 2.3 Mrd.
Die Ankündigung des französischen Umweltministers Nicolas Hulot, dass Frankreich auf EU-Ebene gegen eine Zulassungsverlängerung von Glyphosat stimmen werde, sorgt auf Seiten landwirtschaftlicher Interessenvertreter für anhaltende Kritik. Sie befürchten hohe Verluste.

Die Präsidentin des französischen Bauernverbandes (FNSEA), Christiane Lambert, bemängelte bei einer Pressekonferenz vergangene Woche, dass Hulot vor der Bekanntgabe der französischen Haltung zu Glyphosat dem Anschein nach keine ausreichende Abstimmung mit den Kabinettskollegen gesucht habe. Dies gebiete aber ein so problematisches Thema. Solange es keine Alternative zu Glyphosat gebe, sei der FNSEA für die Wiederzulassung.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Herbizidwirkstoffs wurde am vergangenen Mittwoch durch eine vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos vorgelegte Studie unterstrichen. Demnach drohen der französischen Landwirtschaft im Falle eines Glyphosatverbots Verluste von fast 2 Mrd. Euro (2.28 Mrd. Fr.). Für die Untersuchung wurden 900 landwirtschaftliche Betriebe und mehrere Experten aus Landwirtschaft, Industrie und Institutionen herangezogen. Bei einem Glyphosatverzicht seien Ertragsminderungen zu erwarten, welche Erlöseinbussen bei Getreide von 1,06 Mrd. Euro (1.21 Mrd. Fr.) und im Weinbau von rund 900 Mio Euro (1.03 Mrd. Fr.) zur Folge hätten.

Gleichzeitig würden laut der Studie die Produktionskosten im Getreideanbau um 10% und im Weinbau um 18% steigen, was insgesamt zu Rentabilitätsverlusten bei Getreide um 33% und im Weinbau um 22% führe. Insbesondere bei Kulturen mit bodenschonenden Bewirtschaftungsformen sei die Abhängigkeit von Glyphosat gross, stellen die Autoren der Studie fest. Vor der Notwendigkeit einer intensiveren Bodenbearbeitung nach einem Verbot dieses Herbizids warnte vergangene Woche auch die Vereinigung für nachhaltige Landwirtschaft (APAD).

Dies würde die prekäre ökonomische Situation der Landwirte noch verschärfen, sei kostspielig, bewirke weitere Bodendegradierungen und fördere die Freisetzung von Kohlenstoff aus den Böden beziehungsweise von Treibhausgasen. Hulot würde damit, so die APAD, die eigenen umweltpolitischen Ziele seines Ministeriums konterkarieren.

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