27.11.2017 10:23
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Deutschland
Erfolg: Sonne auf 2 Etagen ernten
Eine positive Gesamtbilanz zu einem Praxistest von Agrophotovoltaik haben die Universität Hohenheim und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) gezogen.

Eine Pilotanlage am Bodensee habe bewiesen, dass die Stromerzeugung und die Nahrungsmittelproduktion sehr gut miteinander vereinbar seien, berichteten beide vergangene Woche in einer Pressemitteilung.

Fläche von einem Drittel Hektar

Für das Projekt „Agrophotovoltaik - Ressourceneffiziente Landnutzung“ wurden auf einer Versuchsfläche der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach über einer Ackerfläche von einem Drittel Hektar Solarmodule installiert. „Die Ergebnisse des ersten Projektjahrs sind ein voller Erfolg, da sich die Agrophotovoltaik-Anlage als praxistauglich erwiesen hat, die Kosten bereits heute mit kleinen Solar-Dachanlagen wettbewerbsfähig sind, die Ernteprodukte ausreichend hoch und wirtschaftlich rentabel vermarktet werden können“, erklärte Projektleiter Stephan Schindele.

Für ISE-Leiter Hans-Martin Henning hat die Agrophotovoltaik das Potential, neue Flächen für den dringend benötigten Photovoltaikausbau in Deutschland zu erschliessen und gleichzeitig den Flächenkonflikt zwischen Landwirtschaft und Freiflächenanlagen zu mildern. Bis zur Marktreife der Technologie müssten jedoch noch weitere Sparten und Anlagengrössen getestet und die technische Integration vorangetrieben werden, so Henning.

Winterweizen, Kartoffeln, Sellerie und Kleegras

Als Testkulturen wurden auf der Versuchsfläche Winterweizen, Kartoffeln, Sellerie und Kleegras angebaut. Durch einen grösseren Reihenabstand zwischen den bifazialen Glas-Glas-Solarmodulen in 5 m Höhe und die Ausrichtung nach Südwesten wurde sichergestellt, dass die Nutzpflanzen gleichmässig Sonnenstrahlung erhielten.

Die Ergebnisse der ersten Ernten auf der Versuchsfläche sind den Forschern zufolge weitestgehend vielversprechend: „Beim Kleegras ist der Ertrag im Vergleich zur Referenzfläche nur um 5,3 % reduziert“, berichtete Petra Högy, Agrarexpertin an der Universität Hohenheim. Bei Kartoffeln, Weizen und Sellerie seien die Ernteverluste durch die Beschattung mit 18 % bis 19 % etwas stärker ausgeprägt gewesen.

40% des Stroms selber genutzt

Mit der installierten Leistung von 194 Kilowatt können 62 Vier-Personen- Haushalte versorgt werden. Die Photovoltaikanlage lieferte im ersten Jahr 1 266 kWh Strom pro installierter kW-Leistung; das war ein Drittel mehr als der Deutschlanddurchschnitt. Etwa 40% des erzeugten Solarstroms wurden in der Hofgemeinschaft direkt für das Betanken des Elektrofahrzeugs sowie die Verarbeitung der Produkte genutzt.

Im Sommer wurde die Last tagsüber fast komplett durch die Photovoltaik-Anlage beliefert. Die Demeter-Bauern um Thomas Schmid planen, durch eine Optimierung ihres Verbrauchsverhaltens und den Einsatz eines Stromspeichers den Grad der Eigennutzung auf 70 Prozent zu steigern. Den überschüssigen Strom nimmt der Projektpartner Elektrizitätswerke Schönau ab.

Das Projekt „Agrophotovoltaik – Ressourceneffiziente Landnutzung“

Seit die Idee der Agrophotovoltaik 1981 vom Gründer des Fraunhofer ISE, Prof. Dr. Adolf Goetzberger, formuliert wurde, wurden weltweit mehrere große APV-Anlagen umgesetzt. Allerdings existieren nur wenige APV-Forschungsanlagen. Im Projekt „APV-Resola“ werden erstmalig unter Realbedingungen die wirtschaftlichen, technischen, gesellschaftlichen und ökologischen Aspekte der Technologie an einer Pilotanlage wissenschaftlich untersucht. Es wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und FONA - Forschung für nachhaltige Entwicklung gefördert.

Projektziel ist die Entwicklung der APV-Freiflächenanlagentechnologie zu einem marktfähigen Produkt. „Um den für eine Markteinführung notwendigen Nachweis der Funktionstüchtigkeit im Einsatz erbringen zu können, müssen wir weitere techno-ökonomische APV-Anwendungen vergleichen, die Übertragbarkeit in andere Regionen demonstrieren und grössere Anlagen realisieren“, so Stephan Schindele. So sollen die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten u.a. in Kombination mit Obst-, Beeren-, Wein- und Hopfenbau sowie mit Energiespeicher, organischer PV-Folie und solarer Wasseraufbereitung und -verteilung untersucht werden.

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