16.03.2013 06:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Fütterung
15'266 kg Milch aus Einzelkomponenten
Emil Schmids Kühe geben nicht nur viel Milch, sie sind auch langlebig. Das erreicht er mit einer ausgeklügelten Ration auch in einem alten Anbindestall.

Als Emil Schmid den Betrieb in Baar ZG 1990 übernahm, lag die Milchleistung der Kühe bei 6900kg. Heute geben seine 27 bis 30 Holstein-Friesian im Schnitt 15'266kg Milch mit 3,66 Prozent Fett und 3,03 Prozent Eiweiss pro Standardabschluss. «Von den 23 Abschlüssen, die hier gerechnet wurden, stammen acht von Rindern», ergänzt Schmid, der 2010 vom Holsteinzuchtverband als Meisterzüchter geehrt wurde.

Und der Betriebsleiter fährt fort: «Wichtiger als die Milchleistung pro Laktation ist mir aber die Leistung pro Lebenstag. Diese liegt für meine Herde bei 23,2 kg.» Diese Zahl besagt, dass die Kühe alt werden und dass sie wirtschaftlich sind. Beides Faktoren, die Schmid enorm wichtig sind: «Ich will mit der Milchproduktion Geld verdienen.»

Funktionelle Kühe

Der Baarer Landwirt ist kein angefressener Viehzüchter, der an Ausstellungen teilnimmt. Trotzdem investiert er viel Zeit in die Wahl der Genetik, er besamt mit Snowman, Shottle und Mascalese, aber auch mit Artes und Planet. Sein Ziel ist eine funktionelle Kuh, die so viel frisst, wie sie Milch gibt – gar nicht so einfach bei der hohen Leistung, zumal Schmid die ganze Energie über die Teilmischration und nicht über die Kraftfutterstation in die Kuh bringen will. Er hat nämlich gar keine Kraftfutterstation, auch keinen hellen, luftigen Laufstall mit all dem Kuhkomfort, den Stallbauer empfehlen.

Aus dem Harvestore

Schmid hat einen alten Anbindestall. Er weidet nicht, lässt die Kühe in den Laufhof. Aber er füttert eine extrem ausgeklügelte Ration. Diese besteht aus Körnermais und Getreide, die fast trocken im Harvestore einsiliert und erst bei der Entnahme gemahlen wird. Dazu kommt Maiskolbenschrot aus Ballen und Grassilage (Haylage), ebenfalls aus dem Harvestore. Diese bringt dank einem Anteil an Luzerne Struktur in die Mischung.

Weiter gibt Schmid einen kleinen Teil Heu oder strukturiertes Emd in den Mischwagen, dazu in kleinen Teilen Glycerin, Dextrose, Fett und extrudierte Leinsaat. «All diese Komponenten haben eines zum Ziel», sagt der Milchviehhalter, «sie müssen Energie bringen, und zwar sowohl schnell wie auch mittelschnell und langsam fermentierbare.»

Die Pansensynchronizität nimmt Schmid enorm wichtig. Deshalb achtet er darauf, dass auch auf Proteinseite die Abbaubarkeit stimmt. Das macht er mit Graspellets, einem Eiweisskonzentrat (die einzige zugekaufte Mischung) und 120g Optigen pro Kuh und Tag. Optigen, ein Produkt der Firma Alltech, bringt langsam verfügbaren Harnstoff in die Kuh. Harnstoff in Reinform besteht nur aus explosionsartig schnell verfügbarem N.

Alltech aber hat ihn in eine Fettmatrix eingebunden. So wird er im Pansen während acht Stunden gleichmässig freigesetzt und erreicht eine Abbaurate wie Sojaschrot. 100g Optigen sollen denn auch 700g Sojaschrot ersetzen. Das bestätigt Schmid: «Ich setze Optigen seit der Lancierung vor fünf Jahren ein. Es ist in der Anwendung viel sicherer als reiner Harnstoff, und es ist billiger als Soja.»

95 Prozent Persistenz

25,2kg Trockensubstanz nehmen Schmids Kühe aus der Ration auf. Dazu kommen etwa 3kg Eiweisskonzentrat und dreimal täglich bestes Heu oder Emd. Gemolken wird in Baar ebenfalls dreimal täglich. Trotz der hohen Leistung kommen Schmids Kühe aber nicht auf die ganz hohen Einsatzleistungen nach dem Kalben, was das Risiko von Stoffwechselstörungen mindert.

Die Persistenz liegt dafür bei 95 Prozent, die Laktationskurve ist flach. «Deshalb besame ich meine Kühe erst, wenn sie weniger als 40kg Tagesmilch geben. Sonst müsste ich sie mit viel zu hohen Leistungen trockenstellen», ergänzt der Bauer. Dass er so auf eine Rastzeit von 185 Tagen kommt, ist ihm egal, denn: «Ich will einfach gesunde, langlebige Kühe und mit der Milchproduktion Geld verdienen.»

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