31.12.2017 11:52
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Wer frisst was?
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Die Futtermittel-Verwendung ist je nach Tierart unterschiedlich. Raufutterverzehrer wie Rindvieh, Schafe, Ziegen, Pferde usw. werden hauptsächlich mit nicht-marktfähigen Futtermitteln gefüttert. Das sind die Grundfuttermittel, die meistens direkt auf dem Betrieb produziert und verfüttert werden. Der Anteil der nicht-marktfähigen Futtermittel macht rund 90 Prozent der Futtermittel-Trockensubstanz aus. Schweine und Geflügel sind Allesfresser, sie erhalten vor allem Mischfutter. Dementsprechend fressen Raufutterverzehrer vor allem Futter aus dem Inland, während bei den Allesfressern dieser Anteil tiefer liegt.

Rindvieh

In der Schweiz werden rund 1,5 Millionen Stück Rindvieh gehalten, darunter 550'000 Milchkühe und etwa 120'000 Mutterkühe. Wie viel eine Milchkuh frisst hängt von der Milchleistung, der Tiergrösse, der Futterart und vielen weiteren Faktoren ab. Manche Kühe fressen sogar mehr, wenn sie eine Glocke tragen, andere fressen dann weniger .

Neben den Hauptbestandteilen Gras, Heu und Silage bekommen Kühe in Abhängigkeit ihrer Milchleistung Kraftfutter in Form von Mais, Gerste, Hirse, Rübenschnitzel, Kartoffeln, Acker- oder Sojabohnen.Ob und wie viel Kraftfutter eine Kuh bekommt, hängt von ihrer jeweiligen Milchleistung ab. In den ersten sechs Monaten, nachdem sie ein Kalb geboren hat, bekommt sie mehr Kraftfutter als einige Monate vor dem nächsten Abkalben.

100 gr Kraftfutter pro kg Milch

Im Vergleich zum Ausland bekommen Schweizer Kühe sehr wenig Kraftfutter. In europäischen Vergleichen verfütterten die Schweizer Bauern ihren Kühen nur gut 100 Gramm Kraftfutter pro kg Milch. Die französischen setzten dafür die doppelte Menge ein, die Deutschen, Holländer oder Dänen das Dreifache. Die Spanier füttern mit gut 400 Gramm Kraftfutter pro kg Milch gar das Vierfache ihrer Schweizer Kollegen.

Der geringe Kraftfutter-Einsatz ist vor allem dem sehr guten Grundfutter zu verdanken. Das Ganze hat aber kostenmässig eine Kehrseite: Es ist arbeitsmässig aufwändiger und damit auch teurer. Auch der SBV schätzte in einem Ländervergleich den Kraftfuttereinsatz je Milchkuh in der Schweiz auf rund ca. 700 kg im Jahr, während er in anderen EU-Ländern bei ca. 2'000 bis 2'500 kg je Kuh und Jahr liegt.

70 und 140 Kilogramm Gras

Im Sommer kann eine Kuh pro Tag zwischen 70 und 140 Kilogramm Gras fressen, im Winter sind es zwischen 15 und 20 Kilogramm Heu. Auch Kartoffeln frisst das Vieh gerne. Sie sind leicht verdaulich, zudem ist die in den Knollen enthaltene Stärke ein guter Energielieferant. Bei übermässiger Verfütterung von Kartoffeln kann es jedoch zu einer Übersäuerung des Pansens kommen. Deshalb werden pro Tag und Tier in der Regel nicht mehr als zehn Kilogramm Kartoffeln verfüttert.

Futterrüben sind wie Kartoffeln ein guter Energielieferant und bei Tieren ebenfalls sehr beliebt. Sowohl die Rüben als auch die Blätter können verfüttert werden. Alles in allem liegt der "Netto-Selbstversorgungsgrad" der Futtermittel auf der Basis ihres Energie- und Eiweissgehaltes beim Rindviehfutter laut Agristat bei 88 Prozent, bei den Kühen sind es 86 Prozent.

Schweine

Derzeit leben etwa 1,4 Mio. Schweine in der Schweiz. Schweine sind Allesfresser. Früher wurden sie oft als reine Abfallverwerter genutzt, die Fleischqualität liess dann aber mitunter zu wünschen übrig. Seit dem Verbot der Verfütterung von Küchenabfällen werden Schweine fast nur noch mit Futtergetreide (Gerste und Hafer) und Nebenprodukten aus der Verarbeitung von Lebensmitteln gemästet. Dazu gehört auch die bei der Käsefabrikation anfallende Schotte.

Zahlreiche Nebenprodukte müssten ohne Schweinehaltung entsorgt werden, was weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll wäre. Beim Netto-Selbstversorgungsgrad liegt bei der Schweinefütterung, bezogen auf Energie und Eiweiss, bei 43 Prozent; bezogen auf die Trockensubstanz ist es rund die Hälfte.

Hühner

Die Schweiz hat mehr Hühner als Einwohner. Von den 10 Mio. Geflügeltieren sind 3,5 Mio als Zucht- und Legehühner registriert. Ein Legehuhn frisst im Tag etwa 120 Gramm Futter. Dieses besteht zur Hauptsache aus Mais, Weizen und Soja. Für die Bildung der Eierschale werden dem Futter Mineralsalze wie zum Beispiel Kalzium beigegeben.

Mastpoulets werden v.a. mit Mais, Weizen und Hirse gefüttert. Dazu kommen eiweisshaltige Komponenten wie Soja, plus Mineralsalze, Vitamine und Spurenelemente. Poulets verwerten das Futter höchst effizient: Sie benötigen nur 1,8 Kilogramm Futter um ein Kilogramm zuzunehmen. Beim Netto-Selbstversorgungsgrad auf der Basis von Energie und Eiweiss wird der Inlandanteil beim Geflügelfutter mit rund 25 Prozent berechnet.

Schafe und Ziegen

Die 300'000 in der Schweiz lebenden Schafe sind genau wie die 75'000 hierzulande gehaltenen Ziegen Wiederkäuer. Sie fressen deshalb vor allem Raufutter. Mutterschafe (Auen), Milchschafe und Milchziegen bekommen zusätzlich eine Getreidemischung und Mineralstoffe verfüttert. Beim Netto-Selbstversorgungsgrad wird der Inlandanteil der Schaf- und Ziegenfütterung mit 95 Prozent angenommen.

Pferde

In der Schweizer Statistik sind etwa 55'000 Pferde aufgeführt. Je nach Rasse, Grösse und Arbeit frisst ein Pferd pro Tag bis zu 30 Kilogramm Gras oder sieben Kilogramm Heu. Als Grundfuttermittel dienen wie beim Rindvieh Gras, Heu, Silage und Stroh. Als Leistungsfutter werden Hafer, Gerste, Mais oder eine Futtermischung, welche mit Mineralstoffen angereichert ist, verabreicht. Der Netto-Selbstversorgungsgrad beim Pferdefutter wird nicht separat erfasst, sondern zusammen mit dem Futter anderer Tierarten wie Kaninchen, Esel etc. ausgewiesen. Er liegt bei rund 88 ProzenHühner

Branchenstrategie Kraftfutterversorgung

Die Branche will darauf hinarbeiten, die Versorgung mit inländischem Kraftfutter wieder zu stärken. Der Bedarf an Kraftfutter hängt jedoch nicht zuletzt von der Nachfrage nach tierischen Nahrungsmitteln ab. Die Bauern produzieren ja nicht am Markt vorbei, sondern nahezu sämtliche, im Inland produzierten tierischen Lebensmittel werden hierzulande konsumiert.

Der Selbstversorgungsgrad ist bei einzelnen Gruppen sogar recht tief. Bei Geflügelfleisch und Eiern liegt er nur knapp über 50 Prozent. Einzig bei der Milch ergibt sich ein Exportüberschuss von rund 10 Prozent. Nimmt man als Massstab für "zu viel produzierte Milch" die Menge C-Milch, die unterpreisig im Ausland abgesetzt werden muss, dann liegt der Anteil der zu viel produzierten Milch bei gerade zwei Prozent. Diese zwei Prozent sind nicht für die steigenden Futterimporte verantwortlich.

Der Schweizer Bauernverband SBV will bis zum Zeithorizont 2020 die inländische Kraftfutterversorgung wieder ausbauen. Konkret strebt er eine Ausdehnung der Futtergetreidefläche an und eine verstärkte Produktion von pflanzlichen Eiweissen. Erstrebenswert findet er es auch, einen Teil der vorhandenen tierischen Eiweisse wieder in der Nahrungsmittelkette einzusetzen. Damit diese Ziele erreicht werden könnten, wären eine ganze Reihe von Massnahmen nötig. Dazu zählen neben der Agrarpolitik auch die Forschung Züchtung und Förderung der Ressourceneffizienz.

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