1.09.2015 10:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Reiner Schilling
Graubünden
Ohne Drahtseil weniger Bergheu
Auf Inner Glas in Tschappina GR wird das Bergheu teilweise mit der Seilwinde eingebracht. Die Familie Schmid-Blumer hält an dieser Tradition fest, solange Maschinist, Winde und Helfer mitmachen.

Wie jedes Jahr ist dieser Augusttag ein besonderer, wenn Familie Schmid-Blumer aus Inner Glas (1819 m ü.M.) heuen geht. Am Vortag mäht Bergbauer Ralf Schmid den Südhang unterhalb der Siedlung, damit die Sonne ihr Restliches tut. Nachmittags darauf kommt eine Helferschar aus Familie und Freundeskreis dazu, angeführt von Ehefrau Regula Schmid.

Früher mehr Heu geseilt

Die Helferinnen und Helfer wissen bereits, was sie dort erwartet. Es ist zwar nicht die abgelegenste Bergwiese, dafür die steilste mit 75 Prozent und dem Flurnamen «Halda». Schwiegervater Fridolin Blumer erzählt, dass früher wesentlich mehr Heu mit der Seilwinde hochgezogen wurde. Das Bergheu kam in den Stall auf halber Höhe. Heu von den Fettwiesen hoch ins Dorf. Ralf Schmid ist begeistert von der diesjährigen Qualität des Bergheus.

Es sei fast zu schade für die Rösser, witzelt er, denn die letzten beiden «Fuder» kommen in den Pferdestall. Inzwischen teilt eine Meliorationsstrasse den Hang unterhalb von Inner Glas. Für die Bergbauern am Glaspass ein immenser Fortschritt. So wird alles, was oberhalb gemäht wurde, heruntergerecht und mit der Pick-up geladen. Immer öfter werden die Hänge auch als Mutterkuhweide genutzt, gut 3 Hektar liegen sogar brach.

Meliorationen im Gang

In Graubünden wird nicht mehr viel Bergheu geseilt. Wenn, dann eher abwärts wie zum Beispiel im Avers. Dass bergauf gezogen wird, kennt Valentin Luzi vom Amt für Landwirtschaft und Geoinformation ALG von Sufers und vom Safiental. Derzeit laufen rund 50 Meliorationen im Kanton, bei denen auf «Erschliessung durch Wege» gesetzt wird. Und nicht auf Seilbahnen wie beispielsweise im Kanton Uri. Dort wären die «Strukturen zementiert», sagt Luzi. Teilweise habe es dort nicht einmal eine Zufahrt zu Wohngebäuden und Stall. So manche Betriebe hätten daher Stallungen an zwei Orten.

Familie Schmid haben die «Halda» im Frühjahr ausgewählt, um damit als extensiv genutzte Fläche an der Wiesenmeisterschaft des Naturparks Beverin teilzunehmen. Schmids Betrieb hat 32 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche, davon sind 12 ha Weide. Sie halten 14 Mutterkühe mit Kälber und etwas Nachzucht.

Familie statt Maschinen

Der Maschinenpark ist eher bescheiden, aber voll funktionsfähig. Ralf Schmid gehe lieber mit der Familie in die Ferien, als den Verdienst in neue, teure Landmaschinen zu stecken. Im Winter repariert und wartet Fridolin Blumer, was anfällt. Er selbst hat vor 45 Jahren die Seilwinde für rund 2500 Franken neu gekauft. Zum Einsatz kam diese auch fürs Holzrücken im Forst rund um den Heinzenberg.

Bis jetzt haben alle durchgehalten: Winde, Maschinist und Helferschar. «Das ist nicht selbstverständlich», weiss Ralf Schmid. Einmal kamen bis zu 15 Helfer zum Heuen. «Dann trat man sich fast auf die Füsse», lacht er. Eine der Heuerinnen ist Alexandra Wegmann aus Rhäzüns. Sie ist seit fünf Jahren mit dabei und weiss, dass sie ebenfalls auf Schmids Hilfe zählen kann. «Wenn ich mal eine Skilehrerin brauche», sagt sie und rechnet mit Regula Schmids Talent am Skilift in Tschappina.

Helfer-Znacht als Lohn

Am späteren Nachmittag wird der Bergheuet mit einem Zvieri abgeschlossen. Helfer und Familienmitglieder kennen einander und tauschen sich nicht nur über getane Arbeit aus. Ein besonderes Erlebnis sei im Herbst der Helfer-Znacht. Alle fleissigen Heuer vom Sommer sind zu Schmids nach Hause oder auch mal in ein Restaurant eingeladen. So kommen ausserhalb des Sommers Erinnerungen an die Heuernte auf. Das motiviert die Helfer bereits fürs kommende Jahr.

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